Klagen in den USA Kunden machen gegen Volkswagen mobil

Ein VW Passat TDI aus der Fahrerperspektive.

(Foto: REUTERS)
  • In der Abgas-Affäre gehen mehr als 30 US-Bundesstaaten gemeinsam gegen Volkswagen vor.
  • Die Strafverfolgungsbehörden ermitteln auch wegen des Vorwurfs, dass VW-Kunden vorsätzlich getäuscht wurden.
  • Mehrere Anwaltskanzleien haben im Namen amerikanischer Kunden und VW-Händler Klage eingereicht.
Von Claus Hulverscheidt, New York

Diese Dame ist das, was man in Deutschland wohl eine Frohnatur nennen würde. Die Anfang Fünfzigjährige, die ihren Namen nicht nennen möchte, sprüht nur so vor guter Laune, und daran änderte sich zunächst auch nichts, als die Mitarbeiterin eines Nobel-Fahrdienstes vor ein paar Tagen Gäste aus dem fernen Deutschland durch ihre kalifornische Heimat kutschierte.

Bis die Gardinenpredigt begann. Die Amerikaner seien allesamt Energieverschwender und Umweltverschmutzer, ereiferte sich einer der Fahrgäste, vor allem führen sie zu viele große, Sprit schluckende, die Luft verpestende Autos. Die Frau bekam den Mund kaum noch zu. Deutschland, USA, Autos, Luft - war da nicht was?

Offenbar hat manch teutonischer Amerika-Besucher immer noch nicht begriffen, dass der Zeitpunkt für Moralvorträge nach dem Bekanntwerden des VW-Abgas-Skandals nicht eben ideal ist. Dabei wird der Druck auf den Volkswagen-Konzern, der die Emissionswerte seiner Diesel-Pkw mit Hilfe einer Software über Jahre manipuliert hat, in den USA täglich größer. Wie jetzt bekannt wurde, haben schon mehr als 30 Bundesstaaten ihre Generalstaatsanwaltschaften zusammengespannt, um gemeinsam vorzugehen: Aus Illinois und wohl auch aus New York haben VW und die Konzerntochter Audi schon Post erhalten. In den Schreiben werden beide Firmen unter Strafandrohung dazu aufgefordert, alle relevanten Unterlagen herauszugeben.

Wo Kunden sonst noch ausgetrickst werden

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Hoffnung auf Strafverschonung zerschlägt sich

Lisa Madigan, die Generalstaatsanwältin von Illinois, bestätigte die Anordnung, wollte sich zu Details aber nicht äußern. Laut New York Times müssen die Unternehmen alle internen Informationen über zurückliegende Dieselmotoren-Tests, die Entwicklung der Manipulations-Software, das eingesetzte Werbematerial sowie den gesamten Schriftverkehr mit den US-Umweltbehörden Epa und CARB offenlegen. Zudem soll VW die Namen aller beteiligten Mitarbeiter und Drittfirmen herausgeben.

Die große Menge der angeforderten Informationen deutet darauf hin, dass die Strafverfolgungsbehörden mehrgleisig fahren wollen. Sie ermitteln nicht nur wegen des Verstoßes gegen Umweltschutzbestimmungen, sondern auch wegen des Vorwurfs, dass Kunden vorsätzlich getäuscht wurden. Sollte also jemand in Wolfsburg mit Strafverschonung gerechnet haben, weil das einschlägige Gesetz, der sogenannte Clean Air Act, Geldbußen gegen gesetzesuntreue Firmen nicht explizit vorsieht, so hat sich diese Hoffnung wohl zerschlagen: Die Amerikaner werden andere Wege finden. So wird zum Beispiel bereits diskutiert, VW auch wegen absichtlicher Irreführung der Behörden zu belangen.

Eric Schneiderman, der Generalstaatsanwalt des Staates New York, hatte schon vor Tagen klargemacht, dass Volkswagen nicht auf Milde hoffen kann. "Kein Unternehmen darf unsere Umweltschutzgesetze einfach umgehen oder seinen Kunden das Blaue vom Himmel versprechen", erklärte er. Sein Bundesstaat achte seit jeher auf die strikte Einhaltung von Verbraucher- und Umweltschutzstandards. An dieser Tradition werde man festhalten.

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