Von Interview: Helga Einecke und Harald Schwarz

Der neue Präsident Axel Weber hält Kritikern der Bundesbank entgegen, Wirtschaft und Finanzmärkte würden ohne diese Institution nicht funktionieren. Sein Einfluss auf die europäische Geldpolitik entspreche nicht automatisch dem Gewicht der deutschen Wirtschaft. Die aktuelle Zinspolitik fahre klar geradeaus.

SZ: Die USA haben die Zinswende nach oben vollzogen. Muss die Europäische Zentralbank (EZB) folgen oder kann sie sich abkoppeln?

Weber Ap

Axel Weber. (© Foto: AP)

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Weber: In den USA ist das Wirtschaftswachstum deutlich höher. In Europa haben wir historisch niedrige Zinsen und eine stimulierende Geldpolitik, die aber gegenwärtig keinen inflationären Schub auslöst. Zuletzt haben wir deshalb eine zinspolitische Geradeaus-Fahrt bestätigt. Über die Richtung der nächsten Zinsschritte will ich nicht spekulieren.

SZ: Eine Zinserhöhung in der schwachen Aufschwungphase in Deutschland würde sicher heftig kritisiert.

Weber: Wir orientieren uns an den Daten des Euroraums und sehen zur Zeit keinen inflationären Druck auf mittlere Frist.

SZ: Teilnehmer der Finanzmärkte vermissen klare Signale über die geldpolitische Richtung.

Weber: Unsere geldpolitische Richtung ist klar: sie ist geradeaus. Im übrigen orientieren wir uns mittelfristig. Es gibt bestimmte Risiken. Sollten die sich materialisieren, wird sich auch die Orientierung ändern. Insofern hängen die Zinsentscheidungen von neuen Daten ab. Wir haben ein Prognose-Szenario, das wir aktualisieren. Beschwerden aus dem Kreis der Marktteilnehmer über die Wortwahl des EZB-Präsidenten sollte man nicht überbewerten.

SZ: Welchen Einfluss nehmen Sie als Bundesbankpräsident auf die europäische Geldpolitik?

Weber: Ich bin ein Mitglied im EZB-Rat. Wir diskutieren gemeinsam die geldpolitischen Entscheidungen vor dem Hintergrund der Strategie. Wir beurteilen die wirtschaftliche und die monetäre Lage und schauen uns die Preisrisiken an. Ich lasse meinen ökonomischen Sachverstand in meine Redebeiträge einfließen. Ich fühle mich akzeptiert. Eine besondere Rolle habe ich als Notenbankpräsident einer großen Nation nicht automatisch. Wir haben das Prinzip gleichberechtigter Stimmen.

SZ: Sie haben also nur durchschnittlichen Einfluss, obwohl Sie das Land mit der größten Wirtschaftskraft und Bevölkerung repräsentieren?

Weber: Nein. Es geht um Argumente und Überzeugungsarbeit. Die Diskussion im EZB-Rat soll zu einem einheitlichen Bild der Entscheidung führen.

SZ: Gab es Überraschungen für Sie als Neuling in diesem Gremium?

Weber: Nein. Es wird sehr stark inhaltlich und zielgerichtet diskutiert, wie ich es erwartet hatte. Es gibt auch keine Dominanz von bestimmten Teilnehmern des EZB-Rates.

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