Deutschland im Dunkeln: Am Samstag sollen die Bundesbürger fünf Minuten lang das Licht löschen - für ein besseres Klima. Doch die gutgemeinte Aktion könnte das Stromnetz überfordern.
"Sydney hat es getan", wirbt der Fernsehspot, "Paris hat es getan, jetzt tut es Deutschland." Im Bild sieht der Zuschauer, wie Oper, Eiffelturm und Brandenburger Tor im Dunkeln versinken. "Licht aus" heißt die Aktion, zu der die Umweltorganisationen Greenpeace, WWF und BUND für diesen Samstag aufgerufen haben. Die Bild, der TV-Sender Pro7 und das Internetportal Google unterstützen die Idee: Von 20 Uhr an sollen die Deutschen fünf Minuten lang das Licht löschen, um ihren Willen zum Klimaschutz auszudrücken.
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Schon jetzt haben etliche Großkunden zugesagt: Die Zentralen der Post und Telekom, von Siemens, Bosch und Porsche bleiben dunkel, die Beleuchtung von Neuschwanstein, dem Heidelberger Schloss und dem Münchner Hofbräuhaus, von vielen Rathäusern und Kirchen wird abgeschaltet. Auf einer Webseite werben Prominente dafür, bei der Aktion mitzumachen. Stromkonzerne äußern aber die Sorge, ob die Lichter nach den fünf Minuten wieder angehen. "Wir wollen keine Horrorszenarien ausmalen, sondern auf die komplexe technische Situation hinweisen", sagt Marian Rappl von RWE.
Gestörtes Gleichgewicht
Tatsächlich ist es möglich, dass die Aktion das Stromnetz überfordert. "Normalerweise gleicht sich das zufällige Verhalten der Kunden aus", sagt Hans-Jürgen Haubrich von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. "Werden aber die Verbrauchsschwankungen synchronisiert, stört es das Gleichgewicht." Für solche Fälle halten die Netzbetreiber 3000 Megawatt sogenannte Regelenergie bereit. Sie stammt etwa von Speicherseen, wo die Anlagen bei Stromüberschuss Wasser nach oben pumpen, um es bei Bedarf abzulassen und Elektrizität zu erzeugen.
Doch Haubrich rechnet vor: "Wenn zehn Millionen Haushalte mitmachen und jeder schaltet 300 Watt aus, sind die 3000 Megawatt Regelenergie ausgeschöpft." Wird die Aktion im Sinne ihrer Erfinder noch erfolgreicher, dann könnten sich im Prinzip um 20 Uhr größere Kraftwerke ausschalten, weil ihr Strom nirgendwo mehr hin kann. Problematisch würde es dann fünf Minuten später. Steigt der Strombedarf plötzlich wieder, lassen sich die Generatoren nicht so schnell starten. Christian Schneller von der Eon-Netz-Gesellschaft beruhigt jedoch. Die Netzbetreiber hätten vorgesorgt, damit ihnen Samstag auch zusätzliche Stromreserven gegen solche Schwankungen voll zur Verfügung stehen.
Vertrauen in die Stromwirtschaft
Andere Experten schätzen die Gefahr eines Stromausfalls ohnehin für gering ein. "Die Leute machen ja nicht wirklich alle gleichzeitig das Licht aus", sagt Peter Tzscheutschler von der Technischen Universität München. Er erinnert an Fernsehshows der siebziger-Jahre, bei denen die Zuschauer abstimmen konnten, indem sie zusätzliches Licht einschalteten. "Da hat halb Deutschland vor dem Fernseher gesessen, und es ist nie etwas passiert."
Auch Jörg Feddern von Greenpeace hält die Warnungen für übertrieben. Zum einen glaubt er nicht, dass die Deutschen die 3000 Megawatt erreichen. Vor kurzem hätten drei Millionen Franzosen bei einer ähnlichen Aktion 800 Megawatt eingespart. Für Samstag hofft er auf acht Millionen Teilnehmer. Zum anderen stünden die Netzbetreiber in der Pflicht. Die Planer der Aktion haben sie vor zwei Wochen informiert. Auch die Bundesnetzagentur weiß Bescheid. Darum ist Feddern eigentlich "zuversichtlich, dass die Ingenieure das hinkriegen". Dieses Vertrauen in die Stromwirtschaft ist für einen Greenpeacer ungewöhnlich.
(SZ vom 07.12.2007/sma/mah)
Sorgerechtsverfahren in der Kritik
ist doch bloss eine PR-Aktion gesponsert von Doof-Zeitung um ein paar B-Promis in die Schlagzeilen zu bekommen.
Hat das Einsparpotential dieser Aktion eigentlich schon mal jemand nachgerechnet, der Ahnung von Strom und Energie hat? In meinen Augen entsteht dadurch eher ein Mehrverbrauch an Energie, nachdem der Energiebedarf elektrischer Geräte beim Einschalten bekanntermassen um Größenordnungen höher ist als im normalen Dauerbetrieb.
Daneben muss die Energie sowieso vorgehalten werden, nachdem für 5min kein Kraftwerk runtergefahren werden kann. Aus Energiespargründen ist diese Aktion somit doppelter Unfug. Jeder Mensch, der halbwegs technisches Grundverständnis im Bereich Energieerzeugung und Stromnetze hat, kann auf eine derartige Aktion nur mit einem ungläubigen Kopfschütteln reagieren und sich über die Naivität unserer Gesellschaft wundern.
@Klaus12:
" Da war mittelalterlicher Ablaßhandel ehrlicher."
Sie haben leider anscheinend keinen Sinn für Symbolik ;o(
BTW: vielleicht helfen ja auch simultane Gebete oder das Anzünden einer Kerze im Kölner Dom- mer waases halt net und sollte darum auch sicherheitshalber nichts unversucht lassen ;o)
Sachadet doch nichts und niemandem!
Würde gerne den Stromverbrauch im Verlauf der Zeit anschauen. Dann noch einen Vergleich gegen andere Wochenenden ansehen. Delta Wh geteilt durch 200/12 Wh (200 = 2x100 Watt Glühbirnen / 12 = 60/5 Zeit) ergibt Summe der * Zensurprotektorplatzhalter*Deppen der Republik :)
Weg mit der ökosteuer!
Steuern runter jetzt!
Jedem Arbeit, kein Mindestlohn!
@jpspecial:
"nur Sylvester Stallone und Bruce Willis können uns retten...hups, mit McGyvers Hilfe natürlich..."
Klar, McGyver hat definitiv den höchsten IQ bei dem Trio... sußerdem haben- aus Versicherungsgründen- weder Bruce Willis noch Sylvester Stallone ein Schweizer Taschenmesser (zu gefährlich, sie könnten sich versehentlich damit verletzen).
Paging