Interview: Daniela Kuhr

Nach dem Einlenken von Lidl und Aldi Süd ist Bewegung in den Streit um höhere Milchpreise gekommen. Doch einige Molkereien bleiben hart - etwa Nordmilch.

Lidl will die Milch um zehn Cent teurer machen, Aldi Süd signalisiert Verhandlungsbereitschaft und auch einige Molkereien kommen den Forderungen der Milchbauern entgegen. Doch Nordmilch, einer der größten deutschen Milchverarbeiter, bleibt hart: "Wenn wir die von den Bauern geforderten 43 Cent pro Liter zahlen würden, wären wir morgen pleite", sagt Martin Mischel, Vertriebsvorstand bei Nordmilch.

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SZ: Herr Mischel, Nordmilch ist eine genossenschaftlich organisierte Vereinigung von 9000 bäuerlichen Betrieben. Wie viel zahlen Sie Ihren Mitgliedern für den Liter Milch?

Martin Mischel: 30 Cent. Das entspricht dem, was der Markt momentan hergibt.

SZ: Wenn Lidl, Rewe und andere jetzt ihre Preise erhöhen und die Mehreinnahmen wie versprochen an die Molkereien weiterreichen, dann werden diese das doch wohl den Bauern auszahlen, oder?

Mischel: Dazu sind zwei Dinge zu sagen. Zum einen hat Lidl nur angekündigt, die Preise für Milch und Butter zu erhöhen. Der Hauptteil der von den Bauern gelieferten Milch wird aber für die Herstellung von Käse, Milchpulver, Quark oder Joghurt verwendet. Ich bin überzeugt, dass die Aktion von Lidl den Preis für die Landwirte nur minimal verbessert. Sie werden dadurch vielleicht 0,3 Cent pro Liter mehr bekommen.

SZ: Und der zweite Punkt?

Mischel: Wir könnten auch deshalb den Bauern nicht einfach mehr zahlen, weil wir nur 30 Prozent unserer Umsätze mit dem Einzelhandel machen. Die anderen 70 Prozent gehen zur Hälfte ins Ausland und zur Hälfte in die Industrie, also beispielsweise zu Schokoladen- oder Eisherstellern. Und die zahlen uns schließlich den gleichen Preis wie bisher.

SZ: Am Montag waren zehn Ihrer elf Standorte komplett blockiert. Sie haben mehrere Strafanzeigen gestellt und mit Schadensersatzforderungen gedroht. Wollten Sie die Bauern einschüchtern?

Mischel: Darum geht es nicht. In unseren Werken werden täglich zehn bis zwölf Millionen Liter Milch verarbeitet. 75 Prozent unserer Bauern wollten am Montag liefern, konnten aber wegen der Blockaden nicht. Mehr als 100 Tankfahrzeuge standen daher voll mit Milch in der prallen Sonne. Wir müssen Schadensersatz fordern - aus dem einfachen Grund, weil wir einen enormen Schaden hatten.

SZ: Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter wirft den Molkereien vor, in den Verhandlungen mit dem Einzelhandel die Interessen der Bauern nicht entschlossen genug zu vertreten.

Mischel: Das kann ich für unser Haus überhaupt nicht gelten lassen. Wir gehören zu 100 Prozent den Landwirten, und auch in unseren Kontrollorganen sitzen Landwirte. Aber wir müssen nunmal akzeptieren, dass sich der Preis aus Angebot und Nachfrage bildet. Das hat in diesem Jahr zu niedrigen Preisen geführt, im vergangenen Jahr aber zu hohen.

SZ: Aber die Bauern brauchen doch eine gewisse Sicherheit.

Mischel: Dafür hab ich Verständnis, genauso wie ich einige ihrer Forderungen verstehe. Wichtig ist, dass eine Konzentration in der Molkereiwirtschaft stattfindet, um mit dem Einzelhandel auf Augenhöhe verhandeln zu können. Aber das Problem lässt sich ganz sicher nicht damit lösen, dass wir einfach Preise vereinbaren, die mit den Realitäten am Markt nichts zu tun haben.

SZ: Sie glauben also nicht, dass der Streit bald beendet ist?

Mischel: Im Gegenteil, ich fürchte, wir stehen erst am Anfang.

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(SZ vom 06.06.2008/hgn)