Jagd auf Rohstoffe Das Geschäft mit dem Tod

Der skrupellose Raubbau an der Natur bringt Milliarden, denn Rohstoffe sind begehrt. Doch der schnelle Profit ist lebensgefährlich und zerstört die Umwelt.

Von Silvia Liebrich

Uran aus afrikanischen Geröllwüsten, Diamanten aus der Arktis, Öl aus dem Amazonasgebiet - um den Rohstoffhunger der Weltwirtschaft zu stillen, dringen Rohstoffkonzerne in die entlegensten Regionen dieser Erde vor. Mit ungeahnten Risiken für Mensch und Natur. Das zeigen jüngste Unglücksfälle wie die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko.

Es gibt Tausende illegale Minen in China - um die Sicherheit kümmert sich niemand. Oft verdienen auch Regierungsbeamte am Geschäft.

(Foto: REUTERS)

Die wundersame Rettung verschütteter Bergarbeiter in Chile zählt da eher zu den seltenen Ausnahmefällen. Technische Fehler und menschliches Versagen führen in der Rohstoffindustrie immer wieder zu schweren Unfällen.

Ein weiteres Beispiel dafür ist Ungarn, wo hochgiftiger Bauxitschlamm aus einem Aluminiumwerk gerade erst einen ganzen Landstrich verwüstet hat. Ein durch Schlampereien verursachter Unfall, der mindestens acht Menschen den Tod brachte.

Die Suche und Verarbeitung der kostbaren Bodenschätze ist ein schwieriges und riskantes Geschäft. Die Branche gilt als einer der größten Umweltverschmutzer überhaupt. Allein in Europa stammt schätzungsweise ein Drittel des jährlichen Giftmüll- und Abwasservolumens aus diesem Sektor.

Zügelloser Rohstoffabbau

Zugleich investieren die Konzerne jedes Jahr dreistellige Milliardenbeträge in die Erschließung neuer Minen und in den Bau von Verarbeitungsanlagen. Experten rechnen in diesem Jahr sogar mit einem neuen Rekordvolumen angesichts der rasant steigenden Nachfrage nach Industriemetallen, Öl und Mineralien, besonders in den Boomregionen China und Indien.

Das Problem dabei: Die Auflagen für neue Bergwerke oder bereits bestehende Minen sind von Land zu Land höchst unterschiedlich. "Es gibt keine international einheitlichen Standards", sagt Wolfgang Neumann, Bergbauexperte von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover. Die Rahmenbedingungen legt jeweils der nationale Gesetzgeber fest.

Zwar gibt es nach Angaben von Neumann in den meisten Ländern inzwischen ein relativ striktes Bergbaurecht. "Doch es fehlt häufig an den entsprechenden Kontrollen", ergänzt er. Die Regierungen der Mongolei und Vietnam haben deshalb vor kurzem die deutsche Behörde um Amtshilfe gebeten. Experten des BGR helfen derzeit dort, eine funktionierende Bergbauaufsicht zu installieren. Beide Länder verfügen über große, noch nicht erschlossene Rohstoffvorkommen. Solche Kooperationen bilden jedoch eher die Ausnahme.