Kartellrecht Das Lkw-Kartell hat allen geschadet

Mit ihren Absprachen haben die Lkw-Hersteller eigentlich allen Seiten geschadet.

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Die Hersteller haben Spediteure, Unternehmen und Kunden hintergangen. Die Rekordstrafe ist deshalb nur gerecht - und zudem überfällig.

Kommentar von Thomas Fromm

Sage und schreibe 14 Jahre lang haben es die Mitglieder dieses Kartells geschafft, sich einen Markt nach ihrem Gusto zuzuschneiden. Hochrangige Manager der Konzerne, darunter Daimler, Iveco und Volvo, sprachen untereinander die Preise für ihre Lastwagen ab. Sie koordinierten ihre Planungen wohl auch, wenn es darum ging, neue Technologien zum Abbau schädlicher Abgase einzuführen. Dass dafür nun eine Rekordstrafe von fast drei Milliarden Euro fällig wird, und damit mehr als in solchen Fällen üblich, ist der Sache angemessen.

Denn das Kartell der schweren Kisten schadete allen. Den Käufern der Lkw, also den Spediteuren, die dann die höheren Preise an die Verkäufer von Waren weitergaben, von wo aus sie irgendwann beim Endkunden landeten - am Ende der Nahrungskette sozusagen. Sogar die Umwelt gehörte in jenen Jahren zu den sicheren Verlierern. Dann nämlich, wenn neue Technologien, mit denen Emissionen vermindert werden können, unnötig zurückgehalten wurden.

Der Kartellfall ist ein Musterbeispiel für das, was passiert, wenn Konzerne bewusst auf Wettbewerb verzichten und die Dinge lieber hintenrum unter sich klären. Denn die betroffenen Unternehmen produzieren die meisten in Europa hergestellten Lkw. Alternativen zu ihnen gibt es so gut wie keine. Sie hatten den Markt also fest im Griff - 14 Jahre lang, ohne dass es jemand mitbekam.

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