Bei uns beschränkt sich die UMTS-Technologie noch auf Laptops; in Großbritannien wird die Mobilfunktechnik bereits ein Jahr alt. Doch für den bislang einzigen Anbieter 3 war es ein mühseliges, wenig erfreuliches Geschäft.
Am 3. März vergangenen Jahres wagte sich 3, eine Tochter des Hongkonger Konzerns Hutchison Whampoa, als erstes Unternehmen in Europa in das UMTS-Abenteuer. Seitdem hat die Firma viel Lehrgeld bezahlt und ihre Erwartungen für den multimedialen Mobilfunk deutlich nach unten geschraubt.
Milliardär Li Ka-shing, Eigentümer von Hutchison Whampoa, hat mit seiner Tochter 3 bislang nur wenig Freude. (© Foto: AP)
Anzeige
Nach der kostspieligen UMTS-Auktion im April 2000 hatte 3 - der Name spielt auf die dritte Mobilfunkgeneration an - zusammen mit vier anderen Firmen vom britischen Staat eine Lizenz ersteigert und wollte möglichst als erster loslegen.
Denn das Unternehmen hatte von Anfang an ein Handicap: Anders als die Konkurrenz war es neu auf dem praktisch gesättigten britischen Markt. Damit habe 3 jeden neuen Kunden einem der anderen Mobilfunker abspenstig machen müssen, sagt Stephen Pentland von der auf den Telefonmarkt spezialisierten Beraterfirma Spectrum Strategy. "Keine leichte Herausforderung."
Nicht die einzige, wie sich zeigen sollte. Wie die Konkurrenz musste Hutchison den Starttermin mehrfach verschieben, der ursprünglich für Anfang 2002 vorgesehen war. Vor einem Jahr wurde das neue Mobilfunkzeitalter dann zum symbolträchtigen Datum 3.3.03 eingeläutet. Eine Million Kunden wollte Hutchison bis zum Jahresende werben. Doch wochenlang passierte nichts. Die Regale der 3-Shops blieben leer, weil die Handy-Hersteller NEC und Motorola ihre Lieferversprechen nicht einhalten konnten.
Das Handy-Problem beschäftigte das Unternehmen das gesamte Jahr. Selbst acht Monate nach dem Start sei 3 im wichtigen Weihnachtsgeschäft von den Handy-Herstellern regelrecht "im Stich gelassen" worden, sagt Jeremy Green, Analyst bei der Berateragentur Ovum. 3 habe damit die wichtigste Handy-Verkaufszeit des Jahres unfreiwillig verpasst.
Trotz der Lieferengpässe versuchte 3 alle paar Wochen mit neuen Diensten das Interesse an UMTS wachzuhalten: Video-Telefonate, Champions-League-Tore, Musik-Clips, lokale Restaurantsuche, Nachrichten, Spiele-Download und Multimedia-Botschaften.
Es war ein mühsames Geschäft. Nach den ersten Monaten waren viele Kunden enttäuscht. Die Netzstabilität war schlecht. Videos kamen oft nur als Ruckelclip an oder brachen ganz ab. "Am Anfang gab es eine Kluft zwischem dem, was der Anbieter täglich bot und dem, was den Kunden versprochen wurde", sagt Green.
Im Sommer 2003 versuchte es 3 mit einer radikalen Wende: Neue Führung, neue Werbekampagne und eine neue Strategie, die nicht mehr so sehr auf neue Dienste, sondern auf den Preis setzte. Die Vertragskosten sanken von einst 99 Pfund pro Monat (148 Euro) auf nur noch 35 Pfund (52 Euro) - 750 Minuten Sprachtelefonie sowie unbegrenzte Video-Telefonate inklusive. Auch bei den Handys subventioniert 3 kräftig: Das NEC e808 gibt es bei dem Unternehmen mit Vertrag für nur ein Zehntel des Handelspreises.
Angesichts der vielfältigen Probleme haben sich die Kundenerwartungen von 3 nicht erfüllt. Heute zählt das Unternehmen 210.000 zahlende Kunden - bei insgesamt 52 Millionen Mobilfunknutzern in Großbritannien. Die Eine-Million-Zielmarke wurde stillschweigend ad acta gelegt.
Den Vorteil als Frühstarter hat 3 damit nicht wirklich nutzen können. Der droht nun verloren zu gehen. Vodafone ist in Großbritannien wie auch in Deutschland inzwischen zumindest mit einer UMTS-Karte für Laptops auf dem Markt. Bis Ende 2004 dürfte die Konkurrenz auch in das Geschäft mit Handys einsteigen. Dies könne zu "einem glücklichen Zufall" für 3 werden, meinen die Analysten der US-Bank Goldman Sachs. Denn sollten die Nachzügler in den ersten Monaten auf ähnliche technische Probleme stoßen wie 3, könnte der Pionier beim nächsten Weihnachtsgeschäft die Nase vorn haben.
(sueddeutsche.de/AFP)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak