50 Jahre Datev Die Nürnberger Datenwolke

Datev hat seine Daten lange Zeit auf Magnetbändern gespeichert.

(Foto: Datev eG/dpa)

Elf Millionen Arbeitnehmer in Deutschland erhalten Lohnabrechnungen von Datev, nun wird die Firma 50 Jahre alt.

Von Uwe Ritzer

Nürnberg Gut, das Augenlicht ist etwas schwächer geworden, aber in dem Alter ist das nicht ungewöhnlich und für seine Computer reicht es immer noch. Heinz Sebiger hat gleich mehrere davon, alle auf dem neuesten Stand. In ein paar Tagen wird er 93 Jahre alt, aber was Computer und Internet angeht, ist er ein Digital Nerd. "Eine fast jugendliche Technikverliebtheit" attestiert ihm Dieter Kempf, verbunden mit der Feststellung, dass alles vermutlich nicht so gekommen wäre, hätte dieser Sebiger nicht obendrein so viel "unternehmerischen Geist und Willen" mitgebracht. Damals schon, vor 50 Jahren.

Am 14. Februar 1966 versammelte Heinz Sebiger, ein Steuerberater aus Nürnberg, ein paar Dutzend Berufskollegen im Saal des örtlichen Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM), um mit ihnen eine Genossenschaft zu gründen. Sie alle trieben dieselben Probleme um. Der Staat führte die Mehrwertsteuer ein, in den Unternehmen, und damit in der Folge in den Kanzleien der Steuerberater, wurden die Buchungsaufträge immer mehr, allein es fehlte auf dem damals leer gefegten Arbeitsmarkt der Nachwuchs. Zwar kam gerade die elektronische Datenverarbeitung auf, doch für einzelne Kanzleien war diese zu teuer und zu aufwendig. Warum sich also nicht zusammenschließen?

Die neue Genossenschaft erhielt den sperrigen Namen "Datenverarbeitungsorganisation der Steuerbevollmächtigten für die Angehörigen des steuerberatenden Berufs der Bundesrepublik Deutschland", was fortan praktischer mit Datev abgekürzt wurde. Heinz Sebiger wurde ihr erster Chef, Dieter Kempf drei Jahrzehnte später dessen Nachfolger.

In die heutige Sprache übersetzt wurde vor 50 Jahren in Nürnberg ein Softwarehaus und IT-Dienstleister für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte gegründet. Eine genossenschaftliche Firma, mit der nahezu jeder Erwerbstätige hierzulande irgendwann in Berührung kommt, manche sogar laufend ihr komplettes Berufsleben lang. Derzeit laufen Monat für Monat die Lohn- und Gehaltsabrechnungen von elf Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern über das Rechenzentrum der Datev.

Zweieinhalb Millionen Unternehmen, Freiberufler, Vereine und Behörden wickeln ihre Buchführung sowie Teile ihres Zahlungsverkehrs über die Datev ab und lassen ihre kaufmännischen Daten von der Genossenschaft verarbeiten. Die Firma zählt knapp 7000 Beschäftigte, die 2015 einen Umsatz von etwa 880 Millionen Euro erwirtschafteten. Allein zwischen 2009 und 2014 stieg der Umsatz um mehr als ein Viertel an. Nach Microsoft, SAP und Oracle ist die Datev e.G. das viertgrößte Softwarehaus in Deutschland.

Etwa 1800 Menschen arbeiten allein in dem IT-Campus, den das Genossenschaftsunternehmen im vergangenen Jahr für 100 Millionen Euro in Nürnberg bezogen hat. Am Montag feierte die Datev mit 700 geladenen Gästen im Nürnberger Opernhaus ihren 50. Geburtstag; die eigentliche Zäsur steht jedoch am 1. April an. Dann tritt Dieter Kempf, der von 2011 bis 2015 auch als Chef des Branchenverbandes Bitkom amtierte, nach 20 Jahren als Vorstandschef in den Ruhestand. Sein Nachfolger - und damit erst dritter Datev-Chef in 50 Jahren - wird sein bisheriger Stellvertreter Robert Mayr. Er ist so alt wie die Genossenschaft.

Steuerberater und Mandanten werden ihre Geschäftsprozesse stärker digitalisieren müssen

Seit fünf Jahren im Datev-Vorstand tätig, wurde der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Mayr gezielt als Nachfolger aufgebaut. Wie man bei der Datev ohnehin bemüht ist, die Dinge in langfristig geordnete Bahnen zu lenken. Dessen ungeachtet übernimmt Mayr die Spitze eines Unternehmens, das vor einem großen Wandel steht.

"Gesetzliche und technische Veränderungen sorgen dafür, dass Geschäftsprozesse sowohl bei Steuerberatern als auch bei deren Mandanten immer stärker digitalisiert werden", sagt Robert Mayr. Entsprechend müssten "Arbeitsabläufe und Organisationsstrukturen neu gestaltet werden". Es reicht nicht mehr, Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Rechtsanwälten Programme für ihre tägliche Arbeit zu entwickeln und Kapazitäten im Datev-Rechenzentrum zur Verfügung zu stellen.