SZ: Wie verändert die Fixierung auf den Konsum die Gesellschaft?
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Bauman: Ein gut trainierter Konsument - dazu gehören wir tendentiell alle und zwar mit zunehmend jüngeren Alter - neigt dazu, die Welt im Ganzen als einen Container für Konsumprodukte zu sehen. Das Muster der Beziehung zwischen Kunde und Produkt wird als Archetyp für jede Beziehung gesehen - auch für die zwischen Menschen. Dabei gelten zwei Annahmen. Erstens: Ein Konsumprodukt soll Zufriedenheit verschaffen. Zweitens: Es gibt keinen Grund, einem Produkt gegenüber loyal zu sein, wenn es seinen Zweck nicht mehr erfüllt und vielversprechendere Alternativen vorhanden sind. Da alle oder zumindest fast alle Mitglieder in unserer Gesellschaft von Konsumenten dieses Muster akzeptieren, ist es kein Wunder, dass wir auch selbst von den anderen gemäß diesem Muster behandelt werden.
SZ: Der Konsument wird zum Konsumierten?
Bauman: Wir wollen selbst nachgefragt werden und damit begehrenswert für andere sein. Darum müssen wir uns ständig in möglichst attraktiver Form präsentieren. Der Mensch verwandelt sich in eine Ware: Wir kaufen viele Produkte, um nachgefragt zu werden. Der Konsum ist der Mitgliedsbeitrag für die Gesellschaft und der Kampf um die Mitgliedschaft ist eine nicht enden wollende Aufgabe. Ja, er ist schon zur Bürgerpflicht erklärt worden. Wir erinnern uns: In den Nachwirkungen des Schocks der Terroranschläge auf das World Trade Center forderte George W. Bush seine Landsleute zuallererst auf: 'Amerikaner, geht einkaufen'!
SZ: Was ist mit denen, die sich diesem Zwang zum Konsum entziehen wollen?
Bauman: Der Markt ist ein unerbittlicher Richter, der Entscheidungen zwischen dem Drinnen- und Draußensein fällt und keine Berufungsverfahren zulässt. Unwillige Konsumenten oder aber schwache Anbieter ihrer selbst sind wie ausgestoßen. In der liquiden Gesellschaft der Konsumenten ersetzen Schwärme zunehmend hierarchisch geprägte Gruppen. Schwärme sind keine Teams, sondern existieren lediglich durch eine mechanische Solidarität . Die dort mitmachen, fühlen sich sicher. Rebellen gibt es nicht, nur Verirrte. Aber es sind fragile Gebilde, die jederzeit wieder zerfallen können. Konsum lässt keine Bindungen entstehen und ist darum eine einsame Angelegenheit - selbst wenn die Menschen ihn gemeinsam ausüben.
SZ: Gleichwohl scheint die Mehrheit zufrieden zu sein. Ist die Konsumgesellschaft also insgesamt ein Erfolgsmodell?
Bauman: Sie hat einen ganz wesentlichen Vorteil. Sie verspricht das sofortige Glück im Diesseits. Welche Gesellschaftform macht das schon? Der Nachteil ist: Die Konsumgesellschaft verspricht nicht nur das Glück, sondern sie fordert es regelrecht ein. Unglück ist nicht duldbar, die Unglücklichen verlieren ihren Platz in der Gesellschaft. Das Absurde ist freilich: Die größte Bedrohung für eine Gesellschaft, die das Glück zur höchsten Maxime erklärt hat, ist ein wunschlos glücklicher Kunde. Er kauft ja nichts mehr ein.
Zuletzt erschien von Zygmunt Bauman "44 Letters From the Liquid Modern World"; die letzte Publikation auf Deutsch war "Leben als Konsum" (2009).
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Genauso versuche ich auch durch diesen Konsumhype zu kommen; mittlerweile macht es mir sogar Spaß. Meine Söhne haben - trotz identischer Erziehung - unterschiedliche Einstellungen dazu. Mein ältester Sohn hat schon mit 7-8 Jahren gerne Kleidung von Lacoste getragen, weil er die Farben und die Qualität schätzte. Ich musste ihm aber - wunschgemäß - die kleinen Krokodile abtrennen. Er wollte nicht als WErbefläche rumlaufen!!!
Ich ärgere mich nur, wenn ich ab und zu gerne mal den einen oder anderen Schokoriegel essen würde, und es einfach nicht übers Herz bringe, ihn zu kaufen.
Ähnlich wie bei "Müller-Milch" - Produkten hab ich eine sehr hohe Hemmschwelle.
mein Freund ist von gleicher Denkensart - fuhr 18 Jahre einen Opel, bis er auseinanderfiel und hat jetzt (bar auf die Kralle) ein neues Auto gekauft (knapp 40.000 Euronen), weil ihm die Unterhaltungselektronik darin am besten gefiel!!! ;-)
Tja, so isser.... ich denke, man muss für sich selber entscheiden, was man will und sich nicht sagen lassen, dass ich nur glücklich werde oder kein Bauchweg kriege, wenn ich einen bestimmten Joghurt esse!!!
Und wenn ich manchmal nicht in Designer-Oberbekleidung rumlaufe, aber weiss, dass ich wunderbare, qualitativ hochwertige und nicht billige Unterwäsche trage, dann fühl ich mich doppelt gut!
Wer die Anerkennung der Anderen nur über das "Was hab ich - das bin ich" definiert, hat eh schon verloren!
Wie der kleine Prinz schon sagt......
P.S. hab auch ein vorsintflutliches Handy - ich brauchs halt zum Telefonieren und sonst zu Nix!!!
Diesen Artikel finde ich super, weil er eine Zeiterscheinung ins rechte Licht setzt. Genau so ist es. Wer nicht mithalten kann in dem Hamsterrad., empfindet sich minderwertig. Gott sei Dank haben unsere Eltern dieses Hamsterrrad erkannt und schon in unserer Jugend entsprechend gegengesteuert und wir haben es an unsere Kinder, so gut wir konnten, weitergegeben. Der Tanz ums goldene Kalb (Konsumartikel) wurde so reduziert. Keiner ist ganz immun gegen die Versuchungen der Werbung, aber es hält sich im Rahmen, wenn man früh genug angehalten wird solchen schönen Bildern und Texten zu mißtrauen.
Der Mann hat wirklich Recht. Vereinsamung ist eine Folge der Vereinzelung und die ist auch so gewollt!
"Serielle Monogamie" und ähnlich Konzepte führen dazu, dass Menschen immer mehr in Lebensentwürfe schlittern, die sie vereinzeln. Man selbst hat das Gefühl, man stehe im Mittelpunkt des eigenen Lebens, indem man egoistisch denkt, handelt und plant.
Das hat positive Auswirkungen, denn es erzeugt von selbst und ohne autoritativen Eingriff Eigeninitiative des Einzelnen.
Auf die Wirtschaft wirkt es postiv, da man als allein lebender Mensch zwangsläufig mehr Autos, mehr Kühlschränke, mehr Badezusatz, usw. benötigt. Es fließt so oder so viel mehr Geld!
Die negative Seite ist die Vernachlässigung der menschlichen Psyche. Wenn Interaktionen auf das stark formalisierte Arbeitsleben und lose Verbindungen reduziert werden, echte Freundschaften aus Zeitnot vernachlässigt sind, wird der vereinzelte Mensch einsam.
Was Herr Bauman kritisiert und sagt, wissen doch alle. Unser Wissensstand bezogen auf das aktuelle Macht- und Steuerungssystem der KAPITAL- und GEWERKSCHAFTSorganisations-Interessen ist vergleichbar ddem Wissen der DDR-Bewohner hinsichtlich der Mauerfunktion und bezogen auf die LÜgen der Machthaber vor Nov. 1969. Herr Bauman und die vielen Moralisten und Peanutkauer sollten sich von der 'Interpretation der Verhältnisse' verabschieden und auf die Veränderung der Verhältnisse stürzen.
Erst wenn die Evolutionssystemalternative zum Fortschrittsweg der 2%Wachstumszwang-Regimes der KAPITALSTOCK- und Konsum- und Schulden-Maximierer (= Lügner und Manipulierer) in die Diskussion kommt, ist das Ende des Lügensystems absehbar.
Herr Bauman trägt mit diesem Interview zum Exodus aus dem Lügensystem n i c h t s bei.
Früher gab es Kriege, es wurde alles zerstört und dann wieder aufgebaut. Jetzt steht alles schön, wir sind überversorgt, keiner macht etwas kaputt und so müssen künstlich Bedürfnisse geschaffen werden. Hierfür gibt es einen eigenen Arbeitsmarkt und Kapitalisten, die abschöpfen. Das ist der Preis unseres Wohlstands, bezahlt wird dafür in Bangladesch oder Brasilien.
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