Investor George Soros in Davos Wenn das Orakel vom Krieg spricht

Großinvestor George Soros auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

(Foto: Bloomberg)

Investor George Soros widmet sich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos seinem Lieblingsfeind, Deutschland. Merkels Kurs sei falsch, ein internationaler Währungskrieg möglich.

Von Caspar Busse

Er ist inzwischen 82 Jahre alt, er geht schon ein wenig gebeugt und er spricht langsamer als früher. "Ich bin pensioniert, andere machen inzwischen das Geschäft", kokettiert George Soros. Doch wenn sich der legendäre Investor, der 1956 aus seiner Heimat Ungarn in die Vereinigten Staaten übersiedelte, zu Wort meldet, dann ist er immer noch für Schlagzeilen gut.

Fast schon Tradition ist es, dass der Multimilliardär auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos das Wort ergreift. Er hat im Hotel Seehof zum Abendessen geladen, sein neues Buch mit dem Titel "Gedanken und Lösungsvorschläge zum Finanzchaos in Europa und Amerika" liegt aus. Manch einer lässt es sich vom Meister signieren. Zu Beginn wird erst einmal ein Film gezeigt, der das wohltätige Wirken von Soros belegen soll. Mit Microsoft-Gründer Bill Gates ist er befreundet. Für dessen Stiftung gab er zwei Milliarden Dollar. Zuletzt war Soros Mitgründer eines weltweit tätigen Think-tanks. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch unterstützt er mit 100 Millionen Dollar.

Hier in den Schweizer Berger gibt sich der Mann aber kämpferisch - wieder einmal. Sein Lieblingsfeind: Deutschland und Kanzlerin Angela Merkel. Wie schon in den letzten Jahren plädierte er dafür, die Deutschen sollten die Eurozone verlassen. "Es wäre die bessere Lösung, aber es wird nicht Wirklichkeit werden", räumt er ein. Der harte Sparkurs, den die Regierung Merkel ganz Europa aufzwinge, mache alles kaputt. "Es ist einfach die falsche Politik, die am Ende ganz Europa in die Krise treibt", sagt Soros.

Inzwischen sei die Gemeinschaftswährung zwar nicht mehr akut in Gefahr, räumt der Investor ein. Doch die nächsten ein bis zwei Jahre würden sehr spannungsreich werden. Das Problem: Deutschland allein entscheide, die Länder an der Peripherie seien nur noch Befehlsempfänger und fühlten sich minderwertig. "Europa droht ein verlorenes Jahrzehnt", warnt Soros.

Berühmt wurde der Investor, der 1930 in Budapest geboren wurde, als er im September 1992 auf die Abwertung des britischen Pfunds wettete. Am Ende verdiente er damit rund eine Milliarde Dollar und zerstörte den Mythos der britischen Zentralbank. Das begründete auch seinen Ruf. Inzwischen lebt er in London, New York und auf Long Island, liebt angeblich Schach und Backgammon.

Nun hält er sogar einen internationalen Währungskrieg für möglich. Die Deutschen glaubten an den Sparkurs, der Rest der Welt an geldpolitische Lockerungen. Doch Kanzlerin Merkel könnte nach den Bundestagswahlen ihre Meinung ändern, sagt Soros noch. Sie sei "eine brillante Politikerin", aber sie habe nicht wirklich eine Meinung, fügt er dann an und lächelt ein wenig.