Von Caspar Busse

So bitter das Scheitern der Übernahme von Pro Sieben Sat 1 für Springer-Chef Döpfners Ambitionen ist, das Veto von Medienaufsicht und Wettbewerbshütern könnte sich noch als Glücksfall für das Verlagshaus erweisen.

Wer beim Münchner Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 arbeitet, braucht starke Nerven. Nach der Insolvenz der einstigen Großaktionärs Leo Kirch im Frühjahr 2002 war es viele Monate lang völlig unklar, ob und wie es weitergeht. Schließlich ist der amerikanische Milliardär Haim Saban im zweiten Anlauf mit einigen Partnern eingestiegen.

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Jetzt scheint sich die Geschichte zu wiederholen: Die geplante Übernahme durch den Springer-Verlag wir vermutlich nicht zustande kommen. Die Medienaufsicht KEK hat am Dienstag bereits ein Veto eingelegt. Auch das Bundeskartellamt sieht das Vorhaben sehr kritisch und wird es untersagen, wenn nicht doch noch ein Wunder geschieht und Springer einen überraschenden Kompromiss vorlegen kann.

Neuer Käufer wahrscheinlich aus dem Ausland

Wahrscheinlich aber muss Saban nach einem neuen Käufer Ausschau halten, und der wird wahrscheinlich aus dem Ausland kommen. Auch wenn es schon Kontakte mit möglichen Interessenten gegeben hat: Das Spiel beginnt bei Null. Pro Sieben Sat 1 kann sich auf neue lange Übernahmeverhandlungen einstellen.

Insgeheim dürfte sich auch Springer-Chef Mathias Döpfner von seinen hochfliegenden Plänen für ein integriertes Medienhaus mit Zeitung, Zeitschriften und TV-Sendern schon verabschiedet haben.

So bitter das Scheitern der Übernahme für Döpfners Ambitionen ist, das Veto von Medienaufsicht und Wettbewerbshütern könnte sich noch als Glücksfall für das Berliner Verlagshaus erweisen. Die Übernahme war überwiegend mit Schulden finanziert, was die Sache sehr riskant machte. Der Handlungsspielraum von Springer wäre dadurch erheblich eingeschränkt.

Gefahr durch Gratiszeitungen

Sollten wirklich eines Tages Gratiszeitungen auch Deutschland erobern, müsste Springer viel Geld in die Hand nehmen, um das Kerngeschäft mit Bild & Co. zu schützen. Geld, das die Berliner nach der Übernahme nicht mehr hätten.

Zudem ändert sich der Fernsehmarkt in Deutschland rasant. Schon jetzt ist nichts mehr so wie es noch im vergangenen Sommer war, als Springer die Übernahme verkündete. Die Branche ist im Umbruch.

Die Anbieter von Kabelnetzen drängen aggressiv in den Markt und haben gerade die Rechte für die Fußballbundesliga gekauft. Auch Telekomfirmen wollen künftig Bezahlfernsehen per schnelle Datenleitungen in die Haushalte bringen und buhlen um attraktive Inhalte. Welche Rolle dabei künftig das werbefinanzierte, frei empfangbare Fernsehen spielen wird, ist noch nicht ausgemacht.

Springer wird eines Tages dankbar sein, am Einstieg ins Fernsehgeschäft gehindert worden zu sein.

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(SZ vom 12.01.06)