Griechenland Warum ein Grexit für alle teuer wird

Eigentlich wollten die G-7-Minister nicht über Griechenland reden. Taten sie aber doch - aus gutem Grund. Denn kommt es zu einem Grexit, könnte Griechenland zu einem "failed state" werden.

Kommentar von Guido Bohsem

Nein, die Finanzminister der sieben führenden Wirtschaftsnationen wollten sich in Dresden nicht schon wieder über Griechenland, die mögliche Pleite des Landes oder seinen potenziellen Austritt aus der Währungsunion unterhalten. Statt dessen wollte die deutsche Präsidentschaft andere Themen in den Mittelpunkt rücken. Das ging schief, und das hat vor allem einen Grund: Das Endspiel über die Zukunft Griechenlands hat begonnen.

In den kommenden Tagen wird es sich entscheiden, ob das Land vor einer Pleite gerettet und im Euro-System gehalten werden kann. Wollte man die verfahrene Situation mit einem Fußballspiel vergleichen, man würde wohl von der Nachspielzeit der Verlängerung sprechen. Fehlt nur noch das Elfmeterschießen.

Wie nervös und angespannt die Akteure in dieser Phase sind, zeigt ein Interview der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde. In der autorisierten Fassung des Gesprächs sprach sie davon, dass ein Grexit, also ein Austritt der Griechen aus dem Euro, möglich sei. Aufgrund heftiger Reaktionen bemühte sich der IWF anschließend mit aller Macht um eine Korrektur, die Aussagen wurden deutlich abgeschwächt.

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Immer noch ist es so, dass keiner, weder die Griechen noch die anderen europäischen Länder, einen Austritt des Landes aus der Währungsunion wollen. Immer noch setzen alle Akteure darauf, in den Verhandlungen darüber möglichst viel zu gewinnen. Die Griechen üben sich in einer Art Harakiri-Geisel-Strategie. Ihre Position lautet im Prinzip: Wenn ihr uns kein Geld gebt, bringen wir uns um. Ein bizarrer Ansatz, denn eine Pleite des Landes würde vor allem den Griechen selbst schaden und den Kranken, Alten und Armen größte Not bescheren - also vor allem den Menschen, die Alexis Tsipras Linksregierung überhaupt ins Amt gewählt haben.

Die anderen europäischen Länder, aber auch der IWF und die Europäische Zentralbank reagieren auf dieses Vorgehen mit einer ebenso eigenartigen Strategie. Sie behaupten, dass der Grexit inzwischen seinen Schrecken verloren habe, obwohl sie natürlich genau wissen, dass ein Austritt des Landes sehr wohl die gesamte Währungsunion ins Wanken bringen kann. Schließlich hätte Griechenland dann demonstriert, dass eine Mitgliedschaft im Euro-Klub widerrufen werden kann. Und wer weiß schon, ob nicht auch Spanien oder Italien diesen Weg gehen wird, wenn diese Länder vor einer ähnlichen Wahl stehen: schmerzhafte Reformen oder Austritt aus dem Euro.

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Ein Grexit wäre für alle teuer

Die Finanzmärkte jedenfalls dürften ihre Zweifel an der Stabilität der gemeinsamen Währung haben. Es würde Jahre dauern, sie wieder zu zerstreuen, falls es überhaupt gelingen könnte. Das Resultat wäre für alle beteiligten Länder teuer. Die meisten von ihnen dürften nur noch Kredite erhalten, die mit einem saftigen Aufschlag versehen sind und es würde die treffen, die ohnehin nicht besonders gut dastehen.

Manch einer tröstet sich, dass im Gegenzug immerhin kein Geld mehr nach Griechenland fließen würde. Doch das ist ein Irrtum. Griechenland würde durch eine Pleite zu einem "failed state", zu einem gescheiterten Staat. Nur eben, dass dieser Staat nicht wie sonst in Afrika liegt, sondern mitten in Europa und dass er Teil der wichtigsten Verteidigungsallianz des Westens, der Nato, ist. Europa wäre gezwungen, dem Land massiv zu helfen.

Es kommt in diesem Endspiel nun darauf an, die Nerven zu behalten und dem jeweiligen Verhandlungspartner ausreichend Manövrierraum zu lassen. Noch immer besteht die Hoffnung, dass die griechische Regierung einlenkt und die Pleite ihres Landes vermeidet.

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