Knallharte Finanzstrategen: RHJ plant bei Opel den Abbau von fast 10.000 Arbeitsplätzen, 800 Millionen Euro sollen pro Jahr gespart werden - dennoch betont der belgische Finanzinvestor sein langfristiges Interesse.

Es geht nicht ohne Jobkahlschlag: Gewinnt der belgische Finanzinvestor RHJ die Schlacht um Opel, sollen mehrere tausend Arbeitsplätze wegfallen. In Deutschland sollen 3900 Opel-Jobs gestrichen werden, europaweit etwa 9900 Stellen, berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf das aktuelle Konzept der Beteiligungsgesellschaft. Ferner solle das belgische Opel-Werk Antwerpen im Frühjahr 2010 geschlossen und der thüringische Standort Eisenach für zwei Jahre stillgelegt werden, bevor 2012 dort die Produktion wieder anlaufe. Die Arbeitsplätze in Eisenach sollten allerdings vollständig erhalten bleiben, in Bochum, Rüsselsheim und Kaiserslautern würden dagegen die Kapazitäten verkleinert.

Opel, AP

Die Ripplewood-Tochter RHJ wirbt um Opel - neben Magna und dem chinesischen Hersteller BAIC. Wer bekommt den Zuschlag? (© Foto: AP)

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Schwarze Zahlen im Jahr 2011

2011 wolle RHJ mit Opel wieder operativ schwarze Zahlen schreiben, unter dem Strich solle zwei Jahre später wieder ein Nettogewinn stehen. Die Tochter des Finanzinvestors Ripplewood hatte das aktuelle Konzept am Mittwoch im Bundeswirtschaftsministerium vorgestellt.

RHJ strebt eine Mehrheit von 50,1 Prozent an Opel an und wolle dem derzeitigen Mutterkonzern GM an der neuen Gesellschaft 39,9 Prozent einräumen, berichtete das Handelsblatt weiter. Die restlichen zehn Prozent sollen demnach die Mitarbeiter erhalten.

RHJ-Vorstandschef Leonhard Fischer gab in der Bild-Zeitung zugleich eine Bestandsgarantie für alle deutschen Opel-Werke ab: "Wir werden alle vier deutschen Opel-Werke erhalten", sagte Fischer einer Vorabmeldung zufolge. Die Kosten sollen massiv gesenkt werden. Fischer bezifferte das jährliche Einsparvolumen auf 800 Millionen Euro. Man wolle "die Partnerschaft mit der ehemaligen Opel-Mutter GM nutzen, zum Beispiel beim gemeinsamen Einkauf von Fahrzeugteilen", sagte Fischer. "Das schafft Vorteile und spart Kosten. Insgesamt rechnen wir mit Einsparungen von 800 Millionen Euro im Jahr."

RHJ habe General Motors allerdings keine Option auf einen Rückkauf der deutschen Tochter eingeräumt. "Es gibt keinerlei Verpflichtung, dass RHJ zu irgendeinem Zeitpunkt seinen Anteil an Opel an General Motors wieder verkauft", zitierte das Handelsblatt RHJ-Verhandlungsführer Gerd Häusler. "Solange die staatlichen Hilfen nicht vollständig zurückgezahlt wurden, ist ein Ausstieg oder Weiterverkauf der Opel-Anteile ohnehin ausgeschlossen", betonte Häusler.

Für die Zeit danach sei sowohl ein Verkauf an einen dritten Investor oder ein Börsengang denkbar. Ziel sei, dass das neue Management von New Opel eigenständig agieren kann, sagte Häusler dem Blatt."New Opel wird keine Tochter von GM sein", fügte er hinzu. "Wir sehen uns bei Opel als einen strategischen Investor mit langfristigem Horizont". RHJ habe kein Interesse - wie dies gelegentlich unterstellt werde - Opel kurzfristig weiterzuverkaufen.

RHJ hatte zuletzt im Bieterwettkampf um Opel an Boden gut gemacht. Lange Zeit galt der kanadischen Zulieferer Magna als aussichtsreichster Favorit. Am Donnerstag stärkte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Magna den Rücken. In dem Konzept des Konsortiums aus den Kanadiern sowie der russischen Sberbank und dem russischen Autohersteller GAZ gebe es zwar noch etliche offene Punkte. Sie sei aber zuversichtlich, dass diese in wenigen Tagen geklärt werden könnten, sagte Merkel.

Kreisen zufolge wollen sowohl Magna als auch RHJ möglichst noch zum Wochenende unterschriftsreife Vorverträge für Opel vorlegen. Bei der ebenfalls an Opel interessierten chinesischen BAIC sei ein derartiges Papier dagegen nicht in Sicht, sagten Insider. Die Vorverträge sollen auch als Grundlage für die Entscheidung von Bund und Ländern über Bürgschaften für Opel dienen.

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(sueddeutsche.de/Reuters/AP/dpa/mel/tob)