Von Von Marc Beise

Karstadt-Quelle gerettet? Könnte sein, möge sein, hoffentlich. Doch Vorsicht ist geboten, denn zu unpräzise ist noch das große Sanierungskonzept, auf dass sich Management und Betriebsrat nach 29 Stunden Verhandlungen geeignet haben.

Einsparungen von insgesamt 760 Millionen Euro klingen zwar nach der notwendigen großen Korrektur, sie sind in ihrem waren Wert aber erst dann wirklich zu erkennen, wenn das Kleingedruckte der Vereinbarungen vom Donnerstag Buchstabe für Buchstabe geprüft worden ist.

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Die Krise des Warenhaus-Giganten ist so fundamental, und wegen der Verästelungen des Konzerns auch so vielschichtig, dass niemand wirklich aufatmen kann.

Auch die Banken, durch viele mitfinanzierte Pleiten vorsichtig geworden, werden sich den zweiten und dritten Blick vorbehalten. Insgesamt 16 Institute sind es an der Zahl, bei denen KarstadtQuelle in der Kreide steht.

Über deren Verhandlungsführung in den vergangen Tagen kann man sich nicht beklagen. Die Geldgeber sind bereit zu weiteren Finanzspritzen - wenn die Rettung des Konzerns erfolgversprechend ist.

Zeichen gesetzt

Sollte diese tatsächlich ohne betriebsbedingte Kündigungen gelingen, wie es jetzt vereinbart wurde, wäre Großes geleistet und ein Zeichen gesetzt gegen all diejenigen, die in der Not immer gleich die Mitarbeiter opfern wollen: etwa beim zweiten spektakulären Sanierungsfall dieser Tage, GM/Opel, wo der amerikanische Konzernvorstand mit schnellem Federstrich 12000 Stellen in Europa für überflüssig erklärt.

Bei Karstadt-Quelle versucht man jetzt einen anderen Weg zu gehen und Arbeitsplätze zu retten gegen eine ziemlich maßvolle Verschlechterung bei der Bezahlung. Ob das wirklich reicht?

Allgemeine Kaufkrise und individuelles Missmanagement

Es wäre der Belegschaft zu wünschen, die gestraft genug ist. Die Mitarbeiter können am allerwenigsten für die Existenznot des Warenhaus-Giganten, die sich aus einer Mischung von allgemeiner Kaufkrise und individuellem Missmanagement ergeben hat.

Gerechtigkeit kann eine Belegschaft in der Existenzkrise ihres Unternehmens nicht erwarten, allenfalls Genugtuung. Es sollten deshalb nach Abschluss der ersten Sanierungsstufe alle diejenigen Spitzenkräfte abtreten, die an der Misere von Karstadt Schuld tragen.

So sitzen im Vorstand weiterhin viele Manager, die die unternehmerischen Fehlentscheidungen der jetzt viel gescholtenen früheren Vorstandschefs mitzuverantworten haben. Das betrifft aber auch die Vertreter des Betriebsrats und der Gewerkschaft Verdi, deren Vertreter die Fehlentscheidungen im Aufsichtsrat immer brav mitgetragen haben.

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(SZ vom 15.10.04)