Von Dagmar Deckstein

Der Maschinenbauer Heidelberger Druck kappt 2000 Stellen allein am Standort Wiesloch-Walldorf - und die Führung legt sich mit der IG Metall an.

Bei Heidelberger Druckmaschinen spitzt sich die Krisensituation zu. Der Konzern will seinen Stellenabbau deshalb deutlich ausweiten. Statt der bisher vorgesehenen 2500 Mitarbeiter sollen bis Ende 2009 nun 5000 Beschäftigte gehen. Dafür kündigt der Konzern sogar den Beschäftigungssicherungsvertrag.

Heidelberger Druckmaschinen

Die Krise schlägt "alles, was bisher da war" (© Foto: dpa)

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Eine "derart dramatisch negative Entwicklung der Weltkonjunktur" sei bisher nicht absehbar gewesen, begründete Konzernchef Bernhard Schreier die Fortsetzung des rigorosen Sparkurses.

Die Krise schlage "alles, was bisher da war". Es gebe keinerlei Alternativen zu weiteren Kündigungen unter den derzeit noch 20.000 Beschäftigten des Weltmarktführers für Druckmaschinen. Schreier begründete den tiefen Einschnitt mit der globalen Wirtschaftskrise, der anhaltenden Investitionszurückhaltung sowie der restriktiven Kreditvergabe der Banken.

"Kommende Monate werden noch schwieriger"

Heideldruck müsse davon ausgehen, dass der Auftragseingang des laufenden vierten Quartals unter 500 Millionen Euro sinken und damit noch unter dem ohnehin schon schwachen Vorquartal liegen werde. Und kurzfristig sei keine Besserung in Sicht. Im Gegenteil: "Die kommenden Monate werden noch schwieriger", begründete Schreier die weiteren harten Einschnitte.

Deswegen reiche der ursprünglich geplante Abbau von 2500 Stellen nicht aus, auch seien die Instrumente Kurzarbeit und Abbau von Überstunden längst ausgeschöpft. Mit der Trennung von weiteren 2500 Mitarbeitern will Heidelberger Druckmaschinen bis zum Geschäftsjahr 2010/11 etwa 400 Millionen Euro einsparen.

Bisher hielt der Konzern 200 Millionen Euro für ausreichend. Sollte die erste Entlassungswelle hauptsächlich Mitarbeiter an ausländischen Standorten betreffen, sind jetzt vor allem deutsche Arbeitsplätze im Visier. Besonders hart trifft der Sparkurs den Hauptstandort Wiesloch-Walldorf, wo 2000 Mitarbeiter entlassen werden. Wollte Heideldruck ursprünglich auf Kündigungen möglichst verzichten, sollen jetzt sogar betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden.

Dafür schreckt der Konzern auch nicht vor einem Konflikt mit der IG Metall zurück und kündigt den Ende 2007 vereinbarten Beschäftigungssicherungsvertrag zum 30. Juni dieses Jahres. Bei Abschluss des Vertrags sei die dramatische Verschlechterung der Weltwirtschaft und damit auch der Druckmaschinenbranche nicht absehbar gewesen.

Das ist ein ungewöhnlicher Schritt für das 1850 gegründete Unternehmen, das weltweit einen Marktanteil von 40 Prozent bei Bogenoffset-Druckmaschinen besitzt und vergangenes Geschäftsjahr 3,7 Milliarden Euro umsetzte.

Die IG Metall kündigte Widerstand an und erklärte, der Arbeitsplatzabbau werde nicht hingenommen. "Sie können davon ausgehen, dass wir mit aller Härte reagieren werden", sagte Mirko Geiger, der Geschäftsführer der IG Metall in Heidelberg. Das Unternehmen kassiere in guten Zeiten ab und entlasse in schlechten Zeiten.

Die einseitige Kündigung des Tarifvertrags könnte nach Einschätzung von Gewerkschaftern ein Dammbruch sein. Viele Großunternehmen haben Kündigungen für die nächsten Jahre ausgeschlossen und ihren Beschäftigten damit Sicherheit gegeben. Daimler-Chef Dieter Zetsche hält sich eine Hintertür offen: Daimler wolle Entlassungen vermeiden, dafür gebe es aber keine Garantie, hatte er am Mittwoch auf einem Gewerkschaftskongress gewarnt.

Neben den Personalkosten will Heideldruck auch die Kosten in Forschung und Entwicklung, Produktion, Verwaltung sowie im Vertrieb reduzieren.

Der Aufwand für die Kostensenkungsprogramme werde zwischen 170 und 190 Millionen Euro liegen, erklärte Schreier. In der massiven Branchenkrise hat unterdessen der Vorstandschef des weltweit drittgrößten Druckmaschinenherstellers Koenig & Bauer, Albrecht Bolza-Schünemann, nach massiven Verlusten seinen sofortigen Rücktritt erklärt.

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(SZ vom 27.03.2009/hgn)