Von Harald Schwarz

Ein pfleglicher Umgang mit den Eltern zahlt sich aus: Familienfreundliche Unternehmen profitieren in vielen Bereichen. Die Hertie-Stiftung hilft Firmen bei der Umsetzung solcher Maßnahmen.

Der Notfall tritt oft schnell ein: Das Kind erkrankt plötzlich oder Oma und Opa bedürfen dringender Pflege. Doch am Arbeitsplatz wartet zugleich eine wichtige Aufgabe, die erledigt werden muss.

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In der Vergangenheit waren Eltern in solchen Situationen häufig schlicht überfordert, wenn es um die Lösung dieser Probleme ging. Allmählich setzt sich bei den Arbeitgebern in der deutschen Wirtschaft aber die Erkenntnis durch, dass eine familienbewusste Personalpolitik Vorteile bietet, etwa wenn es darum geht, qualifizierte Kräfte anzuheuern oder zu halten. Und sogar Kostenersparnisse sind möglich.

Um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kümmert sich seit fast zehn Jahren die gemeinnützige Hertie-Stiftung über ihre Initiative Beruf und Familie. Die Institution wolle Betriebe verpflichten, in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess einzutreten, damit das Zauberwort von der Vereinbarkeit "nicht nur eine Worthülse" bleibe, sondern "konkret mit Leben erfüllt" werde, sagt Geschäftsführer Stefan Becker.

Wer sich darauf einlässt, dem winkt als Gütesiegel ein Zertifikat, wobei die Vergabe jährlich überprüft wird. Gut 500 solcher Auszeichnungen an Konzerne wie die BASF, an kleine Firmen, an Ministerien und Hochschulen hat "Beruf und Familie" bereits vergeben. Damit sei man in der Wirtschaft angekommen, sagt Becker und fügt hinzu: "Das Interesse daran ist so groß wie nie zuvor."

Allerdings noch nicht groß genug. Man beiße zwar zunehmend weniger auf Granit in den Unternehmen, sagt Geschäftsführerin Antje Becker. Doch sie räumt auch ein: "Es gibt noch viel zu tun." Dass sich der pflegliche Umgang mit Eltern für den Arbeitgeber auszahlt, bestätigte eine Umfrage bei 113 Firmen, die bereits ein Zertifikat haben.

Danach sanken bei den Unternehmen mit familienbewusster Personalpolitik die Fehlzeiten um ein Drittel, beim Image gab es einen Zugewinn und es vereinfachte sich die Rekrutierung von Fach- und Führungskräften. Beim Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport, der nächste Woche sein Zertifikat von "Beruf und Familie" ausgehändigt bekommt, hat sich der Aufwand, der etwa mit flexibleren Arbeitszeiten, mit veränderter Teamarbeit, mit Krippenplätzen und Kindernotbetreuung verbunden ist, auch gelohnt.

Laut Vorsitzenden und Arbeitsdirektor Herbert Mai bedeutet für das Unternehmen jeder Prozentpunkt weniger an Ausfallzeit eine Ersparnis von sechs Millionen Euro jährlich. Mai warnt aber vor Illusionen bei der Familienfreundlichkeit: Man könne vieles machen, aber "es geht nicht alles".

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(SZ vom 13.6.2007)