Von Karl-Heinz Büschemann

Der Autokonzern BMW lässt den Osnabrücker Traditionsfirma Karmann hängen: Der Auftrag für den Mini geht an den österreichischen Konkurrenten Magna.

Bei dem Autohersteller und Teilelieferanten Karmann schwindet die Hoffnung auf die Fortführung der Autofertigung. BMW hatte zuvor entschieden, die Produktion des neuen allradgetriebenen Mini nicht an den deutschen Hersteller aus Osnabrück zu vergeben, sondern an den österreichischen Konkurrenten Magna.

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Damit steht die Autofertigung bei Karmann von dem Aus. Ministerpräsident Christian Wulff kritisierte den Beschluss von BMW scharf. "Wir können die Entscheidung nicht nachvollziehen", sagte der CDU-Politiker der Süddeutschen Zeitung.

Auch die Arbeitnehmervertreter bei Karmann zeigten sich enttäuscht. Die Belegschaft habe alles getan, um den Auftrag von BMW zu wirtschaftlichen Bedingungen möglich zu machen, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von Karmann, Gerhard Schrader. Beim Osnabrücker Autohersteller werden 1800 der insgesamt 5250 Arbeitsplätze wegfallen. Im Jahr 2009 sind weitere 750 Arbeitsplätze gefährdet, wenn keine Anschlussaufträge hereinkommen.

Die Karmann-Geschäftsführung teilte nach dem Beschluss des BMW-Vorstandes mit: "Wir hatten uns durchaus Hoffnungen gemacht, mit diesem Projekt eine Perspektive für den Fahrzeugbau bei Karmann zu schaffen." Die Geschäftsleitung bleibt aber bei der Haltung, den Bau ganzer Fahrzeuge bei Karmann völlig einzustellen, wenn es bis zum 1. Juli kommenden Jahres keinen neuen Auftrag zum Bau eines neuen Autos gibt.

Karmann ist ein sogenannter Nischenhersteller, der kleine Stückzahlen im Auftrag großer Autokonzerne fertigt. In den fünfziger und sechziger Jahren war das Familienunternehmen durch den Bau der Cabrio-Versionen des VW-Käfers und durch den Sportwagen Karmann-Ghia zu großer Popularität gekommen.

Ungenutzte Kapazitäten

Heute baut Karmann die Cabrio-Modelle des Mercedes CLK und des Audi A4. Zudem baut Karmann den Chrysler Crossfire. Diese Produktion läuft aber in den nächsten Tagen aus. Der Audi A4 wird noch bis zum Oktober 2008 ausgeliefert, der CLK bis 2009.

Karmann hat eine Fertigungskapazität von etwa 100.000 Autos im Jahr, baut im Moment davon aber weniger als die Hälfte. Neben der Autofertigung gibt es in dem Unternehmen noch eine Fertigung von Cabriodächern. Außerdem liefert das Unternehmen spezielle Maschinen zum Autobau.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff zeigte sich enttäuscht von der Entscheidung des BMW-Konzerns. Den Mini-Auftrag nach Österreich zu vergeben, sei "falsch", sagte Wulff der SZ.

Wulff betonte, dass Management, Betriebsrat und Gewerkschaften gemeinsam in den vergangenen zwei Wochen alles getan hätten, um den BMW-Auftrag nach Osnabrück zu holen. Die Verhandlungen mit BMW seien sehr weit fortgeschritten gewesen. Karmann hätte den Auftrag bekommen müssen. "Wer die Verhandlungen so weit treibt, muss den Auftrag dann auch vergeben", sagte der Ministerpräsident. Der CDU-Politiker hat seinen Landtagswahlkreis in Osnabrück.

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