Von Marc Beise

Die Gehälter der Spitzenverdiener in der Wirtschaft richten sich nicht nach Arbeitsstunden. Im Vergleich sind deutsche Chefs sogar eher bescheiden.

Insgesamt 11,9 Millionen Euro Jahreseinkommen für den Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann - das ist eine stolze Summe. Ist sie angemessen? Gerecht? Vertretbar? Oder schlicht unanständig?

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Darüber gehen die Meinungen in Deutschland weit auseinander - zumal in Zeiten, da viele Arbeitnehmer real immer weniger verdienen oder gar als Arbeitslose ins Hartz-IV-Regime rutschen. Am Ende ist es eine Frage des richtigen Maßstabs.

Verglichen mit anderen hart arbeitenden Arbeitnehmern ist der Verdienst des Bankmitarbeiters Ackermann unvorstellbar hoch. Verglichen mit Vorstandskollegen aus internationalen, namentlich amerikanischen Unternehmen, kommt er bescheiden daher.

Was zählt? Am Ende können das nur die im Umfeld üblichen Konditionen sowie die individuelle Leistung sein.

Das Umfeld: Qualifizierte Führungskräfte werden üblicherweise besser bezahlt als andere Arbeitnehmer - einfach deshalb, weil es davon weniger gibt; die Nachfrage regelt den Preis.

Gerade im Bankwesen wird seit jeher viel Geld bezahlt. Also ist es dem einzelnen Vorstand nicht zu verargen, wenn er nimmt, was er kriegt. So wie eben ein Facharbeiter in der Automobilindustrie deutlich mehr verdient als eine Fachkraft im Einzelhandel - nicht schön, aber Realität in einer freien Wirtschaft.

Exzesse der Vergangenheit

Die individuelle Leistung wiederum bemisst sich beim ersten Verantwortlichen für viele Milliarden Euro Börsenwert und tausende Mitarbeiter nicht in der Zahl der täglichen Bürostunden, sondern im Unternehmenserfolg.

Ackermanns Einkommen legte 2005 um 18 Prozent zu. Das Grundgehalt blieb nahezu gleich, die erfolgsabhängigen Komponenten sind dagegen gestiegen - zu Recht: Die Deutsche Bank hat ein erfolgreiches Jahr absolviert, sie hat ihr Vorsteuerergebnis um 58 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro gesteigert und spielt als einzige deutsche Großbank noch im internationalen Konzert.

Ähnlich sieht es, wie die neuesten Geschäftsberichte ausweisen, bei vielen anderen Vorständen aus.

Dies ist in Ordnung, solange diese Entwicklung einhergeht mit Wertsteigerungen für das Unternehmen. Viele Firmen stehen nach schweren Jahren wieder solide da, mit gesunden Bilanzen und guten Perspektiven - was in der Summe auch den Arbeitnehmern zugute kommt.

Höchst ärgerlich dagegen ist es, wenn die Bezüge steigen, obwohl die Leistung sinkt, oder wenn die Gehaltsstrukturen undurchsichtig sind.

Nach früheren Exzessen kommt das derzeit seltener vor. Die Unternehmen sollten alles dafür tun, dass das auch so bleibt.

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(SZ vom 24.3.2006)