Klimawandel Deutschland steigert CO2-Ausstoß

Kalte Winter, Heizung an: Wieder mehr CO2-Ausstoß in Deutschland

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Atomausstieg, Boom bei Braunkohle, Heizen gegen die Kälte: Der Ausstoß von Treibhausgasen im Land der Energiewende steigt erstmals seit Jahren wieder an. Eigentlich eine Niederlage für Umweltminister Altmaier - doch genau das könnte ihm politisch helfen.

Die Luft wird dicker. Der Ausstoß von Treibhausgasen in Deutschland steigt nach Jahren des Rückgangs wieder spürbar an. Nach vorläufigen Berechnungen des Umweltbundesamts für 2012 stiegen die CO2-Emissionen im Jahresvergleich um zwei Prozent. Das gaben Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Bundesamts-Chef Jochen Flasbarth in Berlin bekannt.

Eine wesentliche Ursache ist demnach, dass im Zuge des Atomausstiegs zunehmend Braun- und Steinkohle genutzt werden, um Strom zu erzeugen. Die Emissionen von Treibhausgas insgesamt, also unter Einbeziehung von Methan, Lachgas und weiteren Gasen, lagen den Zahlen des Umweltbundesamts zufolge 2012 um 1,6 Prozent höher als 2011.

"Das ist ein Ausreißer in einer bisher positiven Entwicklung", sagte Altmaier. Vor diesem Hintergrund müsse geprüft werden, "ob einige Entwicklungen in die richtige Richtung gehen". Wegen des niedrigen Kohlepreises sei der Bau hocheffizienter, moderner Gaskraftwerke derzeit weniger rentabel, während vor allem ältere Kohlekraftwerke sehr gut ausgelastet seien. Zudem seien im vergangenen Jahr neue Braunkohlekraftwerke ans Netz gegangen. Ihre Stromerzeugung gilt als besonders umweltschädlich.

Auch Flasbarth wertete die verstärkte Kohleverstromung als "besorgniserregend". Dagegen werde der Rückgang beim Atomstrom durch den Ausbau erneuerbarer Energien teils aufgefangen. Als weitere Ursache neben der Kohleverstromung nannte die Behörde auch, dass wegen des Wetters der Gasverbrauch für die Gebäudeheizung angestiegen sei.

Die Zahlen dürften Altmaiers politischer Argumentation nützen. Er und Flasbarth stützen die Pläne der EU-Kommission, dem Preisverfall bei CO2-Zertifikaten durch deren Verknappung entgegenzuwirken und so den EU-Emissionshandel wirksamer zu machen. Durch sogenanntes "backloading" soll der Staat nach Altmaiers Willen Zertifikate zurückkaufen.

Über das Thema streitet der Umweltminister vor allem mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler von der FDP. Aus dessen Sicht ist das "backloading" nämlich ein unzulässiger Eingriff in den Markt.

Vergangene Woche hatte sich der Umweltausschuss des EU-Parlaments dafür ausgesprochen, 900 Millionen Zertifikate vorläufig vom Markt zu nehmen. Flasbarth wies allerdings darauf hin, dass dies angesichts von mehr als 1,5 Milliarden überschüssigen Zertifikaten wäre nur "ein erster Schritt" sei. Die übermäßigen Emissionsrechte müssten dauerhaft gestrichen werden. Der Preis für Zertifikate war im Januar zeitweise auf unter drei Euro gesunken, erwartet wurden einmal 20 bis 30 Euro.

Ungeachtet des Emissionsanstiegs hat Deutschland aber seine Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll deutlich übererfüllt. Statt wie vorgeschrieben bis Ende des abgelaufenen Jahres 21 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen, beträgt der Rückgang verglichen mit 1990 25,5 Prozent. Das ist Flasbarth besser als die Bilanz jedes anderen Industrielands.

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