Knallharter Zerriss: Die fünf Wirtschaftsweisen kritisieren die Steuersenkungspläne von Schwarz-Gelb und empfehlen Kanzlerin Merkel ein rigoroses Sparprogramm. Wachstum allein könne Deutschland nicht retten.
Die fünf Wirtschaftsweisen haben vernichtende Kritik an den Steuersenkungsplänen der neuen Bundesregierung geübt. Angesichts der riesigen Haushaltslöcher seien Entlastungen, die nicht gegenfinanziert würden, "mit einer seriösen Finanzpolitik nicht vereinbar", heißt es im neuen Jahresgutachten des Sachverständigenrats, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Wachstum allein löse die Probleme ohnehin nicht. Deshalb müsse von 2011 an strikt gespart werden.
Kanzlerin Angela Merkel wird am Freitag das 400-Seiten-Gutachten entgegennehmen und sich den Protest der Professoren anhören müssen. (© Foto: dpa)
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"Auch wenn es die neue Bundesregierung nicht wahrhaben will: Ohne harte Einschnitte bei den öffentlichen Ausgaben oder ohne Erhöhungen von Steuern oder anderen Abgaben kann eine Konsolidierung der Staatshaushalte nicht gelingen", schreiben die Ökonomen, die die Regierung in finanz- und wirtschaftspolitischen Fragen beraten. Die Passagen des Koalitionsvertrags zur Haushaltssanierung könnten "in keiner Weise überzeugen". "Schlimmer noch, ohne auf die Finanzierung einzugehen, werden zusätzliche steuerliche Entlastungen in einem Gesamtvolumen von 24 Milliarden Euro versprochen", schreibt der Rat.
Lob und Tadel
Die scharfe Kritik ist für Union und FDP besonders schmerzlich, weil sie zumindest einige der Professoren auf ihrer Seite wähnte. Stattdessen werden Teile der Koalitionsvereinbarung in dem Gutachten geradezu zerrissen. So bemängelt der Rat beispielsweise, dass die Koalition auf eine weitere Flexibilisierung des Tarifrechts und des Kündigungsschutzes verzichten will. Gelobt werden dagegen die geplanten Reformen im Bereich der Banken und die vorgesehenen Mehrausgaben für die Bildung.
Insgesamt erwarten die Experten, dass die deutsche Wirtschaft nach einem Einbruch um fünf Prozent in diesem Jahr im nächsten Jahr um 1,6 Prozent wachsen wird. Damit sind sie etwas optimistischer als die Regierung, die mit 1,2 Prozent rechnet, aber nicht ganz so zuversichtlich wie einige Bank-Ökonomen. Die Zahl der Arbeitslosen wird der Prognose zufolge im Durchschnitt des Jahres 2010 um gut 500.000 auf 3,97 Millionen steigen. Anders als zunächst befürchtet, werde die Marke von fünf Millionen Arbeitslosen aber klar verfehlt, heißt es in dem über 400-seitigen Papier, das Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Freitag übergeben werden soll.
Das gesamtstaatliche Haushaltsdefizit wird nach Einschätzung der Ökonomen 2010 auf 5,1 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. Das wäre der höchste Wert seit Jahrzehnten und entspräche in absoluten Zahlen einem Fehlbetrag von etwa 120 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund müsse die Regierung nach Überwindung der Krise einerseits strikt sparen und andererseits Investitionen tätigen, die die Wachstumskraft stärkten, heißt es in dem Jahresgutachten. Der Koalitionsvertrag lasse jedoch "nur bedingt den Schluss zu, dass sich die neue Bundesregierung des Ausmaßes dieser Herausforderungen bewusst ist".
Zumindest die FDP hält trotz der Kritik an den geplanten Steuersenkungen in Höhe von jährlich 24 Milliarden Euro fest. Die Liberalen drohten am Donnerstag damit, einen eigenen Gesetzesantrag zu erarbeiten, sollte sich Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) weigern, einen Entwurf vorzulegen. Schäuble hatte zuvor mit der Aussage Verwirrung ausgelöst, für eine große Steuerreform sei kein Geld da. Später erklärte er jedoch, Bürger und Betriebe würden wie im Koalitionsvertrag vereinbart um "mehr als 20 Milliarden Euro" entlastet. Die CSU bezeichnete den von der FDP verlangten Einkommensteuer-Stufentarif als "Theorie-Murks".
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(SZ vom 13.11.2009/mel)
Umstrittenes Anti-Piraterie-Abkommen
@KurtKlemm:
Schon mal hinterfragt, wie es sein kann, dass Österreich sowohl die Vermögen als auch die Einkommen viel niedriger besteuert, abgesehen davon, dass die Mineralölsteuer viel niedriger ist????
Was kann Österreich, was wir nicht können???
Und ehrlich gesagt: Dänemark und auch Schweden sind für mich KEINE Vorbilder!!!! Sind sie schon mal in ein schwedisches Restaurant gegangen oder haben sich irgendwo ein Bier bestelltt???? (Mit 10 Euro pro Bier sind sie dabei).
Sehr geehrter Herr Klemm!
Herzlichen Dank für diesen, in jeder Hinsicht erhellenden Beitrag!
Besonders Ihr letzter Satz verdient wiederholt zu werden:
"Die Dänen sind mit ihrer Demokratie am zufriedensten 93%; Deutschland liegt bei 54%!"
Mit anderen Worten: Die höchsten Personalausgaben für den öffentlichen Dienst , gemessen am BIP führen zu den zufriedensten Staatsbürgern!
Aber die neue bundesdeutsche Koalition, angeführt von der Weisheit den Ultra-Liberalen Sprücheklopfer, wird diese deutschen Zustände gewiss noch verschlimmbessern! Dafür jedenfalls sin sie nicht nur angetreten, sondern zu allem Übel auch gewählt worden!
Offensichtlich gemäss dem Grundsatz: "Nur die dümmsten Kälber....!"
Lt. OECD, Revenue Statistics 2007 zeigt sich folgendes Bild.
(Die Grafik dazu ist so gruselig, die Zahlen sind da erträglicher)
Einnahmen des States aus der Besteuerung von Vermögen im Jahre 2006 (prozentual zm BIP)
Deutschland liegt mit 0,9 Prozent am unteren Ende nur noch unterboten von Tschechien, Slowakei, Östrreich und Ungarn. Vor uns liegen Portugal, Finnland, Polen, Griechenland, Schweden Dänemark, Niederlande, Neuseeland, Italien, EU15 mit 2,3%, Belgien, Schweiz, Japan, Australien, Irland, USA mit 3,2 Prozent, Spanien, Luxemburg, Kanada 3,4%, Frankreich 3,5% und das Vereinigte Königreich liegt bei 4,6%
Und auch noch das!
Dass der deutsche Staat alles andere als üppig mit finanziellen Mitteln ausgestattet ist, zeigt sich auch, wenn man einmal seine wichtigste Kostenkomponente, die Personalausgaben, betrachtet. In der öffentlichen Diskussion herrscht der Eindruck, dass es bei uns viel zu viel Beamte und öffentliche Arbeiter und Angestellte gibt, die deshalb den ganzen Tag kaum etwas Vernünftiges zu tun haben. Ein Blick auf die Entwicklung des Personalstandes von Bund, Ländern und Gemeinden zeigt jedoch, dass sich dort in den beiden letzten Jahrzehnten ein Menge verändert hat. Von 1991 bis 2007 sind 1,8 Millionen Vollzeitarbeitsplätze im ÖD gestrichen worden. Das entspricht einem Personalabbau von 42 Prozent; bei den Gemeinden und Gemeindeverbänden ist sogar jeder zweite Arbeitsplatz entfallen. Die zusätzlichen rund 2500 000 Teilzeitjobs sind hierfür nur ein sehr kleiner Ausgleich. Selbst wenn der öffentliche Dienst im Jahr 1991 deutlich überbesetzt gewesen sein mag, nach dieser Schrumpfkur dürften die größten Ineffizienzen beseitigt worden sein. Dass der deutsche Staat in dieser Hinsicht kein grundlegendes Problem aufweist, zeigt sich auch im Benchmarking mit anderen Ländern. Die öffentlichen Personalausgaben belaufen sich in Deutschland im Jahr 2008 auf 6,8 Prozent des BIP.
KEIN anderes vergleichbares Land gibt so wenig Geld für sein Personal im öffentlichen Dienst aus.
Personalausgaben des Staates prozentual zum BIP im Jahre 2008
Deutschland an letzter Stelle 6,4%
Davor in aufsteigender Reihenfolge:
Lux, Austria, Niederlande, USA 9,9%, Irland, Spanien, GB, Italien, Griechenland, Belgien 11,9%, Portugal, Frankreich, Finnland, Schweden, Dänemark 16,3%
Quelle: European Economy, Statistical Annex, Spring 2008
- by the way: Die Dänen sind mit ihrer Demokratie am zufriedensten 93%, Deutschand liegt bei 54%
Quelle destatis Datenrepo
Grossartiger Beitrag!
Perfekt zugeschnitten auf unsere Pfarrerstochter Angela, die diese (AN-)Sprache hoffentlich eher verstehen wird als das Gutachten der Wirtschafts- (UN-)weisen oder das Drängen des neuen Koalitions-Schreihalses !
... die du bist in der Waschmaschine, im Spüli-Spargang, gerufen werde dein Name.
Dein Reifen an den Realitäten komme uns nicht allzu teuer, dein Wille zum Ausgleichen der Unausgeglichenen geschehe nicht schon wieder, wie im Kabinett also auch vor den schwäbischen Hausfrauen.
Unsere täglichen Etatängste gib uns heute und sieh uns nach unser Mißtrauen vor sachverständigen Brüning-Enkeln, wie wir vergeben auch deinen Jonglierkünsten zwischen den Finanzlöchern.
Und führe uns Schuldlosen nicht in den nächsten Absturz, sondern bewahre uns vor Kopfgeld- und Fallschirmjägern.
Denn dein ist das Amt und die Anstrengung und die Kraftlosigkeit für die Ewigkeit schier endloser vier Jahre.
Anders wäre besser (was wir ohnehin nicht erwarten dürfen).
(Achtung Satire - ist soeben am Nervus rerum getroffen).
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