Managementfehler, überlegene Konkurrenz, Abhängigkeit von Subventionen: Das Beispiel Qimonda zeigt, dass die staatliche Förderung der deutschen Chipindustrie ein Fehler war. Nun muss das Abenteuer beendet werden.
Das kann heiter werden für die Bundesregierung. Sie schaut zu, wie der Chiphersteller Qimonda pleitegeht, und debattiert zugleich ein neues Rettungspaket für die Banken. Sie lässt ein High-Tech-Unternehmen mit 13.000 Beschäftigten untergehen, obwohl sie in der Finanzkrise längst Pläne ausgebrütet hat, auch angeschlagene Industrieunternehmen zu retten.
Aussichtslos: Der Versuch, die deutsche Chipindustrie zu fördern, musste scheitern. (© Foto: ddp)
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Die Politiker, die Qimonda nicht helfen wollen, weil das Unternehmen die Tragfähigkeit seines Geschäftsmodells "nicht hinreichend darlegen" konnte, dürfen sich auf heftige Kritik einstellen. Zumindest die betroffenen Mitarbeiter werden ihr vorwerfen, mit unterschiedlichen Ellen zu messen.
Überlegene Konkurrenz
Die Bundesregierung und die betroffenen Landesregierungen von Bayern und Sachsen tun aber gut daran, bei ihrer harten Haltung zu bleiben und kein Geld für Qimonda auszugeben. Die Sache ist zu aussichtslos. Die Wahrscheinlichkeit, dass die meist anspruchsvollen Arbeitsplätze in dem Unternehmen, das früher mal ein Teil von Siemens war, noch zu retten sind, ist zu gering. Dazu haben die Manager bei Qimonda und bei der heutigen Muttergesellschaft Infineon zu viele Fehler gemacht.
Die globalen Konkurrenten sind ihnen haushoch überlegen, und zum Dritten ist das weltweite Chip-Geschäft so massiv von Subventionen der Regierungen beherrscht, dass von einem funktionierenden Wettbewerb nicht die Rede sein kann.
Es ist tragisch für die betroffenen Qimonda-Beschäftigten. Aber ihre Arbeitsplätze hatten nie eine Zukunft. Sie waren der Traum von Politikern wie Managern und konnten überhaupt nur mit Staatshilfen geschaffen werden. Allzu bereitwillig gingen die Politiker auf die Forderung des Siemens-Konzerns ein, der Mitte der achtziger Jahre das Wettrennen um die Chiptechnologie aufnehmen wollte.
Schneller Schiffbruch
Die pfiffigen Konkurrenten hatten längst einen riesigen Vorsprung und die Manager des größten deutschen Technologiekonzerns fürchteten das hohe Risiko. Damals ging die Furcht vor den aggressiven Japanern um, die angeblich in allen wichtigen Technologien die Führung anstrebten. Es gehe um die Zukunft des Technologiestandortes Deutschland, hieß es.
Die klugen Rechner von Siemens begriffen aber schnell, dass sie in diesem Geschäft keine Chance hatten. Sie drehten das aussichtslose Chip-Geschäft unter dem Namen Infineon für viel Geld der Börse an, auch Kleinaktionären. Es durfte niemanden überraschen, dass dieser Neuling bald Schiffbruch erlitt. Frech war nur, dass Infineon den alten Trick erneut versuchte und die marode Speicher-Sparte als die Tochter Qimonda noch einmal abspaltete, die jetzt pleite ist.
Der Fall Qimonda belegt, dass es sinnlos ist, mit staatlichen Subventionen Arbeitsplätze zu schaffen, die ein Unternehmer nie kreieren würde, auch wenn es High-Tech-Jobs sind. Das funktioniert so gut wie nie. Der große Irrtum der achtziger Jahre ist auch durch weitere Staatshilfen nicht mehr zu korrigieren.
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(SZ vom 24.01.2009/tob)
Mubarak-Prozess in Ägypten
ich fürchte, dass Sie recht haben. Ich möchte dass Thema etwas weiter fassen: In ( fast ) allen Bereichen der Elektronik hat Deutschlands Management buchstäblich versagt. Ich sage das nicht, weil Managementschelte zur Zeit in ist, sondern weil es belegt ist. Das fing an mit dem ersten funktionsfähigen Computer von Zeise. Es setzte sich fort über diverse Hard-Ware Komponenten ( LCD - Displays, Festplatten, MP3 Player u.s.w.) bis hin zur Ship-Entwicklung und Fertigung. Alles wurde nur mehr oder weniger halbherzig bis überhaupt nicht gemacht, bis man in US und Fernost die Marktchancen erkannte. Und da war es zu spät. Sehen sich nur das traurige Kapitel der Fax-Geräte an. Es ist einfach nicht zu glauben. Wenn der Staat mit riesigen Subventionen droht, ja dann ist man gerne dabei. Aber bitte selbst kein Risiko eingehen! Das sollen lieber andere.
Rettet Qimonda oder: noch ist Qimonda nicht verloren! Lang lebe Qimonda!
Auch mit Insolenz oder gerade durch Insolvenz können Firmen gerettet werden.
Zu dem Artikel von Herrn Büschemann (SZ 24./25. Januar 09)
Qimonda Technologie ist gut. Die globalen Konkurrenten sind nicht haushoch überlegen.
Nur leider werden andere Firmen von ihren Regierungen unterstützt, das ist richtig. So wie die koreanische Firma Hynix, die fast Pleite gegangen wäre und jetzt starker Konkurrent ist.
Leider ist die Halbleiterindustrie einem Schweinezyklus unterworfen, erst Gewinne, dann wieder Verluste, dann wieder Gewinne. Diese Kurven gilt es durchzuhalten, auszusitzen.
Auch der immense Preisverfall der Chips trägt zu den Verlusten bei. Vor 1-2 Jahren kostete ein Speichermodul 120, jetzt nur noch 10.
Zu dem Artikel von Herrn Balser (SZ 24./25. Januar 09)
Er schreibt so subtil negativ, wieso?
1.Was hat ein Bezug auf die Namensgebung (Kunstname) in diesem Text zu suchen? Da wird subtil suggeriert, das auch die Firma künstlich sei.
2. Pierer verlor die Ungeduld so, so.. und trennte den Halbleiterbereich von Siemens. Hier zeigt sich die ganze Misere: grosse Konzerne haben viele ihrer Bereiche ausgegliedert, inzwischen sind diese Firmen entweder kaputt (BenQ) oder fast unbekannt (Epcos). Dagegen hat Samsung gezeigt, wie ein Konzern ähnlich dem früheren Siemens ohne auszugliedern seine Stellung halten kann, ohne auf massive Subventionen angewiesen zu sein. Ausgliederungen sind wohl doch nicht die Lösung...
Zu dem Artikel von Herrn Busse und Herrn Balser (SZ 24./25. Januar 09)
Logikchips sind keine höherwertigen Halbleiter!
Ich stelle fest:
Für die Rettung von Qimonda wurde eher das Aussitzen geprobt, denn die Rettung. Wie lange hat es gedauert verschiedene Gelder zusammen zu bekommen um zu unterstützen?
Ich stelle mir die Frage:
Kann es sein, daß ein Vorstand gegen Aufsichtsräte arbeiten / ankämpfen muß?
Warum wurde Qimonda als möglichst schnell zu loszuwerdendes Objekt dargestellt, wie sollen mit solchen Darstellungen Investoren gefunden werden?
Bedenke die Folgen:
Wird die Halbleiterindustrie gestoppt hat dies nach dem Niedergang der Halbleiterindustrie anschliessend auch Auswirkung auf ein Studium der Elektrowissenschaft, denn wer möchte spezifisch ausgebildet werden und bekommt dann in Deutschland keine Stelle?
Kein Telefon, keine Halbleiter was kommt als nächstes?
Für andere Firmen ist Geld in Millionenhöhe vorhanden? (Banken
Zur Erinnerung: Siemens war seinerzeit das Geschäft mit den Chips zu risikoreich und schob die unerwünschte Sparte als Infineon ab. Infineon prüfte daraufhin seine einzelnen Bereiche und spaltete den unrentabelsten als Qimonda ab. Nun mal ehrlich, welche Chance hat ein solcher Laden ???Antwort: keine !!! Jetzt kamen noch die Absatzprobleme in den 2 Schlüsselindustrien Automobil- und Kommunikations-Technik dazu.
Warum finden sich trotzdem TOP-Manager die einen solchen Pleitekandidaten führen wollen??? Antwort: weil diese, egal wie es ausgeht, eine satte Abfindung kassieren.
Merke: TOP = Total Ohne Plan = TOP
Machen wir uns nichts vor, es ist typisch, der Firma & dem Management die Schuld zu geben, da die wenigsten das Markt System durchdringen. Wenn Ursache und Wirkung nur ansatzweise zeitversetzt stattfinden, oder das Problem sich aus einem komplizierten System ergibt, ist der Schuldige schnell gefunden leider jedoch häufig der Falsche. Empfehle hierzu das Buch '5.Disziplin von Peter Senge, einen hochkarätigen Business-Guru..
Fakt ist, das Chipunternehmen aufgrund ihres immensen Investitionsvolumens (eine Front End Chipfabrik für Qimonda kostet ca. Euro 2 Mrd, dass ist ca. 5x so viel wie Volkswagen für ein Werk ausgeben muss), bei einem Preisverfall von 95% nur überleben können, wenn Sie a) einem gigantischen Konglomerat angehören, das sie subventioniert (Samsung) oder b) von einem staatsnahen Bankensystem oder den Staaten direkt gefördert werden (Korea, Japan, USA).
Übrigens: Wenn Sie in Korea bei Samsung anfangen, brauchen Sie nicht zum Militär...auch so kann staatliche Förderung aussehen.
Warum fördern nun diese Staaten diese Art von Firmen:
Qimonda, wie auch seine Mitbewerber, forschen und fertigten im absoluten Hochtechnologie-Bereich. Nur die besten Ingenieure in den oben genannten Fakultäten können hier mitmischen. Es handelt sich schlicht um Zukunftsindustrien.
Daher die Unterstützung der Staaten: Die Führungsriege (egal, ob nun demokratisch gewählt oder nicht) versteht, dass hier die Wettbewerbsfähigkeit des Landes auf dem Spiel steht.
In Europa, speziell aber in Deutschland, wird zwar der Agrarsektor mit Milliardensubventionen vor der 'harten' ausländischen Konkurrenz geschützt, jedoch wenn es um Zukunftsindustrien und die Sicherung der Vormachtsstellung Deutschlands im Bereich von Technologie geht, überlässt man alles den sogenannten Marktkräften, so verwässert sie durch fremde Staats-Subventionen auch sein mögen.
Es ist daher schon bedauerlich, dass wieder einmal eine Technologie - Industrie freiwillig an Asien abgegeben wird. Glaubt denn hier wirklich jemand, dass die riesigen Werke in China etc., die unsere Handys, Kühlschränke und Fernseher herstellen, ohne massive staatliche Unterstützung entstanden sind ?
Ich werde meinen Kindern, die in ca. 10 Jahren auf den Arbeitsmarkt kommen, raten, eine Karriere im Ackerbau & Viehzucht anszustreben.
das allg. missverständnis liegt darin, dass die produktionskapazitäten in die vergangenheit gerichtet ist. sie zielt nicht darauf, welche waren und dienstleistungen in der zukunft benötigt werden und auf welche weise sie herzustellen sind. rezession - auch die aktuelle - brechen herein, weil von bestimmten gütern (etwa häusern) zu viel zu schnell produziert wurde oder weil die falschen güter hergestellt wurden, sei es aufgrund unvorhergesehener umstände. im abschwung wird die produktion dieser waren zurückgefahren, und es wird nach anderen möglichkeiten für den einsatz vorhandener ressourcen gesucht. diesem notwendigen anpassungsprozess stellt sich eine wirtschaftspolitik (die jetzt auch in den wahlkampf eintritt) in den weg, die künstliche nachfrage schafft.
und es besteht die gefahr, dass neben nützlichen investitionen auch viele sinnlose projekte finanziert werden, die reinen (macht-)politische interessen bedienen, den wohlstand - und darauf kommt es an - aber weder jetzt noch in der zukunft mehren. die folge, ein politischer konjunkturzyklus entsteht.
aber mittlerweile kann eine insolvenz eine wirkliche chance für gute teile des unternehmens bedeuten. sollen doch die politiker aus dem spiel gelassen werden - die wollen im besten falle alles solange retten, bis die nächsten politiker den schlamassel übernehmen müssen. ergo, eine saubere und nachhaltige Insolvenz, eine zukunftsgerichtete strategie und unterlegung mit zahlen, die der Markt hergibt. kein wunschdenken einbauen. eine wirkliche chance. sollte das unternehmen keine eigene produkt- und marktstrategie entwickeln können, ist es besser, die tore zu schliessen. investieren wir unser (steuer-)geld da, wo der markt produkte und ihre unternehmen braucht.
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