Die US-Autoindustrie steckt in der schwersten Krise seit Jahrzehnten. Auch die deutschen Hersteller haben Probleme. Nur Porsche erzielt einen Rekordgewinn.
Sie waren gekommen, um zu fehlen. Eineinhalb Stunden lang saßen die Chefs der drei großen US-Autobauer und der Vorsitzende der stolzen Gewerkschaft United Auto Workers mit führenden Kongressabgeordneten zusammen. Noch einmal 25 Milliarden Dollar brauche die Branche, sagten sie, sonst gehe sie zu Grunde. Und mit ihr fast jeder zehnte Arbeitsplatz in den USA.
Keiner weiß, wie es mit der US-Autoindustrie weitergehen soll: Keiner will ihr mehr Geld geben. (© Foto: AFP)
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Fachleute halten diese Behauptung zwar für übertrieben. Unbestritten ist jedoch, dass die amerikanischen Autokonzerne in die Pleite rasen. Beispielhaft unterstrichen dies am Freitag die neusten Verlustmeldungen von Ford. Aus dem operativen Geschäft resultierte ein Verlust von drei Milliarden Dollar.
Minus bei BMW und Daimler
Zwischen Anfang Juni und Ende September verbrannte Ford fast ein Drittel seiner Rücklagen. General Motors steht nach Einsätzung von Experten noch schlechter da. Die Kapitalreserven der Konzerne könnten noch vor Ende des kommenden Jahres aufgezehrt sein. Das gilt auch für Chrysler, den kleinsten der drei Großen, der seine Geschäftsergebnisse nicht mehr veröffentlichen muss, seit er von der Beteiligungsgesellschaft Cerberus gekauft wurde.
Wie es ohne Staatshilfen weitergehen soll, weiß niemand. Auf dem freien Markt finden die hoch verschuldeten Konzerne jedenfalls keine Gläubiger mehr. Amerika hängt an seinen Autobauern. Ihre Zentralen in Detroit waren jahrzehntelang Symbole industrieller Macht.
Doch die US-Hersteller haben den Trend zu spritsparenden Autos verschlafen und unverdrossen Limousinen und überdimensionierte Geländewagen vom Band rollen lassen. Die Käufer wandten sich ab. 2007 fiel der Marktanteil der Big Three erstmals unter 50 Prozent und in diesem Jahr verschärfen die Kreditkrise und die Wirtschaftsflaute die ohnehin schon kritische Lage. Die Amerikaner müssen sparen.
Erst vor ein paar Tagen waren die Konzerne mit ihrem Hilferuf im Weißen Haus auf taube Ohren gestoßen. Präsident George W. Bush verwies darauf, dass die Regierung den Autobauern erst von wenigen Wochen 25 Milliarden Dollar gewährt hatte, um Fabriken auf die Produktion von umweltfreundlichen Autos umzurüsten.
Doch das Geld reicht nicht, um die Pleite abzuwenden, behaupten die Konzerne und hoffen auf die Demokraten. Die Gewerkschaft UAW hat im Wahlkampf unermüdlich für den schwarzen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama geworben. Der hat sich bereits erkenntlich gezeigt und Hilfe versprochen.
Der zur Allianz gehörende Kreditversicherer Euler Hermes hat unterdessen den Versicherungsschutz für Lieferanten von General Motors und Ford aufgehoben. Die Situation beim Opel-Mutterkonzern GM und bei Ford habe sich "erheblich verschlechtert", heißt es in einem Schreiben des Versicherers.
Porsche verdient 8,6 MIlliarden Euro
Die deutschen Hersteller BMW und Daimler meldeten am Freitag deutlich schwächere Verkaufszahlen für den Monat Oktober. Während der Absatz der BMW-Gruppe im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,3 Prozent auf 113.000 Fahrzeuge nachgab, verzeichneten die Stuttgarter Konkurrenten in ihrer Auto-Sparte mit 94.000 ausgelieferten Fahrzeugen sogar ein Minus von 18 Prozent.
Eine Sonderentwicklung gibt es beim Sportwagenhersteller Porsche. Das Stuttgarter Unternehmen hat noch glänzender als im vergangenen Jahr an seiner VW-Beteiligung verdient: 8,6 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern fuhr Porsche im abgelaufenen Geschäftsjahr 2007/08 ein. Und das bei einem Umsatz von gerade mal 7,5 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte.
Damit erzielte Porsche erstmals mehr Gewinn als der Konzern mit seinen knapp 100.000 verkauften Fahrzeugen umsetzt - ein einmaliger Fall in der Unternehmengeschichte. Schon ende Juli wurde über den Eintritt dieses Falles spekuliert, Analysten hatten den erwarteten Gewinn sogar auf elf Milliarden Euro hochgerechnet. So viel wurde es dann doch nicht, aber doch bedeutend mehr als noch im vergangenen Geschäftsjahr, als 5,9 Milliarden Euro Vorsteuergewinn eingefahren wurden.
Hintergrund für die üppigen Gewinne sind Effekte aus der VW-Beteiligung. Allein 6,8 Milliarden Euro vom Gewinn erzielte Porsche durch Aktienoptionsgeschäfte, die sich für den Konzern dank des rasanten Kursanstiegs der VW-Aktie kräftig auszahlten. Ende Juli zum Geschäftsjahresende verfügte Porsche noch über 22 Prozent Anteil am Wolfsburger Autokonzern, inzwischen sind es 42,6 Prozent. Bei Zukauf weiterer Anteile - Porsche will bis zu 75 Prozent an VW übernehmen - setzten die Zuffenhausener auf Aktienoptionsgeschäfte mit Barausgleich, bei denen sie im Falle des Kursanstieg Barprämien kassieren.
Solche Kurseffekte summierten sich im Geschäftsjahr 2006/07 noch auf 3,6 Milliarden Euro. Eine weitere Milliarde Euro verdiente Porsche durch den ihm zurechenbaren Anteil des VW-Gewinns. An den Milliarden sollen auch die Aktionäre teilhaben; so schlägt Porsche eine Sonderdividende von je zwei Euro je Aktie vor. Letztes Jahr hatte es noch 1,50 Euro zusätzlich zur stabilen Dividende von 70 Cent gegeben.
Gerade mal eine Milliarde Euro zum Gewinn trug das automobile Kerngeschäft bei, womit Porsche auf der Stelle tritt. Das Unternehmen erklärt das mit erhöhten Entwicklungskosten etwa für den Panamera und den Cayenne. Aussagen zum aktuellen, von der Branchenkrise geprägten Geschäftsjahr wagt Porsche indessen nicht: "Porsche wird, wenn notwendig, flexibel auf weitere wirtschaftliche Verwerfungen reagieren", teilte der Konzern mit.
Wie viel ist uns die Umwelt wirklich wert? Eine Suche nach dem Preis der Natur. Jetzt lesen ...
(SZ vom 08.11.2008/hgn)
Schuldenkrise in Griechenland
Porsche endlich als Finanzdienstleister statt Autobauer geführt? Es ist ein schönes Alleinstellungsmerkmal, wenn eine Investmentbank die Dienstwagen der Angestellten selbst baut.
Es ist eigentlich nicht mehr zumutbar, derartige "Wir-vergleichen-Äpfel-mit-Birnen-Artikel" kommentieren zu müssen.