Irreführende Werbung der Kosmetikindustrie Schluss mit Ultra-Miracle-Straffeffekt-Extensions

Können Wimpern mit ein bisschen Farbe tatsächlich "um 60 Prozent verlängert" werden? Dürfen Promis für Anzeigenkampagnen bis zur Unkenntlichkeit retuschiert werden? Nach Tabak- und Lebensmittelindustrie knöpft sich die EU jetzt die Kosmetikfirmen vor - und will gegen Werbeflunkerei vorgehen.

Von Angelika Slavik

Es war im Sommer vor zwei Jahren, da war Julia Roberts eine strahlende, makellos schöne Frau. Wie immer, könnte man jetzt sagen - aber es waren auch mehr als 20 Jahre vergangen, seit Roberts im Kino die Pretty Woman gegeben hatte. Und jetzt? Jetzt strahlte sie von den Plakatwänden, als könne ihr die Zeit einfach nichts anhaben: mit einem Gesicht, das im Vergleich jede Barbiepuppe aussehen ließ wie eine runzelige Ökobraut.

Ein Wunder? Das Produkt, das mit Roberts' Foto beworben wurde, hieß "Teint Miracle".

In den meisten Ländern wurden diese Plakate achselzuckend als das betrachtet, was sie eben waren: der Photoshop-Exzess eines Kosmetikherstellers und seiner Werbeagentur. In Großbritannien aber befand die hiesige Werbeaufsicht, dieser Wunder-Teint sei zu viel: Das Motiv wurde verboten - weil das Bild auf dem Plakat nicht mehr ausreichend Ähnlichkeit mit dem Original-Gesicht der Oscar-Preisträgerin habe, wie die Aufseher sagten. Oh, schöne Julia.

24 Monate später macht nun auch die EU-Kommission Druck auf die Kosmetikindustrie und ihre verheißungsvollen Versprechen. Im Sommer tritt eine Verordnung in Kraft, die die erlaubten Inhaltsstoffe für Kosmetikprodukte genau definiert. Was darf wo drin sein? Aber parallel dazu wird gerade noch um eine zweite Regelung gerungen, die gleichzeitig gültig werden soll - und die ist viel pikanter: Sie soll definieren, mit welchen Werbeaussagen künftig für die Produkte getrommelt werden darf und mit welchen nicht.

Können Wimpern mit ein bisschen Farbe "um 60 Prozent verlängert" werden? Kann eine Hautcreme die "Zellen erneuern"? Kann eine andere einen "Ultra-Straff-Effekt" bewirken? Wie es aussieht, wird sich die eine oder andere Werbung bald ein bisschen gedämpfter anhören müssen. Brüssel will dem Einfallsreichtum der Industrie Grenzen setzen.

Was wären wir ohne Photoshop!

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