Karstadt Zeit der Zumutungen

In den nächsten Tagen stehen gleich zwei Termine an, die für das Schicksal der kriselnden Kaufhauskette Karstadt entscheidend sind.

(Foto: dpa)

Karstadt-Eigentümer Benko fordert harte Einschnitte: Mitarbeiter der Warenhäuser sollen auf ihren Lohn verzichten - wieder einmal. Auch einen neuen Chef soll der Warenhauskonzern bekommen.

Von Kirsten Bialdiga, Düsseldorf

René Benko weiß, wie man Geschäftsfreunde gewinnt. Der neue Karstadt-Eigentümer und Chef der österreichischen Immobilienholding Signa lädt gern ein. Zum Beispiel zu "Düsseldorf In", einer Abendgesellschaft, die einzig dem Zweck dient, einflussreiche Menschen zusammenzubringen. Auch in politischen Kreisen in Berlin lasse sich Benko in letzter Zeit häufig blicken, heißt es.

Als Karstadt-Eigentümer wurde Benko in Deutschland über Nacht ungewollt zur öffentlichen Person. Und für seine weiteren Pläne könnte er die Unterstützung der Politik eines Tages gut brauchen. Denn ein Zusammenschluss von Karstadt mit dem Rivalen Kaufhof bleibt eine Option.

Doch so weit ist es noch nicht. Jetzt sind erst einmal Benkos Qualitäten als Sanierer gefragt. Nächste Woche stehen gleich zwei Termine an, die für das Schicksal der kriselnden Kaufhauskette entscheidend sind. Am Dienstag beginnt die neue Tarifverhandlungsrunde mit der Gewerkschaft Verdi. Und am Donnerstag tagt der Aufsichtsrat. Was im Vorfeld durchsickerte, lässt nichts Gutes ahnen für die 17 000 Karstadt-Beschäftigten. So fordert das Management um Benko nach SZ-Informationen von der Belegschaft weiteren Einkommensverzicht zur Sanierung des Kaufhauskonzerns. Entsprechende Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern sollen jetzt aufgenommen werden. Betroffen seien alle drei Sparten - die Warenhaus GmbH, die Luxuskaufhäuser und Sports. "Das Management will über Sanierungstarifverträge in allen drei Gesellschaften verhandeln", verlautete aus informierten Kreisen.

Schon dreimal mussten sich die Beschäftigten in den vergangenen Jahren auf finanzielle Zugeständnisse einlassen. Nach Gewerkschaftsberechnungen summierte sich der Lohnverzicht auf insgesamt 650 Millionen Euro. Der letzte Sanierungstarifvertrag war vor zwei Jahren ausgelaufen. Doch ein solcher Einkommensverzicht ist aus Gewerkschaftssicht nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen möglich: Es muss eine wirtschaftliche Notwendigkeit geben, und auch die Eigentümer müssen bereit sein, Beiträge zu leisten wie etwa eine Beschäftigungs- und Standortgarantie. Zudem ist nachzuweisen, dass die Chance besteht, die Schieflage eines Unternehmens auf diese Weise zu beseitigen.

Kein "Kahlschlag mit der Machete"

An Benkos Fortführungskonzept bestehen aber aus Gewerkschaftssicht gewisse Zweifel. "Sammelkassen wie bei SB-Warenhäusern können nicht die Lösung sein", heißt es mit Blick etwa auf die geplanten Kürzungen beim Personal. Zudem müsse das Management begründen, warum auch für die gut laufenden Sport-Häuser ein Sanierungstarifvertrag erforderlich sei. Die Äußerungen lassen darauf schließen, dass harte Verhandlungen bevorstehen.

Auch die Gegenseite bringt sich vor der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag bereits in Stellung. 23 der 83 Warenhausfilialen seien von Schließung bedroht, weil sie rote Zahlen schreiben. Ohne "deutliche Einschnitte" gebe es keinen Neuanfang, einen "Kahlschlag mit der Machete" werde es aber nicht geben, zitierte die Bild am Sonntag einen Experten, der das 100-seitige Sanierungs- und Zukunftskonzept mit ausgearbeitet hat, das dem Aufsichtsrat nun vorgelegt werden soll.

Viele dieser Standorte sollen noch eine letzte Bewährungschance bekommen. Dem Bericht zufolge will Benko die übrig gebliebenen Häuser in zwei Kategorien einteilen: in größeren Städten in "Erlebnishäuser" und in kleineren Orten in "Kaufhäuser der Stadt", die den täglichen Bedarf abdecken sollen. Alle Filialen sollen eine Lebensmittelabteilung und Restaurants bekommen. Zielgruppe sei die kaufkräftige Mittelschicht. Weder Karstadt noch Signa wollten sich zu den Informationen am Wochenende äußern. Umsetzen soll diese Pläne Stephan Fanderl, wie das Magazin Spiegel berichtet. Der bisherige Aufsichtsratschef soll den Chefposten bei Karstadt übernehmen.