Erst VW und jetzt Siemens: Vielleicht sollte zunächst wirklich nur die Zusammenarbeit zwischen Unternehmensführung und Arbeitnehmervertretern erleichtert werden - doch am Ende führte eine bemerkenswerte Großzügigkeit und das Knüpfen von Netzwerken zu immer größeren Problemen.
Auf sein gutes Verhältnis zu den unternehmenseigenen Betriebsräten hat der frühere Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Heinrich von Pierer, immer großen Wert gelegt.
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Sogar ,,Ehrenbetriebsrat'' ist der Spitzenmanager geworden, das war im Frühjahr 2002. Ausgezeichnet hatte den Firmenchef die Belegschaft des Generatorenwerks des Bereichs Power Generation in Erfurt.
Auch wenn Pierer mit den dubiosen Zahlungen an Betriebsräte, zu denen die Ermittler pikante Details zusammengetragen haben, nach eigener Aussage nichts zu tun hat - über seinen ihm lieb gewordenen Ehrentitel könnte in Zukunft gespöttelt werden.
Knapp 15 Millionen Euro hat der Vorsitzende der ,,Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger'' (AUB), ein früherer Siemens-Mitarbeiter, für Beratungstätigkeit erhalten - ohne dass die Ermittler konkrete ,,Beratungen'' hierfür finden konnten.
Darüber hinaus ist nach Erkenntnissen der Fahnder ein Teil der Siemens-Millionen an die AUB weitergeflossen. Betriebsräte, die verdeckt finanziert von der Unternehmensleitung das Wohl der Arbeitnehmer im Auge haben sollen - das wäre nun wirklich die Verdrehung der in Deutschland so wichtig genommenen betrieblichen Mitbestimmung.
Es geht um eine kleine, aber feine Arbeitnehmervertretung. Vor mehr als 20 Jahren aus einem Zusammenschluss von Siemens-Mitarbeitern aus Erlangen, dem Heimatort des früheren Firmenchefs Heinrich von Pierer, entstanden, wollten diese Arbeitnehmer ,,betriebsnah, ideologiefrei, zukunftsorientiert'' agieren.
Diesen Wettbewerb hat man der großen, häufig unbeweglichen IG Metall gerne gegönnt. Lässt sich doch immer wieder beobachten, wie Betriebsräte von der Gewerkschaftszentrale auf Positionen eingeschworen werden, die vielleicht im Sinne der Gesamtorganisation sind, aber nicht im Interesse der Beschäftigten eines konkreten Unternehmens.
Die Idee, den etablierten Groß-Gewerkschaften Wettbewerb zu verordnen, ist deshalb sehr zu begrüßen. Wenn die Konkurrenz freilich direkt oder indirekt vom Firmenmanagement finanziert wird, wenn sie also in den Ruf kommt, ein U-Boot des Arbeitgeberlagers zu sein, verliert sie jede Legitimation und richtet Schaden über den Tag hinaus an.
Es liegt nahe, sich an den Fall VW zu erinnern. Beim Wolfsburger Autobauer waren es Luxusreisen, Bordellbesuche und unangemessene Entlohnungen, mit denen der Vorstand in der Ära des Personalchefs Peter Hartz seinen Betriebsrat umgarnte - wobei er natürlich bis heute den Vorwurf weit von sich weist, diesen regelrecht ,,gekauft'' zu haben.
Immer wieder ist in Fällen wie diesen dasselbe Muster zu erkennen: eine bemerkenswerte Großzügigkeit beim Abstecken von Interessensphären und Zuständigkeiten, das Knüpfen von Netzwerken, die am Anfang vielleicht wirklich einfach die Zusammenarbeit erleichtern wollten und am Ende zu immer größeren Problemen führten.
Was - im besten Falle - gutgemeint war und die konstruktive Zusammenarbeit über Lagergrenzen hinweg erleichtern wollte, läuft mit ziemlicher Sicherheit aus dem Ruder, sobald mit Geld um sich geworfen wird.
Geld, immer wieder geht es um Geld. Geld nicht als Gegenleistung für gute Arbeit und gute Produkte, sondern als Gegenleistung für wie auch immer geartete Beratung. Hier sind es Schmiergelder zur Erlangung von Aufträgen, dort windige Zahlungen im Betriebsratsumfeld: Der Schaden nicht nur für das Image des betroffenen Unternehmens, sondern für die Wirtschaft insgesamt ist riesengroß.
(SZ vom 13.03.2007)
Streit um Parteispitze bei der Linken
Das war den Kollegen der IG Metall und der ver.di-Mitglieder bei Siemens schon länger klar: AUB bedeutet Arbeitgeber Unterstütze Betriebsräte.
Welche trüben Erfahrungen Herr Beise mit "Groß"-Gewerkschaften gemacht hat, weiß ich nicht. Er läßt jedenfalls keine Gelegenheit aus ihnen ein´s auzuwischen. Die Entäuschung über den Sündenfall der "kleinen aber feinen Arbeitnehmervertretung", die doch eigentlich diesen Großgewerkschaften Konkurrenz machen sollte, ist ihm schon anzumerken.
Doch lieber zu den Fakten Die nun aufgedeckten Zahlungen der Siemens AG gingen tatsächlich nur an den Unternehmer und AUB-Vorsitzenden Schelsky und vermutlich z.T. an die AUB und die ist nun mal keine Gewerkschaft. Einen brasilianischen Sumpf ala VW wird auch Herr Beise bei Siemens nicht finden.