Die Probleme in Griechenland machten deutlich, wie schwer die Krise Europa treffe. Zum Risiko für den Aufschwung könne vor allem die exorbitante Staatsverschuldung im Euroraum werden. "Sorge macht uns in Deutschland, dass gerade die Unternehmen, die für sich eine erheblich verbesserte Geschäftslage und insbesondere steigende Exporte erwarten, gleichzeitig überdurchschnittlich verschlechterte Kreditbedingungen klagen", sagt Keitel weiter.

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Die Kanzlerin weiß, wie gefährlich es für sie werden könnte, die einflussreichen Unterstützer zu verlieren. Groß waren die Erwartungen, mit der die Wirtschaft den Start ihres Regierungsbündnisses begleitet hat. Merkel weiß um das schwache Erscheinungsbild der Koalition. Und sie weiß um viele Enttäuschungen.

"Ich bin proaktiv auf diese Kritik eingegangen"

"Ich kann verstehen, dass nicht jede Diskussion applaudierend betrachtet wird", sagt sie nach einem Gespräch mit 80 Unternehmern. Und: "Ich bin proaktiv auf diese Kritik eingegangen und habe deutlich gemacht, dass das Allerwichtigste ist, was die Ergebnisse der Politik sind." Merkel verweist auf das bereits Geleistete, beispielsweise die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes.

Hinter verschlossenen Türen aber wird Merkel in München deutlicher. Sie wirbt um Verständnis für aktuelle Reibereien in ihrem Regierungsbündnis. Vor allem CSU und FDP müssten "ihre Rolle noch finden", sagt die Kanzlerin nach Angaben aus Teilnehmerkreisen.

Als Reaktion auf die Kritik an der hohen Staatsverschuldung erklärte sie: Das "sehr hohe Defizit" in diesem Jahr sei "allein und ausschließlich der Krise geschuldet". Merkel betonte, dass die Koalition die Neuverschuldung in den kommenden Jahren wieder zurückfahren wolle: "Ich habe mich eindeutig zur Schuldenbremse bekannt."

"Wir leben in einer komplizierten Zeit"

Doch längst bahnt sich mehr an, als nur eine kurze Verstimmung zwischen Regierung und der Wirtschaft. Was die Verbandsbosse zu hören bekommen, wird sie kaum besänftigen. Denn Merkel lässt durchblicken, für wie schwer sie es hält, Reformen durchzusetzen: "Wir leben in einer komplizierten Zeit." Und: "Die Krise ist noch nicht überall sichtbar, aber in fast jedem Winkel manifest."

Die Finanznot der Kommunen, die Abstiegsangst der Bürger. Die Regierung müsse auf viele Sorgen Rücksicht nehmen. Arbeitgeberpräsident Hundt will das so nicht stehen lassen. Jetzt müsse alles "Priorität" haben, was den Wirtschaftsaufschwung unterstütze und stabilisiere. So sei es wichtig, dass die Koalition ihre Vereinbarungen zur Gesundheitspolitik umsetze.

Die Kosten der Kranken- sowie der Pflegeversicherung müssten "vom Arbeitsverhältnis abgekoppelt werden". Der Arbeitgeberpräsident warnte: "Sonst steigen unsere Arbeitskosten weiter. Das ist ein Nachteil im internationalen Wettbewerb, der Wachstum und Beschäftigung hemmt".

Die Botschaft ist klar: Die Schonfrist ist vorbei. Merkel hat es eilig. Zum traditionellen Messerundgang bleibt keine Zeit. Ohne Schlusswort aber lässt BDI-Chef Keitel die Kanzlerin nicht gehen: "Wir kämpfen mit Leidenschaft."

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  1. Von Kritikern umgeben
  2. Sie lesen jetzt Schwaches Erscheinungsbild der Koalition
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(SZ vom 06.03.2010/pak)