Interview mit Jim Yong Kim Präsident der Weltbank plant Kulturrevolution

Weltbank-Präsident Jim Yong Kim will seine Institution grundlegend verändern.

(Foto: AFP)

Früher einmal hat er für die Abschaffung der Weltbank protestiert, heute ist Jim Yong Kim ihr Chef - und will die Institution nach einem Jahr im Amt jetzt "fundamental" verändern. Denn um sein oberstes Ziel zu erreichen, die Armut in der Welt abzuschaffen, sieht er nur einen Weg: Risiko.

Von Nikolaus Piper, New York

Seit mehr als einem Jahr ist Jim Yong Kim, 53, Präsident der Weltbank. Jetzt will er die 69 Jahre alte Institution einer Kulturrevolution unterziehen. In einem Interview der Süddeutschen Zeitung sagte er: "Die Bank muss sich fundamental ändern, ihr Anreizsystem, ihre Struktur, wie wir zusammenarbeiten und wie Wissen in der Organisation transportiert wird."

In den kommenden drei Jahren wolle er 400 Millionen Dollar an Kosten sparen. Es werde auch Entlassungen geben, sagte Kim, legte sich aber nicht auf eine Zahl fest. "Meine Botschaft an die Mitarbeiter ist klar: Wenn Sie wertvolle Arbeit verrichten für unsere Ziele, dann haben Sie eine gute Zukunft bei der Bank. Wenn Sie aber nur irgendeine Zusatzarbeit machen, dann sollten Sie sich verändern."

Die Weltbank wird als Schwesterorganisation des Internationalen Währungsfonds (IWF) von 188 Mitgliedsstaaten getragen und beschäftigt derzeit 12.000 Mitarbeiter. Jim Yong Kim wurde von US-Präsident Barack Obama für den Posten vorgeschlagen. Der Amerikaner wurde in Korea geboren und wanderte mit seinen Eltern in die USA ein. Er ist ausgebildeter Arzt und leitete zuletzt das renommierte Dartmouth College in New Hampshire.

Früher hat er für die Abschaffung der Weltbank demonstriert

In der Vergangenheit wurde die Weltbank wegen ihrer Politik immer wieder heftig wegen ihrer Dritte-Welt-Politik kritisiert. Kim räumte im Interview ein, dass er vor zwanzig Jahren selbst für die Abschaffung der Weltbank demonstriert hatte. "Ich bin sehr froh, dass wir uns damals nicht durchgesetzt haben und die Weltbank nicht geschlossen wurde. Ich kenne wenige Organisationen, die sich seit diesen Tagen so sehr verändert haben wie die Weltbank", sagte Kim. Heute gebe es allerdings immer noch eine "Kultur der Angst" bei der Bank. Das habe mit Risikoscheu zu tun. Die Leute trauen sich nicht an riskante, aber erfolgversprechende Projekte, weil sie kein Aufsehen erregen wollen. "Ich habe eine klare Botschaft für die Mitarbeiter: Gebt mir Projekte, die riskant sind, aber etwas bewirken können."

In den kommenden Jahren soll sich die Weltbank ganz auf die Abschaffung der Armut in der Welt konzentrieren. Die Mitgliedsstaaten billigten inzwischen Kims Ziel, wonach 2030 niemand mehr auf der Welt in absoluter Armut leben soll. Als absolut arm gilt nach der Definition der Weltbank jemand, der weniger als 1,25 Dollar am Tag (Preise von 2005) verdient. Nach dieser Definition sind heute 18 Prozent der Weltbevölkerung arm - 1990 waren es noch 43 Prozent.

Scharfe Kritik am Haushaltsstreit

Wörtlich sagte Kim: "Um unser Ziel zu erreichen, müssen wir 2020 die Marke von neun Prozent erreicht haben, wir müssen also die Armutsrate in sieben Jahren halbieren. Wenn sich das Wachstum der Entwicklungsländer und deren Verteilungspolitik nicht ändern, dann werden wir 2030 noch acht Prozent Arme haben. Irgendetwas muss sich also ändern. Die Länder müssen stärker wachsen und sie müssen mehr tun, um die Armen an diesem Wachstum zu beteiligen." Die Weltbank müsse bei sich selbst anfangen: "Wir müssen das Geld genau dort einsetzen, wo es am meisten gegen die Armut hilft."

Scharfe Kritik äußerte Kim am Haushaltsstreit in den Vereinigten Staaten. Im August 2011, als es schon einmal fast zu einem Bankrott der USA gekommen war, habe die Blockade "immense Folgen" für die Entwicklungsländer gehabt. Die Kapitalmärkte seien dort im Durchschnitt um 15 Prozent abgestürzt. "Wir machen uns große Sorgen. Die Lage der Schwellenländer derzeit ist schwer genug. Ich versuche den Politikern in Washington klarzumachen, dass das, was sie tun, riesige Konsequenzen für den Rest der Welt hat."

Das gesamte Interview lesen Sie in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung.