Kampf gegen Korruption in Griechenland Geheime Vermögen

In dem Fall ermitteln auch Bremer Staatsanwälte. Ihnen liegen Informationen vor, dass Efstathiou insgesamt 18 Millionen Euro Schmiergelder verschoben habe. Der Athener Ermittler Mallis konfrontierte den Alten mit den Erkenntnissen seinen Bremer Kollegen. Mallis will offenbar ganz weit nach oben. Zu den Hauptakteuren. Am Ende könnten die Fahnder auf viele geheime Vermögen stoßen.

Die Fertigkeit, sich zu bereichern, galt früher in Griechenland, aber auch in anderen Gegenden der Welt, als geschickt. Diejenigen, die schroff alle Erkenntlichkeiten ablehnten, standen im Ruch, etwas verschroben zu sein. Wenn einer Jahrgang 1928 ist wie der alte Efstathiou, dann muss ihm die heutige Aufregung um das Geben und Nehmen merkwürdig vorkommen.

Lange bevor er geboren wurde, gab es in seinem Land schon das Zauberwort "Rousfetia". Das stammt aus dem Türkischen. "Rüsvet" sind die vielen kleinen Gefälligkeiten, die einer im Austausch für andere Gefälligkeiten leistet. "Fakelo" ist der Umschlag, den man jemandem zuschiebt, um eine Dienstleistung etwa im Krankenhaus zu erhalten. "Fakelaki" ist gewissermaßen das System der Umschlags-Wirtschaft, die viele Jahre Teil der politischen Kultur war, die aus dem Jahrhunderte alten "Klientelismus" der Parteien entstanden ist.

"Rousfetia", "Fakelaki" - das klingt fast so harmlos wie das deutsche "Anfüttern", das seit einigen Jahren zum Abc der hiesigen Korruptionsliteratur gehört, ist aber weit exotischer und viel verbreiterter.

Es gibt eine ziemlich frische Erhebung der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International (TI), nach der sechs von zehn Griechen mindestens einmal Bestechungsgeld gezahlt oder kassiert haben. Seit Jahren ist Griechenland im Korruptions-Index von TI das am schlechtesten bewertete Land in der Europäischen Union. In Hellas waren früh alle Voraussetzungen für Korruption gegeben: Klientelismus, Bürokratie, schwache Justiz, viele Schlupflöcher in der Gesetzen.

Aber, das zeigen Ermittlungen wie die von Mallis, die Verhältnisse ändern und bessern sich, von Fall zu Fall. Es ist nicht einmal zehn Jahre her, da gab es noch keine ausgewiesenen Korruptionsermittler im Land. Man legte sich mit den politischen Gönnern nicht an. Der größte deutsche Korruptionsfall, der 2006 aufgeflogene Siemens-Schmiergeldskandal, hat auch die griechischen Verhältnisse durcheinandergebracht. Rasch wurde klar, dass auch in Hellas die Landschaft gepflegt worden war und die umfänglichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München I lieferten den Griechen viel Material für eigene Nachforschungen. Draus sind dann viele Verfahren entstanden.

In der Geschichte der Korruption in Griechenland war der Fall Siemens möglicherweise sogar das Ereignis, das die Zeit in ein Davor und ein Danach scheidet. Dann kam der wirtschaftliche Zusammenbruch des Landes; Misswirtschaft und Korruption wurden Themen. Die EU-Kommission und der Internationale Währungsfonds drängten die Griechen, mehr gegen das Fakelaki-System zu unternehmen. In Athen und Saloniki wurden Einheiten von Strafverfolgern etabliert, die vor allem gegen Korruption und Untreue kämpfen. Insgesamt ist das ein kleine Truppe. Etwa 30 Staatsanwälte - eigentlich nicht viel für so ein Land. Allein München hat weit mehr Strafverfolger, die sich mit der Aufklärung von Wirtschaftsstraftaten beschäftigen.

Für Griechenland bedeutete diese Truppe aber eine deutliche Zäsur. Die meisten Korruptionsermittler sind zwischen 28 und 40 Jahre alt, viele Frauen sind darunter. Die unteren und jüngeren Staatsanwälte beim Landgericht Athen arbeiten teilweise von zu Hause, da in den öffentlichen Gebäuden kein Raum für diese neuen Einheiten ist. Sie teilen sich Schreibkräfte, arbeiten mit eigenen Computern, eigenen Büchern und zahlen selbst das Papier, auf das sie ihre Ergebnisse drucken. Ihr Verdienst liegt im Schnitt bei 2000 Euro netto, die Chefin bekommt 2500 Euro.

Sieben Staatsanwälte nehmen Rüstungsdeals unter die Lupe

Mit den Schmiergelduntersuchungen bei den Rüstungsdeals sind sieben Frauen und Männer beschäftigt. Die bekannteste Ermittlerin ist Popi Papandreou. Sie kümmert sich um Geschäfte mit deutschen U-Booten und russischen Hubschraubern, aber auch um die Plünderung von Krankenkassen und Feinheiten wie den Kauf des englischen Abiturs gegen Geld.

Natürlich fehlt es noch an Expertise, mancher Ermittler tut sich schwer, Bilanzen zu lesen. Einige sprechen kaum Englisch, die meisten verstehen wenig von IT. Aber im Verfassen von Rechtshilfeersuchen an andere Staaten haben es die Griechen zu einer Meisterschaft gebracht.

Die Beschuldigten bei den Rüstungsgeschäften überbieten sich in der Bereitschaft, auszusagen, da sie nach einem vor gut zwei Jahren verabschiedeten Gesetz auf Milde hoffen können. Die meisten von ihnen werden wohl wegen Diebstahls staatlicher Gelder angeklagt, und wer rechtzeitig auspackt, muss möglicherweise nicht ins Gefängnis. Im Krankenhaus, bei der Genehmigung von Bauanträgen und auch sonst in der Verwaltung, wird noch immer bestochen, aber die Summen sind kleiner geworden und nicht selten wird der Korrupti verhaftet.

Es ist eine neue Welt entstanden mit eigenen neuen Regeln, und für die Alten wie Efstathiou sind die Regeln nicht leicht zu verstehen. Immerhin haben es seine Anwälte am Freitag geschafft, ihn fürs Erste vor der Haft zu bewahren. Die Kaution in Höhe von 500.000 Euro wird er wohl noch aufbringen können.