Jagd auf Steuerflüchtlinge Schäuble strebt Abkommen mit Singapur an

Während Deutschland und die Schweiz über ihr geplantes Steuerabkommen streiten, verschieben Steuerflüchtlinge offenbar Milliardensummen nach Singapur. Nun will Finanzminister Schäuble einem Bericht zufolge auch mit dem asiatischen Stadtstaat über ein Auskunftsabkommen verhandeln.

Die Bundesregierung plant einem Zeitungsbericht zufolge ein Steuerabkommen mit Singapur. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble werde bei einer Reise nach Singapur in einer Woche mit der dortigen Regierung über ein neues Auskunfts-Abkommen verhandeln, berichtet die Bild-Zeitung. Das Blatt beruft sich dabei auf Regierungskreise.

Das Abkommen diene dazu, detailliert Kenntnis über nach Singapur verschobene Gelder deutscher Steuerflüchtlinge zu erhalten. Hintergrund sei das anstehende Steuerabkommen mit der Schweiz, hieß es. Unter dem Eindruck der geplanten Offenlegung ihrer Schweizer Konten seien deutsche Steuerflüchtlinge nach Einschätzung von Experten dabei, zweistellige Milliardenbeträge auf Banken in Singapur zu transferieren, heißt es in dem Bericht weiter.

Ob das geplante Abkommen mit der Schweiz tatsächlich kommen wird, ist ungewiss. In Deutschland regt sich heftiger Widerstand. So wollen die SPD-regierten Länder den Vertrag im Bundesrat scheitern lassen, weil er den Steuerbetrügern zu weit entgegenkomme. Vorgesehen ist, dass deutsche Inhaber von Konten in der Schweiz zwischen 21 und maximal 41 Prozent an den Fiskus nachzahlen. Dafür dürfen sie anonym bleiben. Auf künftige Erträge deutscher Kunden sollen die Schweizer Geldinstitute - wie in Deutschland - 26,4 Prozent (inklusive Solidaritätszuschlag) Steuern erheben und an den Fiskus der Bundesrepublik abführen.

Das Bundesfinanzministerium geht davon aus, dass bis zu 280 Milliarden Euro deutsches Kapital bei Schweizer Banken verwaltet wird - etwa die Hälfte stammt von privaten Anlegern. Bei einer Nachbesteuerung im Rahmen des Steuerabkommens erwartet Berlin Einnahmen von rund zehn Milliarden Euro.