Internet-Versandhändler Zweitägiger Streik soll Druck auf Amazon erhöhen

Erstmals legen Beschäftigte beim Internet-Händler Amazon gleich für mehrere Tage ihre Arbeit nieder: Mit einem Streik im größten deutschen Versandlager versucht die Gewerkschaft Verdi den US-Konzern zum Handeln zu bewegen. Bisher wehrt sich Amazon erfolgreich gegen eine Bezahlung nach Tarifvertrag.

Bei Amazon wird wieder gestreikt: Die Gewerkschaft Verdi hat ihre Mitglieder am Montagmorgen zu einer zweitägigen Arbeitsniederlegung aufgefordert. Betroffen sind der größte deutsche Standort des Internet-Versandhändlers Bad Hersfeld sowie die Niederlassung Leipzig.

Verdi rechnete in Bad Hersfeld nach Angaben eines Sprechers mit einer Beteiligung von 400 bis 1000 Mitarbeitern. In Leipzig sei mit 250 Mitarbeitern etwa die Hälfte der Frühschicht dem Dienst ferngeblieben, sagte ein Verdi-Sprecher am Morgen. In Bad Hersfeld arbeiten mehr als 3300 Menschen, in Leipzig sind es etwa 2000.

Verdi fordert für die Beschäftigten einen Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels. Laut Gewerkschaft gibt es kein Urlaubs- und kein Weihnachtsgeld, zudem werden Nachtarbeitszuschläge erst ab Mitternacht gezahlt.Das US-Unternehmen lehnt dies bisher aber ab und orientiert sich nach eigenen Angaben an der Bezahlung in der Logistikbranche. Die Gewerkschaft versucht deshalb seit Mitte April, mit Arbeitsniederlegungen den Druck auf Amazon zu erhöhen.

Insgesamt beschäftigt Amazon an acht deutschen Standorten etwa 9000 Mitarbeiter. Am Nachmittag wird der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske in Leipzig erwartet, um die Streikenden zu unterstützen.