Nach dem Einlenken von Lidl und Aldi Süd ist Bewegung in den Streit um höhere Milchpreise gekommen. Doch einige Molkereien bleiben hart - etwa Nordmilch.
Lidl will die Milch um zehn Cent teurer machen, Aldi Süd signalisiert Verhandlungsbereitschaft und auch einige Molkereien kommen den Forderungen der Milchbauern entgegen. Doch Nordmilch, einer der größten deutschen Milchverarbeiter, bleibt hart: "Wenn wir die von den Bauern geforderten 43 Cent pro Liter zahlen würden, wären wir morgen pleite", sagt Martin Mischel, Vertriebsvorstand bei Nordmilch.
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SZ: Herr Mischel, Nordmilch ist eine genossenschaftlich organisierte Vereinigung von 9000 bäuerlichen Betrieben. Wie viel zahlen Sie Ihren Mitgliedern für den Liter Milch?
Martin Mischel: 30 Cent. Das entspricht dem, was der Markt momentan hergibt.
SZ: Wenn Lidl, Rewe und andere jetzt ihre Preise erhöhen und die Mehreinnahmen wie versprochen an die Molkereien weiterreichen, dann werden diese das doch wohl den Bauern auszahlen, oder?
Mischel: Dazu sind zwei Dinge zu sagen. Zum einen hat Lidl nur angekündigt, die Preise für Milch und Butter zu erhöhen. Der Hauptteil der von den Bauern gelieferten Milch wird aber für die Herstellung von Käse, Milchpulver, Quark oder Joghurt verwendet. Ich bin überzeugt, dass die Aktion von Lidl den Preis für die Landwirte nur minimal verbessert. Sie werden dadurch vielleicht 0,3 Cent pro Liter mehr bekommen.
SZ: Und der zweite Punkt?
Mischel: Wir könnten auch deshalb den Bauern nicht einfach mehr zahlen, weil wir nur 30 Prozent unserer Umsätze mit dem Einzelhandel machen. Die anderen 70 Prozent gehen zur Hälfte ins Ausland und zur Hälfte in die Industrie, also beispielsweise zu Schokoladen- oder Eisherstellern. Und die zahlen uns schließlich den gleichen Preis wie bisher.
SZ: Am Montag waren zehn Ihrer elf Standorte komplett blockiert. Sie haben mehrere Strafanzeigen gestellt und mit Schadensersatzforderungen gedroht. Wollten Sie die Bauern einschüchtern?
Mischel: Darum geht es nicht. In unseren Werken werden täglich zehn bis zwölf Millionen Liter Milch verarbeitet. 75 Prozent unserer Bauern wollten am Montag liefern, konnten aber wegen der Blockaden nicht. Mehr als 100 Tankfahrzeuge standen daher voll mit Milch in der prallen Sonne. Wir müssen Schadensersatz fordern - aus dem einfachen Grund, weil wir einen enormen Schaden hatten.
SZ: Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter wirft den Molkereien vor, in den Verhandlungen mit dem Einzelhandel die Interessen der Bauern nicht entschlossen genug zu vertreten.
Mischel: Das kann ich für unser Haus überhaupt nicht gelten lassen. Wir gehören zu 100 Prozent den Landwirten, und auch in unseren Kontrollorganen sitzen Landwirte. Aber wir müssen nunmal akzeptieren, dass sich der Preis aus Angebot und Nachfrage bildet. Das hat in diesem Jahr zu niedrigen Preisen geführt, im vergangenen Jahr aber zu hohen.
SZ: Aber die Bauern brauchen doch eine gewisse Sicherheit.
Mischel: Dafür hab ich Verständnis, genauso wie ich einige ihrer Forderungen verstehe. Wichtig ist, dass eine Konzentration in der Molkereiwirtschaft stattfindet, um mit dem Einzelhandel auf Augenhöhe verhandeln zu können. Aber das Problem lässt sich ganz sicher nicht damit lösen, dass wir einfach Preise vereinbaren, die mit den Realitäten am Markt nichts zu tun haben.
SZ: Sie glauben also nicht, dass der Streit bald beendet ist?
Mischel: Im Gegenteil, ich fürchte, wir stehen erst am Anfang.
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(SZ vom 06.06.2008/hgn)
Demonstrationen in Hamburg
Es bleibt abzuwarten, ob sich der erhöhte Preis nun auf Dauer halten wird. Es ist zu viel Milch auf dem Markt. Ein höherer Preis ist nur zu halten, wenn die Ware knapp ist. Im Vertrauen auf steigende Preise wurde die Milchproduktion erhöht. Hoffentlich haben wir die Misere mit dem Streik nicht bald wieder.
bei der SZ keine Lobby ?
Sollte seine Schützlinge eigentlich täglich begleiten... und was macht er mit seiner Milch ,-)
kein unternehmen kann auf dauer unter den kalkulierten herstellungskosten verkaufen, sonst gibt es das bald nicht mehr. wenn allerdings gewünscht ist, dass alle kleinbetriebe eingehen und die landwirtschaft endgültig zur großindustrie verkommt, dann müssen wir lidl und co. weiter die preise mit dem zwischenhandel austarocken lassen. allerdings hatte ich bis jetzt den eindruck, dass die vollständige industrialisierung unerwünscht ist.
was hier ab und zu allerdings von marktwirtschaft geredet wird, der sich dei bauern stellen sollen: die mechanismen des marktes greifen doch bei milch und anderen subventionierten produkten nicht, da ständig 'steuernd' eingegriffen wird.
im Gegensatz zu Deiner Vermutung bin ich selbstaendig als Unternehmer mit Angestellten. Aber im Gegensatz zu den allermeisten Landwirten, die aus vielen meist eher subjektiven Gruenden den Hof von den Eltern uebernommen haben, waehlte ich dies freiwillig.
Ja, sicherlich gibt es erhebliche Miss-Staende in der Landwirtschaft, zum groessten Teil "selbstgemacht" durch furchtbare Lobby-Arbeit seitens des Bauernverbandes, durch verkorkste "Landwirtschafts-"Politik der letzten vierzig (nein eigentlich schon viel laenger) Jahre, durch bisher eben fehlende Interessenvertreter der einzelnen Landwirte und auch durch die Engstirnigkeit vieler Bauern selbst. Unbestritten.
Nichtsdestotrotz finde ich es nur selbstverstaendlich und berechtigt, dass die einzelnen Bauern vernuenftige Milchpreise fordern, von denen sie tatsaechlich leben koennen. Und zum "Bandarbeiter" bei VW: Der hat dank Betriebsrat etc. tatsaechlich eine erheblich hoehere Planungssicherheit als jeder Landwirt. Trotz aller Subventionen.
Das Problem der "selbstaendigen" Landwirte ist, dass ihre Taetigkeit von so vielen Faktoren abhaengt, dass sinnvolles unternehmerisches Handeln haeufig gar nicht kurzfristig genug moeglich ist. Mal ganz abgesehen von den persoenlichen Beschraenkungen der einzelnen Bauern. Bestes Beispiel ist doch der Milchmarkt: Eine kurzfristige Reaktion auf die hohen Milchpreise war ebensowenig moeglich wie jetzt eine kurzfristige Reaktion auf den angeblichen Ueberschuss. Und bisher gibt es eben _kein_ Kraefte-Gleichgewicht zwischen den Marktteilnehmern (was eine wesentliche Voraussetzung fuer ein echtes Marktgeschehen waere).
Gruss
Gottwalt
"Don_Vito hat überhaupt keine Ahnung von der Arbeit auf dem Bauernhof oder von sonst irgendwas was!!!"
Danke, es geht nichts über Anstand, Stil und gute Manieren. Nur kurze Info, auch wenn es wahrscheinlich nicht interessiert: Lebe auf einem Bauernhof und verdiene mein Geld unter anderem mit Landwirten. Also zumindest von der Arbeit auf dem Bauernhof brauchen Sie mir nichts zu erzählen.
Ja, ich erhalte weniger Gehalt wenn es eine Auftragsflaute gibt. Sie werden sich das wahrscheinlich nicht vorstellen können (Landwirt, Bergmann oder Beamter wenn ich mal raten darf). Bin selbständig und kein Landwirt fragt danach, ob ich von dem was ich ihm berechne leben kann. Die kaufen dort ein wo es am billigsten, bzw. am preiswertetsten ist. Das ist auch ok und ich klage auch darüber nicht.
In unserer Wirtschaft zählt nun mal nicht, ob der der eine Leistung oder ein Produkt anbietet dafür 24 Stunden am Tag arbeitet oder nur 10 Minuten. Es geht darum, ob das Produkt gefragt ist oder nicht. Zuviel Milch dann sinkt der Preis, egal wie lange es gebraucht hat sie zu produzieren.
Glauben Sie im Ernst die Malocher, die bei VW am Band stehen haben einen einfacheren Job. Die wissen heute oft nicht, ob sie morgen noch einen Job haben. Und ach ja, im Gegensatz zu den meisten Landwirten haben diese Arbeiter einen Vermieter, der nicht weniger Miete bekommt sondern die Leute rausschmeißt.
Landwirte sind selbständig und werden nicht gezwungen diesen Beruf zu betreiben. Es ist ihre freie Entscheidung und ich kann es verstehen, dass sie sich organisieren und versuchen für höhere Preise zu streiken. Ich bin nur sicher, dass es so nicht funktionieren wird.
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