Kennzeichnungen für Lebensmittel-Qualität:Wofür Gütesiegel wirklich stehen

Prädikatssiegel, QS-Prüfzeichen, Öko-Label, EU-Bio-Logo - alles Kennzeichnungen, die für eine besonders gute Qualität von Lebensmitteln bürgen sollen. So vielfältig wie die Begriffe ist auch, was dahintersteckt. Ob ein Logo tatsächlich für Qualität steht oder nur ein Marketing-Gag ist, erkennen Kunden oft nur schwer.

Eine Übersicht der wichtigsten Gütesiegel.

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Prädikatssiegel, QS-Prüfzeichen, Öko-Label, EU-Bio-Logo - alles Kennzeichnungen, die für eine besonders gute Qualität von Lebensmitteln bürgen sollen. So vielfältig wie die Begriffe ist auch, was dahintersteckt. Ob ein Siegel tatsächlich für Qualität steht oder nur ein Marketing-Gag ist, ist oft kaum zu erkennen. Seit 2001 zeichnet das Bundesverbraucherschutzminsterium ökologisch produzierte Produkte mit dem Bio-Siegel aus. Ergänzend dazu vergibt die Europäische Union seit Juli 2010 das verbindliche EU-Bio-Logo. Gentechnikfreiheit, artgerechte Tierhaltung und der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel sind durch das Logo garantiert. Das Label informiert zudem darüber, ob ein Rohstoff aus der EU oder aus anderen Teilen der Welt kommt. Lizensierte Ökobetriebe werden mindestens einmal jährlich sowohl angemeldet als auch unangemeldet kontrolliert. Verstöße gegen die vereinbarten Standards der verschiedenen Gütesiegel werden mit Geldbußen bis hin zum Ausschluss aus dem jeweiligen Verband geahndet. Beim vorsätzlichen Missbrauch vom zum Beispiel Ökosiegeln schreiten auch die nationalen Strafverfolgungsbehörden ein, wie im Dezember 211, als herauskam, dass in Italien jahrelang Produkte in betrügerischer Absicht als "Bio" ausgegeben wurden, die nicht die entsprechenden Anforderungen erfüllten.

Das sechseckige Bio-Siegel des Bundesverbraucherschutzministeriums garantiert dabei einen Mindeststandard, dem Bioprodukte entsprechen müssen. Das schaffen oft sogar Produkte aus dem Discounter. Wer hohen Wert auf biologische Produkte legt, kauft Biomarken wie Demeter, Bioland oder Alnatura. Hier werden strengere Auflagen mit dem Siegel verbunden. Foto: Demeter

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Diesen klangvollen Namen versuchen inzwischen auch die Discounter etwas entgegenzusetzen. Lidl hat seit 2009 mit Biotrend eine eigene grüne Marke. Die angebotenen Produkte müssen - so Lidls Eigendarstellung - die Mindestanforderungen an kontrolliert biologische Landwirtschaft in der EU erfüllen. Staatlich anerkannte Kontrollstellen prüfen die beteiligten Bio-Bauernhöfe mindestens einmal jährlich. 

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Das Fairtrade-Logo vergibt in Deutschland der Verein Transfair mit Sitz in Köln, der dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert. Im Supermarkt findet der Verbraucher vor allem fair gehandelten Kaffee, Tee und Bananen. Beim fairen Handel kaufen die Abnehmer direkt vom Erzeuger in den Entwicklungsländern und zahlen einen fairen Preis, der beim Kaffee zum Beispiel deutlich über dem Weltmarktpreis liegt. Fairtrade fordert menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Hersteller sowie eine umweltverträgliche Produktion.  

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Auch beim Thema Fairtrade versuchen die Billigketten abzukupfern. Aldi Süd führt unter seiner Eigenmarke One World nach eigenen Angaben ausschließlich Kaffee-Produkte, die den internationalen Fairtrade-Standards genügen. Ob sich Produzenten und Händler an die getroffenen Vereinbarungen halten, wird angeblich regelmäßig kontrolliert. 

Kennzeichnungen für Lebensmittel-Qualität

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Fast schon eine Institution ist die Stiftung Warentest. Die Bundesregierung unter Kanzler Ludwig Erhard - dem Vater des deutschen Wirtschaftswunders - rief sie 1964 ins Leben. Seither haben ihre Mitarbeiter unzählige Waren und Dienstleistungen geprüft. Verbraucherschützer loben Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Tests.

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Qualitätssicherung vom Landwirt bis zur Ladentheke verspricht die Qualität und Sicherheit GmbH auf ihrer Homepage. Sie vergibt das QS-Prüfzeichen, mit dem Fleisch, Obst, Gemüse und Kartoffeln aus konventioneller Produktion bewertet werden. Gegründet wurde die Firma im Jahr 2001 als Reaktion auf den BSE-Skandal, sie gehört den Verbänden und Organisationen der Agrarwirtschaft. Verbraucherschützer bemängeln daher die "enge Verbindung zwischen Zeichennehmern und Zeichengebern". 

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EInes der bekanntesten Gütesiegel - DLG-prämiert - vergibt die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). Die DLG ist eine Organisation der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft, die jährlich etwa 27.000 Produkte auf ihre Qualität prüft. Die DLG vergibt Medaillen, überdurchschnittlich gute Produkte erhalten eine Auszeichnung in Bronze, Silber oder sogar Gold.  Dass ein Siegel nicht unbedingt für Qualität steht, beweist der Fall Müller-Brot. Manche Produkte der Firma trugen das Prädikatssiegel der DLG. Trotzdem haben die Lebensmittel-Kontrolleure die Brotfabrik in Neufahrn bei München Anfang des Jahres schließen lassen - wegen gravierender Hygienemängel. Das Siegel wurde entzogen.

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Ebenfalls von der DLG stammt das Deutsche Weinsiegel. Seit 1950 versieht die Gesellschaft Weine mit einem Ampelsystem: Rot steht für liebliche bis süße Weine, Gelb klassifiziert trockene und Grün halbtrockene Sorten. Über die Qualität der Weine sagt die Farbe allerdings nichts aus. Vielmehr gilt: Haben Experten einen Wein mit dem entsprechenden Label versehen, gelten Geschmack, Geruch, Farbe und Harmonie des Weins als überdurchschnittlich. Verbraucherschützer kritisieren, das Zeichen diene vorwiegend der Absatzförderung von Landwirten und Händlern.

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Der Marine Stewardship Council (MSC) setzt sich für eine umweltverträglichere und nachhaltigere Fischerei auf der Welt ein. Verbindliche Quoten für gefährdete Arten sollen die weltweite Überfischung der Meere verringern. Zertifizierte Fischereibetriebe werden stichprobenartig kontrolliert - werden die Vorgaben verletzt, kann das Siegel auch wieder entzogen werden. Die Umweltschützer von Greenpeace kritisieren dennoch "ungenügende Umweltstandards und die Zertifizierung von nicht nachhaltig arbeitenden Fischereien".    

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Das Ohne-Gentechnik-Logo ist ein noch junges Gütesiegel. Erst 2009 stellte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner das Logo vor. Damit werden seither Lebensmittel gekennzeichnet, die ohne den Einsatz gentechnischer Verfahren produziert wurden. Das Etikett soll die Wahlfreiheit der Verbraucher stärken und für mehr Sicherheit und Orientierung beim Kauf gentechnikfreier Lebensmittel sorgen.

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