Insolvenz von Evergreen Solar Wenn die Sonne untergeht

Schock für die Sonnenindustrie: Die Insolvenz des Herstellers Evergreen Solar hat die deutsche Branche alarmiert. An den Börsen stürzten die Aktien von Solarenergiefirmen ab. Wie anfällig ist die Branche wirklich?

Von Jennifer Lange

Eine Pleite in den USA schreckt die Solarbranche auf. Wie ein Schock wirkte die Insolvenz der in Marlboro, Massachusetts, sitzenden Firma Evergreen Solar. Das führte am Dienstag in der Branche zu heftigen Verkäufen von Solaraktien an der Frankfurter Börse. Die Anleger fürchten ähnliche Ereignisse in Deutschland. "Das ist kein gutes Signal für hiesige Solarfirmen, die genauso unter dem globalem Kosten- und Preisdruck leiden", sagt ein Händler.

Phoenix Solar fiel um 5,7 Prozent, SMA Solar und Solarworld um jeweils mehr als vier Prozent. Der Ökodax rutschte um 2,8 Prozent ab.

In den Ruin getrieben hat Evergreen Solar die chinesische Billigkonkurrenz. Seit zwei Jahren versuchte der amerikanische Solarpionier mit allen Mitteln, sich gegen die billiger produzierenden Rivalen aus Fernost zu behaupten. Dafür verlegte er sogar die eigene Herstellung aus Massachusetts in die Volksrepublik.

Doch den Abstieg hielt das nicht auf. Die Märkte leiden unter massiven Überkapazitäten und darunter, dass in führenden Solarmärkten wie Deutschland bisher gezahlte öffentliche Subventionen gestrichen wurden.

Ausgerechnet in diesen schwierigen Zeiten verlässt der Finanzvorstand Oliver Blamberger die deutsche Firma Solar Millennium. Der Finanzchef scheide auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand aus, teilte das Unternehmen mit. Für ihn springt zum 1. September 2011 Martin Löffler ein, zunächst bis zum Ende des Geschäftsjahres.

Gleichzeitig ist der Kraftwerksentwickler wegen des Verdachts auf Insiderhandel ins Visier von Ermittlern geraten. Die Bundesfinanzaufsicht (Bafin) gehe einem Anfangsverdacht nach, erklärte eine Sprecherin und bestätigte einen Bericht der Süddeutschen Zeitung. Ende 2009 hatte die Firma mit der Verpflichtung des ehemaligen EnBW-Chefs Utz Claasen an der Börse für ein Kursfeuerwerk gesorgt. Bei den Ermittlungen steht ein Aktienkauf des Aufsichtsrats und Firmengründers Hannes Kuhn im Mittelpunkt. Er soll vor der offiziellen Ernennung Claassens Firmensaktien erworben haben.

Schlecht sieht es auch beim sächsischen Solarzulieferer Roth & Rau aus. Im ersten Halbjahr ist das Unternehmen mangels Aufträgen und Umsatzverschiebungen tief in die roten Zahlen gerutscht. Das Minus betrug 18 Millionen Euro, nach fünf Millionen Gewinn ein Jahr zuvor. In den ersten sechs Monaten sank der Umsatz um 22 Prozent auf 93 Millionen Euro. Eine belastbare Prognose könne wegen vieler Unsicherheiten nicht gegeben werden. Grund: die vielen Stornierungen.