Kauf von MyTaxi Daimler macht den Anti-Uber

Taxi-App mit Stern: Daimler übernimmt MyTaxi, um auch an der Mobilität von morgen mitzuverdienen. Im Gegensatz zu Uber, der App, die alles durcheinanderwirbelt, kuschelt Daimler sich an die Taxifahrer ran.

Von Thomas Fromm

Was sie gemeinsam haben, ist die Art, uns ein Taxi zu rufen. Nicht per Handsignal am Straßenrand, nicht per Anruf, sondern über Smartphone-Apps. Damit hören die Gemeinsamkeiten zwischen Uber und MyTaxi aber schon auf.

Der amerikanische Taxi-App-Anbieter Uber bringt private Fahrer ohne Personenbeförderungsschein mit Kunden zusammen. Taxifahren ohne richtiges Taxi, ein Frontalangriff auf die traditionelle Taxibranche also.

MyTaxi dagegen bringt Kunden und klassische Taxifahrer mit Hilfe einer speziellen App zusammen. Der direkte Draht zwischen Fahrer und Kunde ist ein Problem für die Menschen, die in den großen Taxizentralen zum Telefonhörer greifen, aber weniger für die Taxifahrer selbst.

Beide, Uber und MyTaxi, haben sich seit Monaten kräftig Konkurrenz gemacht. Jetzt, in nur zwei Tagen, hat sich alles verändert: Zuerst bekamen die Amerikaner am Dienstag vom Landgericht Frankfurt eine einstweilige Verfügung ins Haus: keine offizielle Genehmigung nach dem Personenbeförderungsgesetz, keine Taxifahrten von Privatfahrern für die Firma. Uber will das ignorieren. MyTaxi dagegen gehört seit diesem Mittwoch der Mobilitäts-App Moovel. Die wiederum gehört dem Autokonzern Daimler. Mit anderen Worten: Daimler ist jetzt groß ins Taxi-Geschäft eingestiegen - als Anti-Uber sozusagen. Wie viel Geld die Stuttgarter für ihren Zukauf auf den Tisch gelegt haben, teilen sie nicht mit. Allerdings sollen die ersten 15 Prozent, die Daimler schon 2012 gekauft hat, an die zehn Millionen Euro gekostet haben.

Leichter ans Ziel - egal womit

Daimler hatte bislang den Anspruch, das beste Auto der Welt bauen. Jetzt bastelt der Konzern an einer App, die allen Menschen das Reisen erleichtern soll. Was wie Marketinggetue aussieht, könnte der Wandel von einem Automobil in einen Auto- und Mobilitätskonzern sein. Von Max Hägler mehr...

Für Daimler geht es um die Frage, was der Traditions-Autokonzern in Zukunft sein möchte. Konzernchef Dieter Zetsche spricht seit Jahren nicht mehr vom "Autohersteller", sondern "Mobilitätsdienstleister". Das bedeutet: Er muss Autos nicht unbedingt verkaufen, wenn die Menschen sie gar nicht kaufen, sondern nur nutzen wollen. Also investierte er in seinen Carsharing-Anbieter Car2go und die Tochter Moovel. Ein Angebot, das Handy-Nutzern Angebote schnürt: Mit Carsharing, Bahn, E-Bike, Mitfahrgelegenheit - und auch Taxi-Fahrten. Eine Reise, die aus verschiedenen Modulen zusammengebaut wird, möglichst günstig, vernetzt, schnell.

Wirklich reicher wird Daimlermit den neuen Geschäften noch nicht - Car2Go und Moovel sollen in diesem Jahr auf einen Umsatz von 100 Millionen Euro kommen. Verglichen mit dem gesamten Konzern-Umsatz von an die 120 Milliarden Euro ist das nicht viel. Aber es ist ja erst der Anfang in einem großen Spiel um die Mobilität von morgen.

An diesem Punkt nun kommt MyTaxi ins Spiel. Mehr als zehn Millionen Downloads hatte die Taxivermittlungs-Apps zuletzt, das Geschäft brummt. Es funktioniert so: Taxi bestellen und per App zusehen, wann und wie es zum Treffpunkt kommt - bezahlt wird per App. Die Taxifahrer werden zu Partnern der Firma und zahlen eine Gebühr von bis zu 15 Prozent des Fahrpreises an MyTaxi. "Alles, was Sie brauchen, ist ein Smartphone", wirbt der Anbieter.

Die Operation sei "nicht gegen die etablierten Taxizentralen gerichtet", lässt Moovel-Chef Robert Henrich wissen. "Ganz im Gegenteil möchten wir die Taxizentralen einladen, mit Moovel und MyTaxi eng und partnerschaftlich zusammenzuarbeiten, um gemeinsam die Chancen des mobilen Internet zu nutzen." Das klingt sehr versöhnlich und bedeutet: Die Smartphone-Taxler sehen sich weniger als Rivalen des klassischen Taxigewerbes - eher als eine neue technologische Plattform für das, was es eh schon immer gab. Moovel - und damit Daimler - will so etwas wie der Anti-Uber sein.