Kapitalgeber Private-Equity-Firmen quetschen ihre Unternehmen aus

Beteiligungsfirmen wie Blackstone oder Silver Lake lassen ihre Unternehmen hohe Schulden anhäufen, um sich das Geld anschließend als Dividende ausschütten zu lassen. Eine riskante Taktik.

Von Ryan Dezember und Matt Wirz, Wall Street Journal Deutschland

Private-Equity-Firmen häufen in rekordverdächtiger Geschwindigkeit Schulden bei ihren Beteiligungen an, um Auszahlungen an sich selbst zu finanzieren. Die Beteiligungsfirmen treibt die Angst um, dass eine Zinsererhöhung der US-Notenbank Fed das Fenster für solche Geschäfte schließen könnte.

Seit Jahresbeginn haben Unternehmen 47,4 Milliarden US-Dollar an neuen Krediten und Anleihen aufgenommen und ausgegeben, um Dividenden an ihre Private-Equity-Eigentümer ausschütten zu können. Das zeigen Zahlen des Datenanbieters S&P Capital IQ. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Anstieg von 62 Prozent. Im vergangenen Jahr schütteten die Firmen 64,2 Milliarden Dollar an die Beteiligungsfirmen aus, seit Erhebung der Daten ein Rekord.

Die Beteiligungsfirmen erwerben Firmen mit einer Mischung aus Bargeld und Schulden, die die gekauften Unternehmen mit ihren erwirtschafteten Gewinnen zurückzahlen sollen. Bei Dividenden-Deals nehmen Firmen in Private-Equity-Besitz mehr Schulden auf, damit sie Dividende an ihre Inhaber ausschütten können. Die Auszahlungen werden letztendlich unter den Investoren der Private-Equity-Firmen verteilt - dazu gehören unter anderem Stiftungen, Pensionsfonds, vermögende Familien und die Geschäftsleitungen der Firmen.

Eigenheimkredit für eine Urlaubsreise

Eine Filiale von Michaels, einem Anbieter für Spezialbedarf von Künstlern und Bastlern. Das Unternehmen hat Anleihen über 800 Millionen Dollar am Markt untergebracht, die als Dividende an die Private-Equity-Eigentümer ausgeschüttet werden.

Die zusätzlichen Schulden, Rekapitalisierung genannt, können laut einer kürzlichen Studie von Moody's Investors Service das Insolvenzrisiko der Unternehmen in Private-Equity-Besitz erhöhen.

Dividendengeschäfte seien vergleichbar damit, wenn man "einen Eigenheimkredit aufnimmt und das Geld dann zur Finanzierung der Urlaubsreise verwendet", sagt Ray Kennedy, Fondsmanager mit Spezialisierung auf Hochzinsanleihen bei Hotchkis & Wiley Capital Management in Los Angeles. Er versuche in der Regel, Dividendendeals zu vermeiden. Um im Bild zu bleiben: "Man nimmt das Geld nicht, um irgendetwas Produktives im Haus zu tun, zum Beispiel einen Raum zu renovieren; man geht einfach los und gibt das Geld aus."

Der Anstieg der Dividendendeals folgt auf den Knick im Anleihegeschäft im Mai und Juni, als die Zinsen nach Fed-Präsident Ben Bernankes Aussagen über ein mögliches Rückfahren des Anleihekaufprogramms, das die Zinsen seit Jahren auf niedrigem Niveau gehalten hat.

Als der Markt sich dann im vergangenen Monat erholte, brachten Private-Equity-Firmen wie Blackstone, Bain Capital and BC Partners eilig neue Deals an den Markt. Damit griffen sie der Möglichkeit vor, dass das Fenster für solch lukrative Transaktionen nicht mehr ewig offen sein wird.

Rund 60 Prozent aller im Juli emittierten Anleihen von Firmen in Private-Equity-Besitz wurden dazu genutzt, Dividenden an die Anteilshalter auszuschütten - das liegt nach Daten von S&P weit über dem diesjährigen Durchschnitt von 14 Prozent (im Monat).