Insolvenzen in den USA Die größten Insolvenzen der USA

Ohne den Schutz des Konkursrechts hätten die Sanierungsmaßnahmen weder bei Delta noch bei United eine Chance gehabt. Kritiker bemängeln aber auch genau dies: Dass das Konkursrecht zu viel Rücksicht auf gescheiterte Unternehmen nimmt und so die Bereinigung des Marktes erschwert. Bis heute leidet die US-Luftfahrtindustrie unter Überkapazitäten und niedrigen Erträgen. Im Falle von General Motors versuchte das Team von Präsident Barack Obama, dieser Kritik dadurch zu begegnen, dass von vorneherein Kostensenkungen und die Schließung von Fabriken vereinbart wurden.

Die guten alten Dinge

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Ein anderer interessanter Fall ist Texaco. Die Ölgesellschaft musste als Spätfolge eines verlorenen Rechtsstreits 1987 Gläubigerschutz beantragen. Ein Gericht hatte Texaco zu 10,53 Milliarden Dollar Schadenersatz an den Konkurrenten Pennzoil verurteilt, weil es dessen Rechte im Streit um die Übernahme von Getty Oil verletzt sah. Im Zuge der Insolvenz verkaufte Texaco sein deutsches Tankstellennetz an RWE, das die Tankstellen in DEA umbenannte. Später wurden die meisten Stationen an Shell verkauft. Texaco verließ den Gläubigerschutz 1988 und wurde 2000 vom Konkurrenten Chevron übernommen.

Konkursrecht nicht genutzt

Die größte Pleite in der Geschichte der Vereinigten Staaten ist der Zusammenbruch von Lehman Brothers. Die Investmentbank mit einer Bilanzsumme von zuletzt 640 Milliarden Dollar hatte am 15. September 2008 Gläubigerschutz beantragt - es war der Beginn der heißen Phase der globalen Finanzkrise. Im Falle von Lehman wurde das Konkursrecht nicht genutzt, um die Bank zu erhalten, sondern um werthaltige Bestandteile schnell und unbürokratisch zu veräußern: Die britische Barclays Bank erwarb das Nordamerika-Geschäft, Nomura die asiatischen Töchter des Konzerns; eine Gruppe von Finanzinvestoren erhielt die Vermögensverwaltung Neuberger Berman.

Lehman war nicht die erste Wall-Street-Bank, die Gläubigerschutz beantragte. Im Februar 1990 hatte es Drexel Burnham Lambert erwischt, eine Firma, die unter Michael Milken als treibende Kraft hinter dem Übernahmefieber der 80er Jahre berühmt wurde. Die Firma wurde nach der Insolvenz zerschlagen.

Betrügerischer Konkurs

Die Nummer zwei in der Rangliste der größten Insolvenzen, Washington Mutual (Bilanzsumme: 328 Milliarden Dollar), musste eine Woche nach Lehman Gläubigerschutz beantragen. Die staatliche Einlagensicherung FDIC stellte sie unter Zwangsverwaltung und ordnete den Verkauf an die Großbank JP Morgan Chase an. Die drittgrößte Insolvenz war ein betrügerischer Konkurs: Das Telekommunikationsunternehmen Worldcom (Bilanzsumme 103,9 Milliarden Dollar) stellte sich im Juli 2002 nach massiven Bilanzmanipulationen unter den Schutz des Gesetzes; Worldcom-Chef Bernard Ebbers wurde später zu 25 Jahren Haft verurteilt. Ähnlich war es beim Energiehändler Enron (Bilanzsumme 65,5 Milliarden Dollar). Dessen Management hatte über lange Zeit Erträge in die Bücher geschrieben, die es gar nicht gab. Im Dezember 2001 war Enron zahlungsunfähig. Weder bei Enron noch bei Worldcom gab es noch etwas zu retten; beide Unternehmen gibt es heute nicht mehr.

Immer noch unter dem Schutz des Konkursrechts befindet sich eine ehemalige Tochter von General Motors: der Autozulieferer Delphi. GM hatte Delphi 1999 abgespalten, um dort nicht mehr die hohen Konzerngehälter zahlen zu müssen. Im Oktober 2005 meldete Delphi Insolvenz für sein amerikanisches Geschäft an; die europäischen Teile, darunter mehrere Tochterfirmen in Deutschland, waren nicht betroffen. Am Montag, zeitgleich mit der Insolvenz von GM, veröffentlichte Delphi einen neuen Restrukturierungsplan, um möglichst schnell den Gläubigerschutz verlassen zu können.