Internet Das Netz aus der Dose

Zuhause kann man drahtlos surfen, mit dem klassischen Netzkabel - oder mit Hilfe der Steckdose. Und das geht überraschend leicht.

Da lagen sie nun, die beiden kleinen Powerline-Adapter von Zyxel. Mit ihnen sollte sich zu Hause ein Netzwerk einrichten lassen - via Steckdose. Dumm nur, dass sie keiner testen wollte. Die eigentlich dafür vorgesehene Mitarbeiterin fiel aus. Und schon der Gedanke, dass das eigene, mühsamst installierte Netzwerk aus irgendeinem Grunde ins Wanken geraten könnte ließ fünf weitere Redakteure abwehrend die Hände erheben.

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Dieses Gerät liegt zwischen Computer und Steckdose. Als Starterkit mit zwei Adaptern kostet es 135 Euro, Einzelgeräte kosten 77 Euro.

(Foto: Foto: Zyxel)

Sollten wir sie also wieder unberührt zurückschicken? Fast wäre es so gekommen, andererseits - ein Miniversuch? Wir wollten ja nur ins Internet, mit dem Rechner und unserem Stromkreis.

Mut machte die Anleitung: Sie beschränkte sich auf wenige Sätze. Und in der Tat war die Installation lächerlich einfach: Der Powerline-Adapter wird in die Steckdose gestöpselt und zusätzlich mit dem bereits vorhandenen Router verkabelt. Das zweite Gerät wird auf gleiche Weise mit dem Computer verbunden.

Verhältnismäßig sicher

Und man mochte es kaum glauben: Klaglos loggte sich der PC ins Internet ein. Ohne jeden Mucks. Damit hatten wir aufgrund langjähriger Erfahrung nicht gerechnet. Auch die Mehrfachsteckdose, offenbar Stolperstein für manche Adapter der ersten Generation, machte keine Probleme. Erst die Kopplung vieler Mehrfachsteckdosen - Zyxel spricht von sechs bis zehn - dürfte den Datenstrom versiegen lassen.

Adapter dieser Art können einerseits bestehende drahtlose oder verkabelte Netzwerke ersetzen, oder aber es an kritischen Stellen ergänzen. Denn nur zu schnell macht etwa ein WLAN bei unglücklicher räumlicher Konstellation schlapp. In dem Fall lässt sich mit den Adaptern gut parallel arbeiten. Unseren Computer brachte das jedenfalls nicht durcheinander. Es ist auch möglich, mehrere PCs miteinander zu verbinden, was wir allerdings nicht probiert haben.

Freilich hat aber auch das Netz aus der Steckdose seine Grenzen. Die maximale Datenübertragungsrate liegt bei 85 Mbit pro Sekunde. Ohnehin ein eher theoretischer Wert: In der Praxis, so haben Tests gezeigt, liegen sie deutlich darunter. Je größer die Entfernung ist, die die Daten im Stromnetz zurücklegen müssen, desto langsamer werden sie.

Daneben verlangt die Verschlüsselung ihren Geschwindigkeitstribut. Die Daten werden nach dem 56-Bit DES-Standard unkenntlich gemacht: Damit gelten diese Netzwerke zwar sicherer als die nach dem alten WEP-Standard gesicherten Funknetzwerke. Doch mit der WPA-Verschlüsselung moderner WLAN-Netzwerke kann diese Methode nicht ganz mithalten.

Andererseits: Die Daten kreisen im heimischen Stromnetz, es würde also einiger Energie bedürfen, um sie abzufangen. Auch der Nachbar in der Wohnung nebenan kann nicht heimlich mitsurfen - sofern jede Wohnungseinheit an einem eigenen Zähler hängt. Der Zähler bremst die Daten aus.

Probleme können die Powerline-Adapter in Häusern mit alten Sicherungskästen oder korrodierten Leitungen machen, dies lässt sich aber im Zweifelsfall nur individuell ertesten. In den Produktinformationen werden Gebäude als anfällig bezeichnet, die vor den fünziger Jahren erbaut wurden.

Die Zyxel-Geräte sind kompatibel mit Homeplug 1.0, so dass sie nach Angaben des Unternehmens mit Produkten anderer Hersteller im gleichen Stromkreis kooperieren sollten.

Den USB-Anschluss, den Adapter anderer Hersteller zur Vernetzung bereits haben, mag mancher vermissen, doch ansonsten waren die Powerline-Boxen - so viel als Conclusio - angenehm unproblematisch - nicht so immobil wie ein klassisches Netzwerk, nicht so mobil wie ein Funknetzwerk. Halt irgendetwas mitten drin. Vielleicht sind derartige Adpater zur Zeit ein Nischenprodukt, doch die Nische könnte mit der Zeit deutlich breiter werden.