Internethändler Zalando Wachstum gibt es nicht umsonst

Zalando-Geschäftsführer Rubin Ritter (rechts) mit Logistik-Chef David Schröderbei der Eröffnung des neuen Logistikzentrums in Erfurt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Internethändler Zalando hat 2012 doppelt so viele Waren verschickt wie im Vorjahr. Trotzdem macht die Firma Millionen-Verluste. Kann das gut gehen? Die SZ sprach mit Geschäftsführer Rubin Ritter.

Von Oliver Hollenstein

Im Oktober 2008 gründeten die Studienfreunde Robert Gentz und David Schneider ein Schuhgeschäft im Internet. Im vergangenen Jahr hat Zalando Schuhe, Kleider, Unterhosen und Co. im Wert von 1,15 Milliarden Euro verschickt. Als das am schnellsten wachsende Unternehmen Europas feiert sich Zalando nun (Firmenmitteilung als PDF). Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Samstagsausgabe) erklärte Geschäftsführer Rubin Ritter, warum es sich dafür loht, hohe Verluste in Kauf zu nehmen.

Zwischen 80 und 90 Millionen Euro werde sich der Verlust des Unternehmen 2012 wohl bewegen, sagte Ritter. "Ein Unternehmensaufbau, gerade in der Größe, ist halt nicht umsonst. Im Onlinehandel gehen sie durch eine Phase, in der sie investieren: Kundenakquise, Markenaufbau, Logistik und Sortiment."

Leisten kann sich Zalando das rasante Wachstum vor allem durch die Investitionen der bekanntesten deutschen Internetinvestoren: Marc, Oliver und Alexander Samwer. Mit deren Millionen schalteten Zalando in den vergangenen Jahren aggressive Werbespots mit vor Begeisterung schreienden Kundinnen, die das Startup schnell bekannt machten. Mehr als 95 Prozent der Deutschen sei Zalando mittlerweile ein Begriff, sagte Ritter. (Mehr zu Zalando hier)

Wie viel sich die Investoren den Markenausbau kosten lassen, wollte Ritter nicht verraten. "Die Zahl ist vertraulich. Aber 2012 haben wir mehrere neue Gesellschafter gewonnen: Unter anderen die US-Bank JP Morgan, außerdem hat die schwedische Investmentbank Kinnevik ihr Engagement ausgebaut", sagte der Geschäftsführer, der seit 2010 im Unternehmen arbeitet. "Unsere Investoren vertrauen uns."

In den Kernmärkten bereits kostendeckend

Im kommenden Jahr werde das Unternehmen weniger aggressiv wachsen wie zuletzt. "Wir haben 2012 viele Fundamente gelegt", sagte Ritter. Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen in sieben weitere Länder expandiert. Es gelte nun, sich auf den Ausbau der Infrastruktur in den 14 Ländern zu konzentrieren, in denen das Unternehmen inzwischen aktiv ist. "Wir sind nicht so wachstumsorientiert, wie man das bei den Ergebnissen denken könnte. Wir wollen zwar wachsen, wir wollen aber auch profitabler werden, und wir wollen die Kundenzufriedenheit erhöhen."

Zentral sei, dass die Kunden wieder kommen, sagte Ritter. Dann werde sich auch die Profitabilität auf allen Märkten einstellen. In den Kernmärkten Deutschland, Österreich und Schweiz arbeite Zalando bereits kostendeckend. In allen anderen Märkten rechne er damit. Wie lange es bis zum ersten Gewinn noch dauern könnte, wollte Ritter allerdings nicht sagen. "Da setzen wir uns öffentlich keine Ziele. Wir arbeiten aber daran, dass wir da hinkommen."

Gerüchten, dass die Samwer-Brüder ihre Investitionen bald versilbern könnten, trat Ritter entgegen. "Im nächsten halben Jahr sind kein Verkauf und kein Börsengang geplant. Wir konzentrieren uns auf das operative Geschäft."