Kanadas geplante Pipeline "Northern Gateway" Furcht vor dem Öl

Eine Frau mit schwarzbemaltem Gesicht protestiert am Dienstag in Vancouver gegen die Pipeline "Northern Gateway".

(Foto: AP)

Kanadas Regierung erlaubt eine Mega-Pipeline, die Öl aus Teersanden zum Pazifik bringen soll. Für Ureinwohner, Opposition und Walschützer ist der Streit noch lange nicht zu Ende.

  • Kanadas Regierung genehmigt den Bau einer 1177-Kilometer-Pipeline aus dem Landesinneren zum Pazifik. Sie kostet 6,5 Milliarden kanadische Dollar (4,4 Milliarden Euro).
  • Das Land will für sein Öl aus Teersanden Käufer außerhalb Nordamerikas finden.
  • Ureinwohner und Umweltschützer wehren sich gegen den Bau, die Opposition will die Entscheidung rückgängig machen.

Das Öl

Weil der Weltmarktpreis so hoch ist, lohnt es sich, Öl, das aus Teersanden gewonnen wird, zu fördern. Kanada sitzt auf gigantischen Mengen, doch der Großteil liegt in Alberta. Die Provinz hat keinen Zugang zum Meer, über welches das Öl in neue Märkte gelangen könnte. Bisher verkaufte Kanada deshalb fast sein komplettes Öl an den Nachbarn USA, obwohl zum Beispiel in Asien höhere Preise gezahlt werden. Am Dienstag hat die Regierung des konservativen Premierministers Stephen Harper entschieden, dass der Pipeline-Spezialist Enbridge aus Calgary die "Northern Gateway Pipeline" bauen darf, eine Ölleitung aus der Nähe von Kanadas "Öl-Hauptstadt" Edmonton in Alberta zum Pazifik. Die Regierung folgt damit der Empfehlung eines eigens eingerichteten Expertenrates, der erklärt hat, das Projekt sei im öffentlichen Interesse.

Die Pipeline

Es ist ein Projekt von riesigen Ausmaßen, das seit einem Jahrzehnt geplant und debattiert wird: Die Pipeline ist 1177 Kilometer lang, etwa 80 Millionen Liter (525 000 Barrel) pro Tag sollen sie jeden Tag durchfließen. Das schwere Öl muss noch in Alberta verdünnt werden, und wird dann den weiten Weg zum Hafen Kitimat in British Columbia geleitet. Von dort werden 220 Schiffe im Jahr den Rohstoff in die Welt bringen. Die Pipeline besteht aus zwei Leitungen, neben dem Öltransport zum Pazifik wird Erdgaskondensat in die entgegengesetzte Richtung fließen. Die Substanz wird in Alberta gebraucht, um die Ölsande vor dem Durchleiten zu verdünnen. Kosten des Baus: 6,5 Milliarden kanadische Dollar. Die Bauerlaubnis ist an 209 Bedingungen geknüpft, unter anderem Sicherheitsbestimmungen für den Stahl der Leitung und die Tanker. Ein wichtiger Konkurrent ist die Pipeline KeystoneXL des Unternehmens TransCanada, die kanadisches Öl in die USA leitet. Die Pipeline hat Priorität für US-Präsident Barack Obama, er steht aber unter dem Druck reicher Unterstützer seiner Demokratischen Partei, die die Pipeline aus Klimaschutzgründen ablehnen.

Der Widerstand

Ob die Pipeline tatsächlich in geplanter Form gebaut werden kann, ist unklar. Viele "First Nations", die Ureinwohner Kanadas, haben Widerstand angekündigt. "Northern Gateway" soll auch durch ihre Gebiete führen, sie fürchten Öllecks, die Verschmutzung von Boden und Wasser und die Gefährdung von Lachsen im Fraser-Fluss. 130 Stämme haben ihre verfassungsmäßig garantierten Landrechte in Anspruch genommen, um einen Bau von Leitungen für Öl aus Teersanden durch ihre Gebiete zu verbieten (hier eine Karte). Unterstützt werden sie von Umweltschutzgruppen.

Nach der Erlaubnis der Regierung veröffentlichte die Yinka-Dene-Allianz aus mehreren Stämmen eine Botschaft an Enbridge und die Politik: "Wir werden unser Territorium verteidigen, egal, wie hoch der Preis ist."

Nicht alle Ureinwohner sind Gegner der Pipeline. Projektleiterin Janet Holder sagte am Dienstag, sie wolle weiter um das Vertrauen der Ureinwohner werben. Durch 26 Vereinbarungen werden ihren Angaben zufolge 60 Prozent der "First Nations", die an der Pipeline-Strecke leben, an Profiten der Pipeline beteiligt. Enbridge verspricht Jobs und Ausbildungsplätze für die oft armen Gemeinschaften.

Meeresschützer warnen auch davor, dass die vielen Öltanker, die nach dem Bau vor der kanadischen Küsten fahren werden, Buckelwale in ihrem Rückzugsräumen stören oder gar mit den Tieren kollidieren können. Deren Status hat die Regierung in diesem Frühjahr von "bedroht" auf "gefährdet" heruntergestuft - nach Ansicht der Projektgegner mit dem Ziel, ein Hindernis für den "Gateway"-Bau aus dem Weg zu räumen.

Die sozialdemokratische Opposition steht auf Seiten der Umweltschützer. Ihr Chef Tom Mulcair sagte nach der Entscheidung vom Dienstag: "Solche Projekte kann man nicht mehr von oben nach unten durchdrücken. Wir reden hier von einer ernsten Bedrohung der sozialen Ordnung, des sozialen Friedens." Sollte seine Partei im Herbst 2015 an die Macht kommen, will er die Erlaubnis zum Bau der Pipeline rückgängig machen.