Katar Ende der modernen Sklaverei?

Das Emirat verspricht eine Arbeitsmarktreform, mit Mindestlohn und Rechtsschutz für ausländische Beschäftigte.

Von Paul-Anton Krüger, Kairo

Bauarbeiter in Doha. Katar steht wegen menschenunwürdiger Arbeitsbedingungen in der Kritik.

(Foto: Karim Jaafar/AFP)

Katar hat fünf Jahre vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in dem Golf-Emirat weitreichende Arbeitsmarktreformen angekündigt. Laut dem Internationalen Gewerkschaftsbund ITUC kommen sie einer Abschaffung des umstrittenen Kafala-Systems gleich. Dabei bürgt der Arbeitgeber für das Visum der ausländischen Arbeiter, in Katar mehr als zwei Millionen, überwiegend aus Südasien. Damit sind die Arbeiter von ihm abhängig, was vielfältigen Machtmissbrauch ermöglicht. So behielten Firmen oft Gehälter ein, kassierten illegale Vermittlungsgebühren und konnten die Arbeiter daran hindern, ihren Job zu wechseln oder das Land zu verlassen.

Die teils lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen und miserable Unterbringung sind seit der Vergabe der WM an Katar ständige Kritikpunkt gewesen. Die ITUC begrüßte nun "den Durchbruch der Regierung von Katar, das Kafala-System zu beenden", das die ITUC als "moderne Sklaverei" gegeißelt hatte. Entsprechende Entscheidungen von Emir Tamim bin Hamad al-Thani und Arbeitsminister Issa Saad al-Jafali al-Nuaimi seien "der Beginn echter Reformen", sagte ITUC-Generalsekretärin Sharan Burrow der Süddeutschen Zeitung.

Noch im März hatte sie Katar vorgeworfen, diese zu verweigern und verlangt, dass die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) eine Untersuchungskommission einsetzt. Diese Option ist nun bei der bevorstehenden ILO-Sitzung in Genf vorerst vom Tisch. Sie habe die Zusagen persönlich mit dem Emir und dem Arbeitsminister ausgehandelt, sagte Burrow. "Ich war einer ihrer härtesten Kritiker, unterstütze ihre neue Initiative jetzt aber aus vollem Herzen."

Laut der ITUC verpflichtet sich Katar einen Mindestlohn unabhängig vom Herkunftsland der Arbeiter einzuführen und dafür zu sorgen, dass Arbeitgeber sie nicht länger daran hindern können, das Land zu verlassen. Bislang wurden die Löhne nach Herkunftsland festgesetzt - Menschenrechtler kritisierten das als rassistisch. Überdies soll ein zentrales Register für die Arbeitsverträge geschaffen werden, um zu verhindern, dass Arbeitern nach ihrer Ankunft in Katar schlechtere Bedingungen aufgezwungen werden können. Die Arbeiter sollen Ausweise vom Staat erhalten, womit ihr Zugang zur kostenfreien medizinischen Versorgung sichergestellt wäre. An jedem Arbeitsplatz sollen von den Beschäftigten gewählte Komitees eingerichtet werden. Für den Fall von Meinungsverschiedenheiten wird ein Schlichtungsgremium geschaffen, das in festen Fristen Entscheidungen über Beschwerden treffen muss. "Jetzt kommt es darauf an, den Druck auf Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate zu erhöhen, dem Beispiel Katars zu folgen", sagte Burrow.

Staatliche Medien in Doha berichteten, das Kabinett habe die Änderungen der Visa-Gesetze bereits gebilligt. Die Höhe des Mindestlohns soll laut ITUC-Chefin Burrow zusammen mit ILO-Experten ermittelt werden, aber nicht unter 1500 katarischen Rial liegen, nach derzeitigem Kurs 350 Euro. Sie geht davon aus, dass die Reformen "in den ersten Monaten des kommenden Jahres umgesetzt sein werden".

Nicholas McGeehan von der Menschenrechtsorgansiation Human Rights Watch sagte, bisher handele es sich nur um Versprechungen - und Versprechen habe Katar auch schon gebrochen. Seine Organisation hatte jüngst erst einen besseren Schutz der Arbeiter vor der brutalen Hitze jenseits der Sommermonate gefordert. Amnesty International sah sich außer Standes, die Ankündigungen zu bewerten, solange die Regierung nicht mehr Details vorlege.