Internetkonzern Google veröffentlicht Bilanz zu früh - Aktie stürzt ab

Wegen eines Fehlers erscheinen die Google-Quartalszahlen zu früh - und sorgen bei den Anlegern für eine böse Überraschung: Weil dem Konzern der Gewinn wegbricht, verliert die Google-Aktie innerhalb kurzer Zeit neun Prozent ihres Wertes und wird zeitweise vom Handel ausgesetzt. Nach Wiederaufnahme des Handels hat die Aktie zum Börsenschluss acht Prozent an Wert verloren.

Desaster für Google: Die Geschäftszahlen zum dritten Quartal sind am Donnerstag noch während des laufenden Börsenhandels in New York veröffentlicht worden. Zuerst herrschte Verwirrung, dann drückten die Händler auf den Verkaufsknopf. Denn massiv gestiegene Kosten - etwa durch den Kauf des Handyherstellers Motorola - ließen den Gewinn schmelzen.

Die Aktie sauste um neun Prozent in die Tiefe, zeitweise waren es gar mehr als zehn Prozent. Milliarden an Börsenwert wurden vernichtet, bis der Handel schließlich auf Wunsch von Google vorläufig gestoppt wurde. Der Handel mit den Aktien wurde kurz vor Börsenschluss wieder aufgenommen. Der Kurs schloss mit acht Prozent im Minus bei einem Stand von 695 Dollar pro Aktie.

Firmensprecherin Rachel Whetstone schob die Schuld für den Fehler auf die Dienstleistungsfirma RR Donnelley, die eine unfertige Mitteilung ohne Genehmigung veröffentlicht habe.

Aktien von RR Donnelley fielen ebenfalls. Die Zeile in der Google-Mitteilung "Zitat von Larry steht noch aus" ("PENDING LARRY QUOTE") deutete von Anfang an auf einen Patzer hin. Larry Page ist einer der beiden Gründer und der amtierende Firmenchef von Google.

Üblich ist, dass die Zwischenbilanz nach dem Ende des regulären Handels an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq um 22 Uhr deutscher Zeit mitgeteilt wird, damit jeder Anleger die Zeit hat, sich in das umfängliche Zahlenwerk zu vertiefen. Nun kamen die Geschäftszahlen aber vier Stunden zu früh in einer Pflichtmitteilung an die Börsenaufsicht SEC heraus. Demnach stieg der Umsatz im dritten Quartal um 45 Prozent auf 14,1 Milliarden Dollar (10,8 Milliarden Euro). Rund 2,6 Milliarden Dollar rührten dabei alleine von der Einbeziehung Motorolas her.

Weniger Geld für den Klick

Google hatte das Handy-Urgestein für 12,5 Milliarden Dollar geschluckt, um seinen Vorstoß ins mobile Geschäft abzusichern. Der Gewinn büßte dagegen um 20 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar ein. Auch hier wirkte sich Motorola aus, vor allem durch hohe Entwicklungskosten für neue Android-Smartphones.

Mit den Zahlen verfehlte Google die Schätzungen der Analysten. Vor allem ein Wert stieß bitter auf: Google bekam im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 15 Prozent weniger Geld von seinen Werbekunden für jeden Klick, den ein Nutzer machte. Online-Werbung ist die wichtigste Einnahmequelle von Google - allen voran die hervorgehobenen Links der Suchmaschine, aber immer mehr auch grafische Werbeanzeigen, die überall im Web auftauchen.

Motorola erwies sich einmal mehr als Verlustbringer. Die Tochter verlor operativ 527 Millionen Dollar. Bereits als eigenständiges Unternehmen hatte der Handy-Hersteller zuletzt angesichts der starken Konkurrenz durch Apples iPhone und die Android-Handys von Samsung fast durchgängig rote Zahlen geschrieben.

Für Google war Motorola aber wegen der zahlreichen Patente des Branchenurgesteins wertvoll. Apple hatte einen regelrechten Patentkrieg vom Zaun gebrochen und wirft zahlreichen Smartphone-Herstellern vor, Ideen abgekupfert zu haben.

Spaß mit Pending Larry

Im Internet machte sich bereits wenige Minuten nach der Veröffentlichung der Zahlen ein Spaßvogel über die Panne lustig. Er richtete beim Kurznachrichtendienst Twitter den Account @PendingLarry ein - eine Anspielung auf die Zeile "Zitat von Larry steht noch aus" (PENDING LARRY QUOTE) in der unvollständigen Google-Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC. "...oops", schrieb PendingLarry. "Das passiert, wenn Du Deinen Bericht an die SEC mit Android verschickst."

Android ist das Smartphone-Betriebssystem von Google. "Fairerweise muss ich sagen, dass wir unseren Bericht schon gestern Nachmittag bei Google Plus veröffentlicht haben." Das war eine weitere Spitze: Das Google-Netzwerk gilt im Vergleich zu Facebook als verwaist.

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