Helmut Kohl verhieß "blühende Landschaften" - die Wiedervereinigung sollte ein ökonomischer Erfolg werden. Wie realistisch waren aber die Ziele und wie viel Geld wird heute in die neuen Länder gepumpt? Eine Zwischenbilanz.
Die Vorstellung, die neuen Länder binnen einer Generation an das ökonomische Niveau Westdeutschlands heranbringen zu können, war ein Kind der politischen Euphorie - nicht der wirtschaftlichen Realität. Manche Ziele des Projekts "Aufbau Ost" waren zu hoch gesteckt und der Lebensstandard in Westdeutschland als Maßstab für den Fortschritt im Osten nicht immer ein geeigneter.
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Nach dem wirtschaftlichen Ruin der DDR stieg der Wohlstand in Ostdeutschland enorm - und blieb dennoch hinter den Prognosen zurück.
Heute erkennen Experten wie Ullrich Heilemann, Direktor des Instituts für Empirische Wirtschaftsforschung der Universität Leipzig, vor allem im naiven Glauben an die unbändige Regulierungskraft der Marktwirtschaft und einer allgemeinen Unterschätzung der Schwierigkeiten einer Wiedervereinigung den Kern vieler Fehleinschätzungen.
Geldstrom in den Osten
Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung der fünf neuen Länder war Anfang der 90er Jahre vielversprechend, ebbte aber Mitte des Jahrzehnts ab. So sanken zum Beispiel die jährlichen Wachstumsraten der Bruttowertschöpfung in den neuen Ländern von 11,9 Prozent im Jahr 1993 auf 0,1 Prozent im Jahr 2005.
Um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und den Lebensstandard zu erhöhen, zahlte der Bund unter dem Namen "Solidarpakt I" den neuen Ländern in den Jahren 1995 bis 2004 sogenannte Sonderbedarfs-Bundesergänzungszuweisungen zum Abbau "teilungsbedingter Sonderlasten" und zum "Ausgleich unterproportionaler Finanzkraft".
Jährlich flossen rund 7,1 Milliarden Euro nach Ostdeutschland; ab 2002 wurde der jährliche Betrag sogar auf 10,5 Milliarden Euro erhöht, das ergab in Summe 81,7 Milliarden Euro.
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Großprojekte in Berlin
...hat es irgendwie geschafft, die sichtbar unterschiedliche REGIONALE Entwicklung (die auch mit Landesgrenzen kaum deckungsgleich ist), vollständig zu ignorieren.
Ein Blick in den Atlas etwa verrät, dass Rolls Royce nicht "in OSTDEUTSCHLAND bauen lässt", sondern ganz in der Nähe des künftigen Grossflughafens Berlin.
Die "Quote sogenannter "höherwertiger" Arbeitsplätze" ist in den (traditionell und wieder) hochindustrialisierten Gegenden wie Halle-Leipzig eine ganz andere als in Teilen Mecklenburgs. Folglich bedarf eine Wirtschafts- und Sozialförderung solch sehr verschiedener Gegenden auch unterschiedlicher Ansätze; dies ist lange genug (und teuer genug) übersehen worden.
Zudem wird dem Deutschlandreisenden ins Auge fallen, dass gewisse Landstriche in WESTDEUTSCHLAND (manche weiter östlich gelegen als Teile OSTDEUTSCHLANDS...) mittlerweile (oder auch immer noch?) etwas frische Farbe nötig hätten. Vielleicht lässt sich nach 18 Jahren neuer Zeit der Blick endlich von Besatzungszonen auf Problemfelder lenken.