Schiesser, Märklin, Rosenthal: Seitdem Traditionsmarken pleitegehen, ist die Rezession für alle gegenwärtig.
Jetzt also Schiesser. Warum ausgerechnet Schiesser? War der solide Unterwäschelieferant vom Bodensee (gegründet 1875) nicht tapfer mit der Zeit gegangen und hatte sich zum chicen Nacht- und Sportwäschehersteller gemausert? Hat er sich nicht in die Arme einer schweizerischen Mutter gerettet und seit Jahren immer wieder tapfer restrukturiert? Am Ende hat es für 2300 Mitarbeiter doch nicht gereicht. Die notwendige "Anschlussfinanzierung" habe nicht mehr "sichergestellt" werden können, melden nüchterne Zahlenmenschen, und also war der Gang zum Insolvenzgericht unabwendbar. Der weiße Feinripp und die Anschlussfinanzierung - da prallen Welten aufeinander.
Dem Wäscheunternehmen Schiesser fehlte letztlich die notwenige "Anschlussfinanzierung". (© Foto: ddp)
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Traditionsunternehmen im Wandel
Von vielen guten alten Bekannten muss man sich in diesen Tagen trennen. Vertraute Namen bestimmen die Nachrichten, liebgewonnene Wegbegleiter. Traditionshäuser gehen pleite, werden manchmal übernommen und machen dann vielleicht unter demselben Namen, aber mit anderen Eigentümern weiter, um später dann doch zu scheitern.
Und verschwinden einfach aus der Welt, samt den allseits bekannten Namen. Heute geht es um Schiesser, Märklin, Rosenthal, Hertie. Früher waren es Dornier und Pfaff. Möbel Krügel. Der Bremer Vulkan. Grundig. Philipp Holzmann. Bald wird der Name Dresdner Bank verschwinden. Spätestens mit dem Sterben der Marken erreicht die Wirtschaftskrise die Mitte der Gesellschaft.
Zwar sind Insolvenzen sind Teil des wirtschaftlichen Lebens, einige Zehntausend können es selbst in guten Zeiten sein. Gegenzurechnen sind die Firmengründungen, die neue Arbeitsplätze schaffen, wo alte verloren gegangen sind. Dennoch ist gerade den Traditionsfirmen alle Aufmerksamkeit gewiss. Geht in der Folge der Finanzkrise alles unter, was uns lieb und teuer ist? Und womöglich nur deshalb, weil die bösen Banken den klammen Unternehmen keine Kredite mehr geben? Allmählich kriecht die Angst in den Menschen hoch, und wer noch nicht schon verzweifelt ist, der wird es nun langsam werden.
Weihnachten war noch alles gut
Die Krise ist immer zunächst abstrakt. Erst wenn sie konkret wird, erlebbar, wird es wirklich ernst. So haben die Deutschen noch bis in die letzten Tage hinein gedacht, dass es in der Folge des Crashs der Banken so schlimm wohl doch nicht werden wird. Und kauften fleißig noch zu Weihnachten die Geschäfte leer. Noch im Januar hielt sich der Konsumklimaindex, und selbst das Ifo-Institut meldete schon wieder bessere Stimmung bei den Unternehmen.
Aber die Krise war längst da, sie braucht nur ihre Zeit, bis sie wie Mehltau alles Wirtschaften überzieht. Nun geht es Schlag auf Schlag. Dennoch lohnt es sich, die Lage ganz nüchtern zu betrachten. Ja, es gibt eine schwere Wirtschaftskrise. Ja, sie erfasst immer mehr Unternehmen, und auch für 140 Jahre alte Firmen gibt es keine Bestandsgarantie.
Alte verschwinden, neue kommen
Aber ebenso wie diese Krise vorbeigehen und ein neuer Aufschwung kommen wird, werden neue Marken die alten ersetzen. Längst sind frische Namen im Markt etabliert; manche davon haben sich in Windeseile ins Gedächtnis der jungen Generation eingebrannt. Google, das iPod von Apple, eine Limo, die Bionade heißt. Manchmal sogar kommt Altes zurück: Sinalco und Afri Cola.
Es hilft, Wirtschaft ganz unsentimental zu betrachten. Die Welt ist ein ewiger Prozess der Umwälzung. Einiges bleibt ziemlich lange, aber nichts bleibt für immer. Am Ende geht es stets um eine Mischung aus Emotion und Verstand. Was macht eine gute Marke aus? Innovationskraft, Schaffung von Vertrauen, Service, Zugänglichkeit. Wer sich darum bemüht, hat Chancen zu überleben oder neu zu beginnen.Die Wirtschaftswissenschaftler zitieren an dieser Stelle gerne den österreichischen Nationalökonomen Josef Schumpeter mit dem Wort von der schöpferischen Zerstörung. Und der Volksmund sagt schlicht: In jedem Ende steckt ein Anfang.
(SZ vom 11.02.2009/iko/mel)
Großprojekte in Berlin
die nicht so fest finanziell stehen wie manche andere.
und wenn dann die Banken sich weigern ihre Arbeit zu tun, müßte m. E. denen geholfen und den Banken ihre Lizenz entzogen werden. Wofür brauchen sie die noch, wenn sie kein Geld mehr geben?
für das dieser wichtel auch honorar bekommt
Man sollte es sich nicht allzu leicht machen und in allem, was jetzt kommt, immer noch die gute "schöpferische Zerstörung" am Werk sehen, die ja nur dem besseren Neuen hilft, sich Platz zu verschaffen.
Diesmal ist auch ein gerüttelt Mass an Dummheit im Spiel, die epidemische Ausmasse annehmen kann und dann?
Brutale zivilisationszersetzende Energien fressen sich dann immer weiter durch unsere Kultur. Klar wir brauchen neue Autos, die keine Statussymbole mehr sind. Wir brauchen neue Häuser, die keine Energie verschwenden. Denn natürlich können wir anders leben als bisher. Aber vorerst einmal müssen wir die Dummheit besiegen.
in dieser journalistische Bankrotterklärung sind die Insolvenzen deutscher Markenfirmen eben die Späne, die beim Hobeln abfallen. Im Gegenteil dieser Wahnsinn hat Methode: Die meisten Bankrotte s sind trotz partiellem Eigenverschulden das Resultat einer radikalen Marktliberalisierung. Dies führte zu einem Ausverkauf der deutschen Industrie samt Knowhow nach Osten. Ganze Branchen sind weggebrochen von den Textilien bis zu den Speicherchips. Wovon wollen wir in den nächsten 10 Jahren leben, wenn der Markt
hierzulande bereinigt ist? Herr Beise beklagt die Folgen eines Prozesses als unausweichlich, deren Ursachen er sonst propagiert.
Wie wir gelernt haben, gibt es eine "virtuelle Welt des Geldes". Neu ist, dass es auch eine virtuelle Welt im Journalismus gibt. Offenbar ist es total unwichtig und des Erwähnens nicht wert, darauf hinzuweisen, dass ein großer Teil dieser, der im Kommentar aufgeführten Unternehmen es selbst verschuldet hatten, in die Insolvenz zu geraten. Nun ist es selbstverständlich journalistischer Brauch, in Kommentaren die eigen Meinung des Autors zu veröffentlichen. Dabei ist es doch sinnvoll, sich an die Realität zu halten. Ansonsten könnte man sich gleich an die renommierte Wissenschaftszeitung " Bild" wenden. Machen wir doch ein Beispiel: Märklin musste Insolvenz beantragen, nachdem erstens die ursprünglichen Eigentümer heillos zerstritten waren und somit ihrem Unternehmen geschadet haben. Dann verkaufte man an einen "Finanzinvestor". Dieser hat fröhlich gleich reihenweise die Geschäftsführer gewechselt. Die zum Zweck der Sanierung angeheuerten " Berater" haben dann Jahre lang einen Großteil der Gewinne an Honoraren kassiert. eine dramatische Besserung war nicht in Sicht. Stattdessen gab es Durchhalteparolen. Jetzt, nach dem Insolvenz-Antrag hat der Insolvenzverwalter erst mal die " Berater" nach Hause geschickt. Bei anderen oben angeführten Unternehmen konnte man ebenfalls gravierende Managementfehler nachweisen. Das alles hat nun gar nichts mit der Wirtschaftskrise zu tun. Lediglich die Krise selbst ist doch entstanden durch kapitale Managementfehler und einer unbekannten Gewissenlosigkeit gepaart mit unglaublicher Gier, die man jetzt auch noch den Bankkunden anlasten will. So muss man fragen, wie obige Artikel zustande kommen. Will der Autor einer gewissen Klientel einen, sagen wir, "Gefallen" tun? War der dem Kommentar zugewiesene Platz zu gering bemessen? Oder war es doch der Versuch etwas Leben in die Diskussion zu bringen. Jedenfalls objektiv ist der Artikel auf keinen Fall!
Paging