Interner Bericht zum Sex-Skandal der Ergo-Versicherung "We love Hamburg Mannheimer"

Der Skandal beschädigte das Image der Ergo-Versicherung: Mitarbeiter der Tochtergesellschaft Hamburg Mannheimer feierten in Budapest eine Sex-Party mit Prostituierten - als Belohnung für gute Vertreterleistungen. Jetzt enthüllt ein interner Bericht, was im Juni 2007 im berühmten Gellert-Bad wirklich passiert ist: Party Total.

Die Teilnehmer waren von der Idee begeistert. Eine Reise nach Budapest, inklusive Besuch der weltbekannten Therme des Gellert-Bads. Eine Belohnung für Top-Vertriebsmitarbeiter sollte es werden, für diejenigen Vertreter, die zwischen November 2006 und April 2007 die meisten Verträge abschließen würden. Beschlossen wurde die "Incentive-Reise", wie so etwas in der Sprache der Versicherungsvertreter heißt, von der sogenannten Generalskonferenz der Hamburg Mannheimer Inter-Organisation, kurz HMI. Arbeitstitel des Projektes: "Party Total".

Was sich dann im Juni 2007 im Innern der Therme zutrug, mögen einige der Versicherungsvertreter, die dabei anwesend waren, tatsächlich als "Party Total" empfunden haben: Etwa 100 Prostituierte und Hostessen wurden eingeladen. Besonders pikant: Sie waren mit verschiedenen farbigen Armbändern gekennzeichnet, wie einer der Teilnehmer berichtete. Manche Frauen seien als Hostessen anwesend gewesen, die anderen hätten durch die Farbe des Handschmucks deutlich gemacht, dass sie nicht nur zum Plaudern gekommen waren. Nach jedem Liebesdienst wurden sie am Unterarm abgestempelt. Und dann gab es da auch die Damen mit den weißen Bändchen. Sie waren reserviert für die Vorstände und die Besten der Besten aus der Vertriebstruppe, intern die "Top-Five-Mitglieder" genannt.

Für den Hamburg Mannheimer-Vertrieb, der zur Ergo-Versicherungssgruppe gehört und mittlerweile in Ergo Pro umbenannt wurde, hatte die Party indes ein Nachspiel. Unter der Überschrift "Herr Kaiser auf Lustreise" hatte das Handelsblatt im Mai 2011 den Skandal öffentlich gemacht.

Der Bericht löste allenthalben Empörung und Spott aus: Jürgen Klopp, der Trainer von Borussia Dortmund, der Motivationsvorträge für Ergo gehalten hatte, ließ kurz danach seinen Werbepartner-Vertrag mit der Versicherung ruhen. Und erst vor einigen Monaten schilderte auf der Hauptversammlung der Munich Re, zu der wiederum die Ergo-Versicherungsgruppe gehört, eine empörte Vermögensverwalterin aus Köln, wenn man bei Google die Wörter "Ergo" und "Versicherung" eingebe, folgten zwei Millionen Hinweise. Bei "Ergo" und "Sex" hingegen zehn Millionen.

Der gute Ruf der Versicherung war jedenfalls ruiniert. Ein interner Bericht der Ergo-Konzernrevision sollte die Vorfälle aufarbeiten. Er wurde bereits Anfang Juni 2011 fertiggestellt, blieb aber unveröffentlicht. Nun hat wiederum das Handelsblatt die wichtigsten Passagen veröffentlicht, die wir auf der folgenden Seite dokumentieren.