Jim Yong Kim wird neuer Weltbank-Präsident Machtduopol bei der Weltbank hat sich überlebt

Die Wahl Kims mag von vorneherein festgestanden haben, seine Biographie und das Verfahren seiner Wahl spiegeln jedoch die Verschiebung von Macht und Einfluss bei Weltbank und Internationalem Währungsfonds von den alten Industrie- zu den neuen Entwicklungs- und Schwellenländern. Das Machtduopol von Amerika und Europa an der Spitze von IWF und Weltbank hat sich überlebt, es gibt nur noch keinen Ersatz dafür. Aber die Schwellenländer dürften einen Preis für die Wahl Kims verlangen. Sie wollen ihren Einfluss weiter festigen. Schon vor zwei Jahren hat China Deutschland als Nummer drei unter den 187 Mitgliedern der Weltbank abgelöst.

Wie sich die Dinge bei den beiden multilateralen Institutionen geändert haben, wird die Frühjahrstagung von IWF und Weltbank zeigen, die am Freitag in Washington beginnt. Die Europäer kommen als Bittsteller, sie wollen mehr Geld vom IWF zur Eindämmung der Schuldenkrise. Damit stoßen sie zunehmend auf den Unwillen der Schwellenländer, die nicht einsehen wollen, dass eine der reichsten Regionen immer mehr Ressourcen des IWF beansprucht. Die Vereinigten Staaten sehen das kaum anders.

Für Kim werden die Aufgaben komplex sein. Die Organisation hat sich im vergangenen Jahrzehnt - auch als Folge heftiger Kritik von außen - grundlegend gewandelt. Im Grunde ähnelt die Weltbank heute eher einem Think-Tank, der sich um Armutsbekämpfung, Gesundheitsvorsorge und ländliche Entwicklung kümmert. Trotzdem muss die Weltbank mehr denn je um ihre Existenzberechtigung kämpfen. Nur um Geld auszugeben, braucht man keine Weltbank mehr. Ihre Stärke liegt darin, dass sie eine echte internationale Organisation ist und dass sie ihre Kredite unter strengen Auflagen vergibt - ein riesiger Vorteil, wie man seit der Finanzkrise weiß.

Um ihre Rolle spielen zu können, muss sie glaubwürdig sein. Darum muss sich Kim nun kümmern. Von ihm wird erwartet, dass er die Arbeit der Bank noch mehr auf Armutsbekämpfung und Gesundheitspolitik konzentriert. In ersten Äußerungen nach seiner Nominierung hatte er schon eine "offenere und zugänglichere Weltbank" versprochen. Das Versprechen muss er nun in einem für ihn völlig ungewohnten Umfeld einlösen.