Interview: Michael Kuntz

Personalvorstand Ernst Baumann erklärt, warum der Autohersteller auch nach der Streichung von 8000 Stellen gute Leute braucht - die gut bezahlt werden.

Eine gelbrote Rose ziert den dunklen Schreibtisch, der Laptop liegt am PC, ein Flachbildfernseher steht neben dem Ficus vor der Fensterfront - aus seinem Büro in der obersten Etage des BMW-Hochhauses am Münchner Olympiapark überblickt er die Stadt.

BMW Welt

Die neue BMW Welt - das Ausstellungsgebäude des Konzerns. (© Foto: AP)

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Ernst Baumann, 59, gehört dem Vorstand des Autoherstellers seit dem Jahr 1999 an. Er ist dort dienstältestes Mitglied. Kurz vor Weihnachten wurde bekannt, dass der erfolgsgewohnte Produzent von Luxusfahrzeugen 8000 Stellen abbauen wird. Die Nachricht wirkte wie ein Schock. Der Personalvorstand sagt, was auf die Mitarbeiter noch zukommt - und warum BMW ein attraktiver Arbeitgeber bleiben muss.

SZ: Herr Baumann, Sie bekommen wütende Mails, weil etwas geschieht, was niemand für möglich gehalten hat. BMW muss Stellen streichen.

Ernst Baumann: Natürlich haben wir die ein oder andere kritische Reaktion auf Berichte über anstehende Personalmaßnahmen bekommen. Was wir vorhaben, ist aber nicht neu. Effizienzsteigerungen haben in der Geschichte von BMW immer wieder dazu geführt, dass wir Stellen einsparen konnten.

SZ: In der Vergangenheit konnten Sie das aber immer durch Wachstum ausgleichen.

Baumann: Wir haben auch früher immer wieder Schwankungen beim Personalbedarf gehabt. Außer durch Wachstum haben wir sie dadurch ausgeglichen, dass wir unsere Flexibilität kontinuierlich gesteigert haben. Angesichts des Wettbewerbs ist das eine Schlüsselkompetenz, die wir behalten müssen. Hier sind wir führend in der Industrie - und dafür werden wir auch oft gelobt.

SZ: Effizienz um der Effizienz willen?

Baumann: Effizienz ist etwas Lebensnotwendiges, um die Zukunft eines Unternehmens zu sichern. Wir haben uns vorgenommen, die Produktivität pro Jahr um mindestens fünf Prozent zu steigern. In den letzten fünf Jahren haben wir unseren Absatz auf heute 1,5 Millionen Automobile erhöht und fast 7000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Diese Kontinuität lässt das Marktumfeld in Zukunft nicht mehr erwarten. Deshalb werden wir beim Personalaufwand mit Unterstützung unserer Partner weiter die Fähigkeit zum Atmen nutzen müssen.

SZ: Mit Partnern meinen Sie die Leiharbeits-Firmen?

Baumann: Ich meine die Personaldienstleister am Standort Deutschland und ich sage ganz bewusst Partner. Sie haben eine ganz wichtige Funktion in unserer Volkswirtschaft. Sie sorgen dafür, dass Unternehmen Schwankungen ausgleichen können, ohne dass betroffene Mitarbeiter ihren Job verlieren. Die sind nämlich fest angestellt bei diesen Personaldienstleistern. Deshalb unterscheide ich sehr stark zwischen betroffenen Mitarbeitern und Stellen.

SZ: Was für Instrumente nutzen Sie noch?

Baumann: Wir haben jedes Jahr eine normale jährliche Fluktuation von insgesamt 2,4 Prozent unserer 108 000 Mitarbeiter. Und es gibt Menschen, die sogar BMW freiwillig verlassen. Andere hören auf zu arbeiten, gehen in Rente oder Altersteilzeit. Wenn wir diese Stellen nicht mehr neu besetzen, haben wir schon einen Teil des Personalabbaus umgesetzt. Im Ergebnis schaffen wir so eine Situation, in der ein einzelner Mitarbeiter persönlich einen Job behält, obwohl eine Stelle entfällt.

SZ: Sie verlagern doch das Problem nur. Ob die Zeitarbeitsfirma die Mitarbeiter entlässt, interessiert Sie nicht mehr.

Baumann: Die Regel ist doch, dass eine Zeitarbeitskraft nach dem Einsatz bei uns bei einem anderen Unternehmen eingesetzt wird. Das ist nicht viel anders als bei anderen Berufsgruppen, die auch nur fallweise für uns arbeiten - zum Beispiel Unternehmensberatern.

SZ: Aber die Streichung von 8000 Stellen hat es noch nie gegeben bei BMW?

Baumann: Es gab Phasen, die dem Umfang nahe kamen, der im Gespräch ist. Die notwendigen Maßnahmen wurden nur - anders als diesmal - immer intern diskutiert und innerhalb der BMW-Organisation auf unspektakuläre Weise abgewickelt. Dass dieses Thema jetzt in dieser Art und Weise öffentlich diskutiert wird, war nicht unsere Idee.

SZ: Drei Tage vor Weihnachten - das war nicht gerade eine frohe Botschaft.

Baumann: Der Zeitpunkt war wirklich nicht glücklich. Ich bedaure es sehr, dass eine Information aus unserem Haus im falschen Kontext ohne unser Zutun an die Öffentlichkeit geraten ist und dort über weite Strecken falsch interpretiert wurde.

SZ: Bleibt es bei den 8000 Stellen - oder ist dies nur der Anfang von größeren Anpassungen?

Baumann: In einer freien Marktwirtschaft kann kein Unternehmen der Welt langfristigen Unternehmenserfolg und damit den Erhalt von Arbeitsplätzen garantieren. Wir sind aber mit der Umsetzung unserer Strategie auf gutem Weg und glauben deshalb fest daran, dass wir der weltweit erfolgreichste Anbieter von Premium-Produkten und Dienstleistungen werden. Wir wollen weiter in Deutschland verankert bleiben. Mehr als zwei Drittel unserer weltweit 108000 Mitarbeiter beschäftigen wir im Hochlohnland Deutschland, wir verkaufen aber rund zwei Drittel unserer Fahrzeuge nicht hier. Wir haben also unseren Produktionsschwerpunkt in Deutschland, und müssen uns dem Weltmarkt stellen. In dieser Situation sind hohe Effizienzsteigerungen ein Muss.

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