Nach der Niederlage im ostdeutschen Arbeitskampf für die 35-Stunden-Woche ist der Vorstand der IG Metall nach Einschätzung ihres Vorsitzenden "praktisch handlungsunfähig". Der Vorstand, hieß es in einer Vostandssitzung, sei wie die gesamte Organisation exakt in der Mitte gespalte.
(SZ vom 1.7.2003) München - Das sagte der noch amtierende IG-Metall-Chef Klaus Zwickel nach Angaben von Teilnehmern in einer Vorstandssitzung. Das Gremium fasste in einer fast zehnstündigen Krisensitzung keinerlei Beschlüsse.
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Die IG Metall ist nach der Niederlage heillos zerstritten. Immer mehr Gewerkschafter fordern, Vize-Chef Jürgen Peters solle nicht mehr für das Amt des Ersten Vorsitzenden kandidieren, das im Herbst frei wird.
Strittig war im Vorstand insbesondere, ob Peters und der Streikführer Hasso Düvel mit der Eskalation des Arbeitskampfes gegen einen Vorstandsbeschluss vom 27. Mai verstoßen haben. Dieser Beschluss habe einen flexiblen Streik in täglich wechselnden Betrieben und die Vermeidung einer Fernwirkung auf West-Betriebe gefordert, wurde Peters vorgehalten.
Die Sitzung wurde abgebrochen und auf kommenden Dienstag vertagt. Zwickel habe gesagt, er könne nicht mehr lang glaubwürdig auftreten, wenn die IG Metall sich weiter unfähig zeige, aus ihrer Niederlage Konsequenzen zu ziehen, berichteten Teilnehmer.
Insbesondere die Betriebsräte der Auto-Industrie mobilisieren gegen Peters. "Es gibt keine andere Möglichkeit, als dass er bei der Wahl nicht antritt", sagte der Sprecher der Vertrauensleute bei Ford, Thomas Freels.
Der Betriebsrat von Daimler-Chrysler soll ähnlich denken, äußerte sich aber nicht öffentlich. Klaus Franz, Betriebsrats-Chef von Opel, wies Vorwürfe Düvels zurück, die vor der Niederlage bekannt gewordene Kritik der Auto-Betriebsräte habe den Streik zu Fall gebracht: "Das ist eine Dolchstoß-Legende". Der oberste Betriebsrat von VW, Klaus Volkert, stellte sich jedoch an die Seite Peters'.
Ein zweites Zentrum des Aufstands gegen Peters ist die Gewerkschaftsbasis in Nordrhein-Westfalen. Kritik aus dem Peters-Lager an den West-Betriebsräten sei "der billige Versuch, vom eigenen Versagen abzulenken", sagte Georg Keppeler, Mitglied im Bundesvorstand aus der Verwaltungsstelle Olpe.
"So autistisch wie einst Honecker"
Auch ein Mitglied des Landesvorstands wandte sich frontal gegen Peters. Die Führungsebenen von Bayern, Küste und Baden-Württemberg lehnen inoffiziell Peters ab."Personaldebatten sind jetzt überflüssig", meinte dagegen der niedersächsische Bezirks-Chef Hartmut Meine. Auch in der Frankfurter Gewerkschaftszentrale kochte die Debatte: "Peters ist so autistisch wie einst Honecker", hieß es.
Unterdessen nahmen die vier Wochen lang bestreikten Unternehmen in Ostdeutschland die Produktion wieder auf. Bei VW in Sachsen und dem brandenburgischen BMW-Zulieferer ZF begannen Verhandlungen über Haustarife. Der sächsische Arbeitgeberverband bot an, dass der gekündigte alte Flächentarif über 38 Wochenstunden wieder in Kraft gesetzt werden solle.
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