SZ: Eine Fusion wird die Bereinigung bei den Kaufhäusern sicher beschleunigen. Branchenkenner sehen im Fall eines Zusammengehens bis zu 100 Standorte bedroht.
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Mandac: Solche Zahlen sind aus der Luft gegriffen. Aussagen zu einem möglichen gemeinsamen Filialnetz sind nicht seriös. Ich kann für Karstadt keine Berechnungen anstellen, weil ich deren Zahlen nicht kenne.
SZ: Sie sind der längstgediente Top-Manager im deutschen Warenhausgeschäft, haben vor mehr als zehn Jahren die Integration von Horten verantwortet und haben kein Gefühl, wieviele Warenhäuser der Markt verträgt?
Mandac: Lassen Sie uns nicht über Gefühle sprechen, sondern über Fakten. Diese liegen uns zu den Standorten von Karstadt nicht vor.
SZ: In Berlin betreiben Kaufhof und Karstadt 13 Häuser. Ist das sinnvoll?
Mandac: Berlin ist ein gutes Beispiel dafür, dass ein Zusammengehen keine Auswirkungen auf die Standorte haben muss. Die Einzugsgebiete der Warenhäuser überschneiden sich so wenig, dass alle Standorte eine Zukunft haben können.
SZ: Wieviele Häuser haben beim Zusammengehen von Horten und Kaufhof Mitte der neunziger Jahre geschlossen?
Mandac: Das waren weniger als zehn Prozent der zusammen 120 Häuser.
SZ: Diesmal dürften es eher mehr sein, weil der Marktanteil der Warenhäuser seitdem deutlich gesunken ist.
Mandac: Die Verhältnisse haben sich seitdem nicht gravierend verändert. Und bedenken Sie: Für viele Warenhäuser von Kaufhof und Karstadt interessieren sich möglicherweise auch andere Unternehmen aus dem Metro-Konzern.
SZ: Wer zum Beispiel?
Mandac: Ich könnte mir vorstellen, dass Media Markt und Saturn Interesse an Innenstadtlagen haben. Denkbar ist auch, dass unsere Sporthäuser Teile der Flächen nutzen.
SZ: Für wie viele Häuser könnte das eine Option sein?
Mandac: Da möchte ich mich nicht festlegen. Aber bis zu 20 Standorte könnten dafür in Frage kommen.
SZ: Aber zwei Firmenzentralen sind nicht nötig, um ein gemeinsames Unternehmen zu führen. Wird die Karstadt-Zentrale in Essen dicht gemacht, wie ist Ihr Plan?
Mandac: Vielleicht benötigt man im Falle eines Zusammenschlusses nicht zwei Zentralen an zwei Standorten. Aber wir benötigen die Menschen, die gemeinsam für ein so vergrößertes Unternehmen arbeiten würden.
SZ: Beim Zusammengehen von Kaufhof und Horten ist die Marke Horten auf der Strecke geblieben. Wird auch der Name Karstadt verschwinden, wenn die beiden letzten großen Warenhausunternehmen unter einem Dach sind?
Mandac: Diese Frage stellt sich nicht, solange keine ernsthaften Gespräche geführt werden. Es bleibt bei unserem Konzept, dass es ermöglicht, die Mehrheit der Karstadt-Standorte und -Arbeitsplätze zu erhalten. Voraussetzung ist, dass alle beteiligten Parteien mit der erforderlichen Ernsthaftigkeit und dem notwendigen Integrationswillen an einem gemeinsamen Lösungskonzept arbeiten. Die Metro-Group und Kaufhof haben ihren Willen dazu erklärt, aber wir alleine reichen für diese Mammutaufgabe nicht.
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(SZ vom 27.05.2009/tob)
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Endlich mal jemand der sich auch ohne Staatshilfe Gedanken macht.
Es ist schon beeindruckend, mit welcher Realitätsvergessenheit hier diskutiert wird.
Die Phanlanx der großen, angeblich unternehmerischen Visionäre, hat inzwischen eine Mächtigkeit erreicht, für die unsere Wirtschaft nicht mehr die notwendigen Milliardensummen an Tantiemen, Aufwandsentschädigungen, Gehältern, Abfindungen, etc nicht mehr erwirtschaften kann.
Welche Bezeichnung man für diese "Visionäre" wählt, wie es diese Herren wie Schrempp, Middelhoff, Sommer, Mehdorn, Wiedeking, Merkle, dem Unternehmer des Jahres und Kohlzögling Lars Windhorst, dem Falck-Erben oder, oder, oder sind, spielt eigentlich keine Rolle.
Der gemeinsame Nennen dieser Pseudo-Leistungsträger ist die ihnen allen gemeinsame Kernkompetenz, über die schon ein gewisser Herr Hans Christian Andersen in der Erzählung "Des Kaisers neue Kleider" so vortrefflich geschrieben hat. Es ist die Kunst der Anscheinerweckung, des Entgeltbetruges durch das schuldig bleiben der versprochenen Leistung und die anschließende, scheinheilige gesellschaftliche Verachtung.
Personen wie Lovro Mandac hingegen, die noch über funktionierende Grundlagen der zivilisatorischen Verantwortungsfähigkeit verfügen und die ihre Sinne noch bei einander haben, wissen noch, dass Essen von arbeiten kommt. Dass jeder die Antwort auf die Frage "Welche Funktion hast Du in Deiner Tätigkeit" geben muss, dass weiss dieser Lovro Mandac und er kann sie, wie man bei Galeria Kaufhof erfahren kann, auch geben.
Karstadt ist, als real-existierendes Pseudomanagementsphänomen, schlicht ohne die Fähigkeit, diese Frage konkret zu beantworten. Und auch der sogen. Betriebsrat gehört in diese "Betrugsmanagerphilosophie" hinein. Leute bescheißen, das ist die Kunst der Finanzanlagenbetrugswirtschaftsmanager, die sich auch in der Realwirtschaft breit gemacht hat. Die Zeche bezahlen die schlichten Seelen und Geister, die bei Karstadt nun ihre Existenzgrundlagen hingeben müssen, damit "die Führungselite" Kasse machen kann.
Das ist die Realität im Deutschland von heute. In den verkommenen Wirtschaftsunternehmen, in der Politik, in den korrupten Wissenschaftskreisen, der Verwaltung und anderwo. Da scheinen Parallelen mit dem diktatorischen System der Funktionärsdiktatur der SED in der Ostzone auf. Ob es Funktionärsdiktatoren mit politisch-ideologischem Dogma sind oder solche mit dem Dogma, dass von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft landauf und landab propagiert wird. Beides endet mit sozial-ökonomischem Elend.
Staatshilfen? Warum?????
ARcandor hat Mißwirtschaft betrieben und die Grundstücke verscherbelt, und zwar schon vor dem Stichtag. Und nun soll ich und Du dafür zahlen? Nein Danke.
Das Problem sind hier bei Arcandor zunächst mal Managertypen, denen schon während des Studiums beigebracht wurde, wie toll doch Synergieeffekte sind. Da wird der Einkauf zentralisiert und wumms, schon hat man ein Produktsortiment, das in jedem Warenhaus in der Stadt das selbe Gesicht hat ohne Berücksichtigung regionaler Besonderheiten.
Dem Kunde wird vorgegeben, was er gefälligst zu kaufen hat, statt dass man dem Kunden die Wahl lässt, wie er sein "Einkaufserlebnis" gestalten will.
Ich denke schon auch, dass Karstadt und Kaufhof parallel existieren könnten, wenn man sie entsprechend positioniert. Nur eine Unterscheidung dafür, dass man mit einer Marke den niedrigen Level anspricht und mit der nächsten einen höheren Level, widerspräche dem Sinn des Warenhauskonzeptes, dass man wirklich für jeden Zweck das richtige Produkt an einem Ort findet.
Bei Karstadt sieht man das anders. Und daher kein Geld vom Staat - was ich in beiden Fällen für richtig halte! Diesen Unterschied soll mir bitte mal einer erklären.
Paging