Atomabkommen Wie Iran zum Geschäftspartner des Westens wird

Die Skyline von Teheran.

(Foto: Bloomberg)
  • Nach dem erfolgreichen Abschluss des Atom-Abkommens mit Iran haben europäische Staaten großes Interesse, mit dem Land wieder Geschäfte zu machen.
  • Iran hat große Vorräte an Erdöl und Erdgas. In der Gesellschaft haben Bildung und Aufstieg einen hohen Stellenwert.
  • Chinas volkswirtschaftliche Schwäche lässt das Land noch attraktiver erscheinen.
Von Cerstin Gammelin

Kreditkarten funktionieren nicht, Überweisungen nur mit komplizierten Ausnahmegenehmigungen. Die Banken sind ausgeschlossen vom internationalen Finanzsystem. Nein, hier ist nicht von Griechenland die Rede, sondern von einem großen Staat in Westasien: der Islamischen Republik Iran.

Das Land, das zu den zwanzig bevölkerungsreichsten und größten Staaten weltweit zählt, ist wegen seines Strebens nach der Atombombe und wegen Menschenrechtsverletzungen seit Jahren durch ein Netz von internationalen Sanktionen von der westlichen Welt abgeschnitten. Außenpolitiker wie Wirtschaftsexperten bezeichnen es als "das Komplizierteste, was je verhängt wurde".

Iran dürfte wieder zu einem begehrten Wirtschaftspartner werden

Wenn sich am kommenden Wochenende die Finanzminister der zwanzig größten Volkswirtschaften zum G-20-Gipfel in Ankara treffen, stehen die Beziehungen zu Iran nicht offiziell auf der Tagesordnung. Aber Teilnehmer erwarten, dass am Rande sehr wohl darüber geredet wird, dass jetzt in allen großen Wirtschaftsnationen gesetzliche Regelungen abgestimmt werden, um die vielfältigen Sanktionen gegen Iran zurücknehmen zu können.

Schließlich dürfte Iran von 2016 an wieder zu einem überaus begehrten Wirtschaftspartner werden. Vorausgesetzt, die Regierung in Teheran erfüllt die Auflagen des Atomabkommens, auf das sich die fünf UN-Vetomächte und Deutschland am 14. Juli 2015 in Wien einigten, könnten Anfang 2016 die ersten internationalen Handelsbeschränkungen aufgehoben werden.

Steinmeier plant Iran-Reise im Oktober

Und das Rennen um die besten Startvoraussetzungen im Geschäft mit Iran hat schon begonnen. "Sowohl wir als auch die Iraner sind jetzt dabei, die Voraussetzungen für das Ende der Sanktionen zu schaffen", heißt es in der Bundesregierung.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier kündigte auf der Botschafterkonferenz in Berlin in der vergangenen Woche an, er werde "im Oktober in Iran sein" und sich "ein persönliches Bild machen". Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat sich sein Bild schon im Juli gemacht, als er kurz nach Unterzeichnung des Atomabkommens mit einer Wirtschaftsdelegation nach Iran reiste. Eine erste "politische Kontaktaufnahme" sei das Ziel gewesen, entgegnete Gabriel auf Kritik, er habe die übliche diplomatische Schamfrist nicht eingehalten.

Wirtschaftsminister in Iran Peinlich, Herr Gabriel

Die Bundesregierung zeigt mit der Iran-Reise von Wirtschaftsminister Gabriel eindrucksvoll, was aus ihrer Sicht am wichtigsten ist: die Geschäfte. Kommentar

Inzwischen sind auch französische, italienische und andere Delegationen in Teheran gewesen. Chinas volkswirtschaftliche Schwäche lässt Iran noch attraktiver erscheinen. Das Berliner Wirtschaftsministerium verweist auf die starke industrielle Basis, über die Iran traditionell verfügt. Nicht nur Öl und Gas, auch Autoproduktion. Die Menschen seien bildungsinteressiert und aufstiegsorientiert. Im Vergleich zur chinesischen Bevölkerung sei das Selbstbewusstsein der Iraner hoch, die Gesellschaft weiter entwickelt.