Internet Potter — das pure Glück für Amazon

Der weltgrößte Online-Einzelhändler Amazon.com hat im zweiten Quartal aufgrund steigender Erlöse seine Verluste mehr als halbiert. Werden die Sonderfaktoren herausgerechnet, ergibt sich sogar ein Gewinn.

Grund waren gesenkte Kosten und eine veränderte Verkaufsstrategie, wie das in Seattle (US-Bundesstaat Washington) ansässige Unternehmen am Dienstag nach Börsenschluss mitteilte. Für das laufende Quartal und das Gesamtjahr 2003 ist Amazon.com optimistisch.

Als Goldesel erwies sich der jüngste Harry-Potter-Band. "Das war der erfolgreichste Einzeltitel, der je bei Amazon verkauft wurde", sagte Ralf Kleber, Geschäftsführer der Amazon.de GmbH. 1,4 Millionen Exemplare "Harry Potter and the Order of the Phoenix" wurden in 175 Ländern verkauft.

Der Quartalsumsatz erhöhte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 37 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar (974 Mio Euro). Bei Amazon.com können die Kunden angefangen von Büchern über Musik bis hin zu Elektronikartikeln Online einkaufen.

10 Cent je Aktie

Das Unternehmen verbuchte im zweiten Quartal einen Verlust von 43 (Vorjahreszeitraum: 94) Millionen Dollar oder elf (25) Cent je Aktie. Der Absatz erhöhte sich im zweiten Quartal weltweit um 42 Prozent.

Unter Ausschluss von Sonderfaktoren verdiente der Internet-Riese zehn Cent je Aktie gegenüber roten Zahlen von einem Cent im zweiten Quartal 2002. Die Analysten waren auf dieser Basis von sechs Cent Gewinn je Aktie ausgegangen.

Unternehmenschef Jeff Bezos gab als einen Grund für die positive Geschäftsentwicklung Einsparungen bei der Fernseh- und Printmedien- Werbung an. Zudem habe man die Preise gesenkt und kostenfreie Lieferungen geboten. "Wir sind mit den Ergebnissen zufrieden", betonte er.

Der Umsatz auf den amerikanischen und kanadischen Web-Sites von Amazon.com erhöhte sich in der Berichtszeit um 20 Prozent auf 703 Millionen Dollar und der operative Gewinn um 53 Prozent auf 55 Millionen Dollar. Der Auslandsumsatz auf den Web-Sites der Gesellschaft in Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Japan stieg um 81 Prozent auf 397 Millionen Dollar. Es gab einen operativen Auslandsgewinn von 13 Millionen Dollar gegenüber einem operativen Verlust von zehn Millionen Dollar im zweiten Quartal 2002.

Der Halbjahresumsatz erreichte 2,2 (1,7) Milliarden Dollar. Der führende Online-Einzelhändler verbuchte nur noch einen Halbjahresverlust von 53,4 (116,7) Millionen Dollar.

Amazon.com erwartet im dritten Quartal einen Umsatz von 1,075 Milliarden Dollar bis 1,15 Milliarden Dollar. Dies entspräche gegenüber der Vorjahresvergleichszeit einem Umsatzzuwachs von 26 bis 35 Prozent.

Der operative Gewinn dürfte 40 bis 55 Millionen Dollar erreichen. Das Unternehmen prognostizierte für das Gesamtjahr 2003 einen Umsatzanstieg von 25 Prozent bis 30 Prozent auf 4,9 bis 5,1 Milliarden Dollar. Der operative Gewinn dürfte zwischen 215 und 255 Millionen Dollar liegen.