Jobabbau Siemens streicht 2500 Arbeitsplätze - fast alle in Bayern

  • Weil der Ölpreis verfällt, investiert kaum noch jemand in neue Anlagen. Das hat große Konsequenzen für Siemens: Stellen werden gestrichen.
  • Von dem nun angekündigten neuen Jobabbau sind alleine 2000 Arbeitsplätze in Deutschland betroffen, fast alle in Bayern.
Von Karl-Heinz Büschemann

Der Siemens-Konzern bekommt die weltweite Krise der Öl- und Gasindustrie zu spüren. Die Münchner liefern Ausrüstungen und Antriebe für die Branche und hatten sich Hoffnungen auf gute Geschäfte gemacht. Jetzt aber gibt es erhebliche Turbulenzen durch den rapide verfallenen Ölpreis, kaum noch jemand investiert in neue Anlagen - mit großen Konsequenzen für Siemens.

Das Unternehmen wird in seiner Division, die sich mit großen Antrieben für die Investitionsgüterindustrie befasst, weltweit 2500 Arbeitsplätze streichen. Diese Zahl kommt zu den 13 000 Arbeitsplätze hinzu, die bereits im vergangenen Jahr dem Umbau des Konzerns zum Opfer gefallen waren.

Von dem am Mittwoch angekündigten neuen Jobabbau sind alleine 2000 Arbeitsplätze in Deutschland betroffen, fast alle in Bayern. Es handelt sich um die Standorte Nürnberg, Rustorf, Bad Neustadt und Erlangen. Ein Teil der in diesen Standorten wegfallenden Arbeitsplätze soll nach Angaben des Unternehmens durch Verlagerung erhalten bleiben, vor allem nach Osteuropa und nach Asien.

"Erhebliche Verschärfung des Wettbewerbs"

"Der Wachstumseinbruch auf den Rohstoffmärkten hat zu einer erheblichen Verschärfung des Wettbewerbs aus dem asiatischen Raum geführt", erklärte Jürgen Brandes, der Chef der Division. "Daher müssen wir unser Fertigungsnetzwerk optimieren und die Anzahl der Fertigungsstätten für ähnliche oder gleiche Produkte reduzieren." In Deutschland beschäftigt Siemens in dem Geschäftsfeld mit einem Jahresumsatz von rund neun Milliarden Euro etwa 16 000 Mitarbeiter, weltweit sind es etwa 46 000 Beschäftigte.

Insgesamt arbeiten bei dem Unternehmen fast 350 000 Menschen in den meisten Ländern der Welt. Die massiven Stellenabbaupläne in Bayern stoßen bei der Gewerkschaft und der SPD auf Widerstand. Die IG Metall kritisierte, Siemens setze ein weiteres Mal zu massiven Einschnitten an, obwohl Konzernchef Joe Kaeser seit seinem Amtsantritt immer wieder Ruhe im Unternehmen versprochen habe. "Wenn sich ein Markt aufgrund technologischer Entwicklungen verändert, kann und muss man von einem Unternehmen wie Siemens erwarten, dass es das frühzeitig erkennt und sich angemessen auf künftige Erfordernisse einstellt", erklärte Bezirksleiter Jürgen Wechsler. Die SPD-Wirtschaftspolitikerin Annette Karl sagte: "Das ist ein schwerer Schlag für den Wirtschaftsstandort Bayern." In dieser Situation müsse sich die bayerische Staatsregierung einschalten und versuchen, "diese verheerenden Pläne von Siemens noch zu stoppen oder zumindest abzuschwächen", so die Politikerin.

Konzernchef Joe Kaeser hatte im vergangenen Jahr seine Belegschaft mit dem Plan konfrontiert, in der Bundesrepublik rund 6000 Arbeitsplätze abzubauen. Es war sogar zu Demonstrationen gegen den von der Konzernführung geplanten Jobabbau gekommen. Siemens rechnet nun aber vor, dass gleichzeitig neue Jobs geschaffen würden. Wegen der angekündigten Steigerung der Investitionen in Forschung und Entwicklung, Produktivität sowie für den weltweiten Vertrieb in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro rechnet der Konzern in Zukunft mit mindestens 25 000 Neueinstellungen pro Jahr, davon rund 3000 in Deutschland.

Verrechnet mit gleichzeitig ausscheidenden Mitarbeitern werde sich die Zahl der Mitarbeiter jedoch nicht ändern, teilte Siemens weiter mit.

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